Fünf Wochen nach Flughafen-Bombe: Fast 200.000 Spanier demonstrierten gegen ETA

20 Mitglieder von Jugendorganisation gefasst Kritik an Regierung wegen Dialog mit Terroristen

Fünf Wochen nach Flughafen-Bombe: Fast 200.000 Spanier demonstrierten gegen ETA

Fünf Wochen nach dem tödlichen ETA-Anschlag in Madrid haben mehr als 180.000 Spanier gegen den Terror der Untergrundorganisation demonstriert. An der Kundgebung in der spanischen Hauptstadt nahmen auch ranghohe Vertreter der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP) teil, darunter der Vorsitzende Mariano Rajoy und der frühere Ministerpräsident José Maria Aznar. In anderen spanischen Städten gab es ähnliche Kundgebungen.

Die Demonstranten schwenkten spanische Flaggen und forderten die sozialistische Regierung (PSOE) auf, von jeglichen Verhandlungen mit der ETA Abstand zu nehmen. Die ETA müsse bezwungen und nicht zu einem Gewaltverzicht überredet werden, hieß es. "Es ist ein Fehler, mit Terroristen zu verhandeln", sagte Oppositionsführer Rajoy. Im baskischen Bilbao fanden sich ebenfalls zahlreiche Menschen zu einem Friedensmarsch zusammen.

Der sozialistische Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero machte sich lange für einen Kurs des Dialogs mit der ETA stark. Nach dem Anschlag in einem Parkhaus des Madrider Flughafens am 30. Dezember, bei dem zwei Ecuadorianer getötet wurden, erklärte er den Friedensprozess aber für beendet. Es war der erste tödliche Anschlag der ETA seit Mai 2003 und der faktische Bruch der vor zehn Monaten verkündeten Waffenruhe. Dem Kampf der Untergrundorganisation für die Unabhängigkeit des Baskenlandes sind seit den 60er Jahren mehr als 800 Menschen zum Opfer gefallen.

Die baskische Polizei hat 19 flüchtige Aktivisten der ETA-nahen Jugendorganisation Segi gefasst. Die Gesuchten seien während einer Demonstration baskischer Separatisten in Bilbao gestellt worden, berichtete der spanische Rundfunk. Die nun Festgenommenen waren vor drei Wochen untergetaucht, nachdem Spaniens Oberster Gerichtshof die bereits seit längerem verbotene Jugendorganisation Segi als Terrorgruppe eingestuft und 23 ihrer Führungsmitglieder zu je sechs Jahren Haft verurteilt hatte.

Die Richter entschieden, dass Segi sowie ihre Vorläufer Jarrai und Haika dem Terrornetz der baskischen Untergrundorganisation ETA zugerechnet werden müssten. Die Polizei hatte bisher nur vier der Flüchtigen aufspüren können. Den Festgenommenen werden zahlreiche Gewaltakte im Baskenland zur Last gelegt, wo militante ETA-Anhänger nahezu täglich Busse oder Bankautomaten in Brand setzen.

Einige hundert linksgerichtete Demonstranten protestierten unterdessen in Sevilla gegen eine bevorstehende NATO-Konferenz in der südspanischen Stadt. Gaspar Llamazares von der Vereinigten Linken wandte sich dabei gegen einen Einsatz spanischer Soldaten in Afghanistan: "Wir haben den Irak durch den Haupteingang verlassen und sind in Afghanistan durchs Fenster eingestiegen", kritisierte er. Premier Zapatero zog nach seinem Wahlsieg 2004 die Truppen aus dem Irak ab. In Afghanistan sind 600 spanische Soldaten im Rahmen einer Friedensmission im Einsatz. Die Demonstranten schwenkten am Sonntag Anti-NATO-Plakate, um gegen ein informelles Treffen der Allianz am 8. und 9. Februar zu protestieren.
(APA/red)