Für US-Basketballer zählt nur Goldmedaille:
Star-Team will Schmach von Athen tilgen

Weltmeister Spanien, Argentinien & Russland Rivalen Favoriten USA geben Gold nur selten aus der Hand

Für US-Basketballer zählt nur Goldmedaille:
Star-Team will Schmach von Athen tilgen © Bild: AP/Sladky

Vier Jahre nach der Schmach von Athen schickt sich Team USA in Peking an, olympisches Gold wieder ins Basketball-Mutterland zu holen. Die seit 1992, als Michael Jordan und Magic Johnson in Barcelona groß aufspielten, mit dem "Dream Team"-Nimbus vorbelastete US-Auswahl geht wie immer als haushoher Favorit ins Turnier. Teams wie der regierende Olympiasieger Argentinien, Weltmeister Spanien oder Europameister Russland wollen der Athletik der NBA-Starauswahl aber ihr taktisches, auf wurfstarke Akteure aufgebautes Spiel entgegenhalten.

Im US-Lager zählt auf der propagierten "Road To Redemption" ("Weg zur Wiedergutmachung") nur Gold. "Es gibt keine Ausreden", stellte NBA-Topscorer Kobe Bryant klar. Der Guard von den Los Angeles Lakers ist als "MVP" (wertvollster Spieler) der abgelaufenen NBA-Saison der Star des prominent besetzten zwölfköpfigen Teams. Namen wie LeBron James, Carmelo Anthony, Jason Kidd oder Dwyane Wade bürgen für individuelle Klasse, ob die bei ihren Clubs forcierten Einzelkünstler auch zueinander finden, bleibt jedoch das große Fragezeichen.

Blamable Vorstellung in Athen
Negative Erfahrung musste die Mannschaft vor vier Jahren machen. James, Wade und Anthony hatten sich damals ebenso wie Tim Duncan oder Allen Iverson blamiert und nur Bronze geholt. "Damals hat die Mischung nicht gestimmt, diesmal haben wir alles, um den Titel zu holen", wollte Wade keine Parallelen sehen. Coach Mike Krzyzewski sprach hingegen von einer "großen Herausforderung": "30 Prozent der NBA bestehen aus internationalen Spielern. Viele Mannschaften, auf die wir treffen, werden eine Startformation mit fünf NBA-Akteuren haben."

In der Vergangenheit habe man laut Krzyzewski den Anspruch auf die Nummer eins zu großspurig vor sich hergetragen. "Zu lange haben wir gesagt, dass es unser Spiel ist. Es ist eine Weltsportart. Man kann nicht arrogant auftreten und glauben, sicher zu siegen", meinte der 61-jährige Langzeit-Coach der Duke University, der seine Schützlinge akribisch auf das Großereignis vorbereitet hat.

USA geben Gold nur selten aus der Hand
Seit 1936 ist Basketball bei den Männern olympisch, seit dem legendären "Dream Team" von Barcelona 1992 sind auch die NBA-Stars mit dabei. In nur 4 von 16 Turnieren ging die Goldmedaille nicht an die USA. Neben der Sowjetunion (1972 und 1988) profitierte Jugoslawien 1980 in Moskau vom Boykott des Westens. Vor vier Jahren ging Gold an Argentinien, nachdem die Südamerikaner im Halbfinale die USA mit 89:81 ausgeschaltet hatten. Im kontinentalen Qualifikationsturnier in Las Vegas gewannen die Amerikaner die Neuauflage im Vorjahr mit einem klaren 118:81-Finalerfolg.

Der erste US-Gegner in Peking heißt am Sonntag China. Der Gastgeber setzt seine Hoffnungen auf Volksheld Yao Ming. Der 2,29 m große Center der Houston Rockets ist nach einem im Februar erlittenen Ermüdungsbruch im Fuß gerade rechtzeitig fit geworden. China wird in einer Gruppe mit den USA, Spanien, Vize-Weltmeister Griechenland und Deutschland (mit Dirk Nowitzki) allerdings um den Einzug ins Viertelfinale bangen müssen. Vor allem die Iberer um Pau Gasol wollen ein Wörtchen um den Olympiasieg mitreden. "Die USA sind Favorit", stapelte der Lakers-Teamkollege von Bryant aber vorerst tief.

Auch bei Damen USA favorisiert
Auch im Frauen-Turnier, das ebenfalls zwölf Nationen umfasst, sind die USA hoch favorisiert. Die Amerikanerinnen holten sich seit der Aufnahme ins Olympia-Programm 1976 fünf von acht Goldmedaillen und streben in China den vierten Erfolg in Serie an. In Athen gewann das US-Team, das im FIBA-Ranking überlegen vor Australien, Russland und Brasilien führt, alle acht Spiele. Im Finale schlugen die WNBA-Stars damals Australien 74:63. Zum ersten Mal in der Olympischen Geschichte spielen Männer und Frauen in der gleichen Halle: Im Wukesong Kultur-und Sport-Center im Westen Pekings, das 18.000 Zuschauern Platz bietet.
(apa/red)