Für Jubelmeldungen ist es noch zu früh: Coach Brückner stellt trotz 2:2 Mängel fest

ÖFB-Team erringt respektables Remis gegen Italien Für Frankreich-Heimspiel noch Verbesserungen nötig

Für Jubelmeldungen ist es noch zu früh: Coach Brückner stellt trotz 2:2 Mängel fest © Bild: Reuters/Ebenbichler

Nach seinem geglückten Einstand als österreichischer Fußball-Teamchef hat Karel Brückner auf Jubel-Meldungen verzichtet. Der Tscheche freute sich zwar über das Resultat im Testspiel in Nizza gegen Italien, machte am Tag danach aber auch klar, dass nach dem 2:2 gegen den regierenden Weltmeister im Hinblick auf den Auftakt in der WM-Qualifikation am 6. September im Wiener Happel-Stadion noch einige Verbesserungen nötig sind.

"Die Mannschaft hat gute Arbeit geleistet, das war nicht leicht gegen einen Gegner von so hoher Qualität. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, die Spieler brauchen positive Ergebnisse und eine positive Atmosphäre", erklärte Brückner bei der Nachbesprechung, die sein Assistent Andreas Herzog wegen einer Verkühlung versäumte.

Brückner bemängelt Spielaufbau
In einigen Bereichen bestehe aber noch Handlungsbedarf. "Wir haben viele Fehler im Spiel gemacht, zum Beispiel zu oft lange Pässe gespielt. Aber daran können wir arbeiten. Beim nächsten Treffen haben wir mehr Zeit", sagte der 68-Jährige, der außerdem bemängelte, dass bei Balleroberung das schnelle Spiel nach vorne nicht wunschgemäß funktionierte.

Da er die Mannschaft in seinem ersten Länderspiel auf der ÖFB-Trainerbank erst zwei Tage vor dem Italien-Match zur Verfügung hatte, legte er in der kurzen Vorbereitung nach eigenen Angaben das Hauptaugenmerk auf seine Spieler - dafür wurde der Kontrahent etwas außen vor gelassen. "Vor dem Spiel gegen Frankreich haben wir mehr Zeit, um uns mit dem Gegner zu beschäftigen", meinte der Teamchef.

Im Gegensatz zu den EURO-Partien und den vorangegangenen Test-Matches gegen Deutschland und die Niederlande, als sein Vorgänger Josef Hickersberger zumindest phasenweise Pressing praktizieren ließ, setzte der Coach gegen die Italiener auf einen massiven Defensiv-Riegel, was laut Brückner vor allem an der Stärke des Gegners lag. "Gegen Italien Pressing zu spielen und Druck zu machen, ist schwer. Ich habe schon bessere Mannschaften in einem tiefen Block spielen sehen."

Extra-Lob für Torschützen Janko
Dass es zumindest für einige Minuten gegen Ende der ersten Hälfte dennoch gelang, die "Squadra Azzurra" in Bedrängnis zu bringen, lag auch am Auftritt von Marc Janko, der Lob vom Teamchef erntete. "Er gehört zu unserem Stil. Ich bin mit seiner Leistung sehr zufrieden", sagte Brückner über den Salzburg-Stürmer, den er erst kurzfristig nachnominiert hatte und dann überraschend von Beginn an spielen ließ. Dafür versprach ihm der Teamchef laut Assistent Jan Kocian bei der Verabschiedung, ihn das nächste Mal "einen Tag früher zu nominieren, damit Ruhe im Land herrscht".

Sorgen bereitet Brückner die Verletzung von Goalie Alexander Manninger, der wegen einer Verhärtung der Rückenmuskulatur zur Pause ausgetauscht werden musste. "Und dass er bei Juventus zweiter Tormann ist, ist ein weiteres Problem", sagte der Betreuer und wies in diesem Zusammenhang auch auf die Verletzung von Jürgen Macho und die Erkrankung von Helge Payer hin: "Bei den Tormännern haben wir ein Problem."

Gelassener sieht Brückner die Situation rund um die Rückkehr von Paul Scharner. "Das ist kein großes Problem", behauptete der tschechische Ex-Teamchef und lag damit auf einer Wellenlänge mit Kocian. "Wir haben schon mit Spielern und dem Spielerrat geredet und keine negativen Geräusche mitbekommen. Die Spieler müssen auch selbst damit klarkommen", erklärte der Slowake, der auf einen Trip zu Scharner nach England verzichtet, "weil wir ihn ja jetzt gesehen haben".

"Problemfall" Ivanschitz
Gesehen haben Brückner und Kocian auch einen Andreas Ivanschitz, der wie bei der EURO nicht in die Rolle des Spielmachers zu schlüpfen vermochte. Bei der Beurteilung der Darbietung des Kapitäns gab sich der Teamchef jedoch wortkarg. "Ich schätze meine Spieler niemals über die Zeitungen ein", betonte der Tscheche. "Außerdem habe ich im Spiel Coaching gemacht, und das ist eine andere Arbeit. In den nächsten Tagen werde ich das Spiel genau analysieren."

Aufgrund des bevorstehenden intensiven DVD-Studiums ist noch offen, wann Brückner wieder in einem österreichischen Stadion zu sehen sein wird. "Ich weiß noch nicht, ob ich mir das Wiener Derby anschauen werde. Ich bin nach diesen Tagen ein bisschen müde, muss jetzt einmal unser Spiel analysieren und dann schauen, wie wir bei unserem nächsten Treffen arbeiten werden."

Brückner setzt bei seiner Informations-Beschaffung nicht ausschließlich auf die TV-Bilder, sondern nach eigenen Angaben auch auf Systeme, die das Geschehen auf dem gesamten Platz sichtbar machen. Mit der im Happel-Stadion installierten, kostenintensiven "Amisco Pro"-Technologie ist der Tscheche aber offensichtlich nicht vertraut. "Ich hatte in Tschechien ein billigeres Model, das hat 3.000 Kronen (Anm.: 122,9 Euro) gekostet", erzählte der 68-Jährige.

Schon am kommenden Donnerstag gibt Brückner den 20-Mann-Kader für die beiden WM-Quali-Partien gegen Frankreich (bislang wurden 38.000 Tickets abgesetzt) und Litauen bekannt. Darin aufscheinen wird wohl wieder Martin Harnik, obwohl der 21-Jährige im Moment bei Werder Bremen nicht über ein Reservistendasein hinauskommt. "Ich hatte auch in Tschechien Spieler, die keinen Fixplatz hatten. Er trainiert ja, hat aber selbstverständlich weniger Praxis", meinte Brückner.

Bleibt Roger Spry?
Auch Conditioning Coach Roger Spry wird am 1. September wieder in die Sporthauptschule Lindabrunn einziehen. Wie es nach den ersten beiden Quali-Partien mit dem Engländer weitergeht, scheint aber nach den Aussagen von Kocian offen. "Es ist klar, dass wir uns an seine Methoden noch gewöhnen müssen, da sind die Spieler schon weiter. Beim nächsten Lehrgang ist er dabei und dann wird über die weitere Zusammenarbeit gesprochen", erklärte der Slowake.

(apa/red)