"Für uns ist Cordoba kein Thema": Löw
über den österreichischen Fußball-Mythos

"Haben die Spieler nur als kleine Jungs erlebt" "Die Vergangenheit zählt im Fußball nicht"

Für DFB-Teamchef Joachim Löw hat der "Mythos Cordoba" keine Bedeutung. "In den Medien wird Cordoba hin und wieder erwähnt, aber für unsere Mannschaft und unseren Trainerstab ist es kein Thema", betonte der 47-Jährige im Gespräch mit der APA. Das WM-Turnier 1978, bei dem die Österreicher Deutschland mit 3:2 besiegt hatten, haben die jetzigen DFB-Auswahlspieler nur "als kleine Jungs erlebt. Manche waren noch gar nicht geboren", meinte Löw.

Außerdem habe es seit damals sehr viele Duelle der beiden Nationen gegeben. Tatsächlich standen einander Österreich und Deutschland in diversen Test- und Bewerbspielen in den vergangenen 30 Jahren bereits insgesamt zehnmal (1 Sieg,1986,4:1 in Wien/2 Remis/7 Niederlagen) gegenüber.

"Angst ist im Fußball ein schlechter Ratgeber"
Folglich hat der ehemalige FC-Tirol- und Austria Wien-Coach auch keine Angst, dass es im Juni 2008 bei der EURO, wo die ÖFB-Elf im Wiener Happel-Stadion auf Ballack und Co. trifft, zu einem "Revival" kommen könnte. "Angst ist im Fußball ein schlechter Ratgeber und von dem machen wir uns auch frei", sagte Löw. Seine Mannschaft schaue ohnehin immer nach vorne. "Es ist mal schön, über die Vergangenheit zu sprechen, aber im Fußball zählt sie nicht mehr."

Dass die Fans der Elf von Josef Hickersberger 30 Jahre nach dem "historischen Sieg" an eine "Cordoba-Neuauflage" denken, kann der DFB-Teamchef verstehen. "Österreich wünscht sich natürlich eine tolle EM, ein Weiterkommen und einen Sieg gegen Deutschland". Dass man darüber diskutiert, was vor 30 Jahren war, sei logisch. "Trotzdem werden alle Leute in Österreich im Sommer nicht an Cordoba, sondern an das Jetzt denken, und sie werden Österreich unterstützen, wo immer es geht", meinte Löw.

"Haben aber vor allen Mannschaften Respekt"
Auch deshalb erwartet der Bundestrainer ein offenes Rennen um die beiden Aufstiegsplätze in der Vorrundengruppe B. "Wir fürchten niemanden, haben aber vor allen Mannschaften Respekt. Die Polen haben Portugal, die Kroaten England in der Qualifikation hinter sich gelassen. Das sagt einiges aus. Beim Gastgeber wird, das weiß ich aus eigener Erfahrung, ein ordentlicher Ruck durch die Mannschaft gehen und die Energie in diesem Land wird sich auf das Team übertragen, sie werden um ihr Leben rennen. Ich glaube, dass Österreich ein gutes Turnier spielen wird", sagte Löw mit dem Nachsatz: "Ich sehe in der Gruppe keinen ausgemachten Favoriten, es wird schwer genug, da durchzukommen".

Neben Deutschland gebe es auch viele andere Mannschaften, die berechtigten Anspruch hätten, das Turnier zu gewinnen. "Die EM ist das schwierigste Turnier überhaupt, die vier Halbfinalisten der vergangenen WM sind allesamt dabei. Da gibt es mehrere Favoriten", erklärte Löw. Der Coach, dessen Vertrag nach geschaffter EM-Qualifikation bis 2010 verlängert wurde, könne zwar nicht versprechen, "dass wir alle Spiele gewinnen, aber dass wir alles Menschenmögliche machen werden, um gut vorbereitet ins Turnier zu gehen."

(apa/red)

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