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Fünf Jahre Syrien-Krieg

Wer in dem Krieg welche Rolle spielt. PLUS: Die Bilanz der jahrelangen Zerstörung

Die US-Allianz gegen ISIS bröckelt. © Bild: imago/Ralph Peters

Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg. Fünf Jahre der Zerstörung, der Flucht, der politischen Interessen. Ein Zeitraum, in dem man leicht den Überblick verlieren kann. Wer will was? Wer spielt eine Rolle? Und welche Auswirkungen hat der Krieg bisher gehabt? Ein Überblick.

Seit Beginn des Krieges 2011 ...

  • starben bis zu 470.000 Menschen.
  • wurden 1,9 Millionen Menschen verwundet (9 % der ursprünglich 21 Millionen Einwohner).
  • ist die Armutsquote auf 80 Prozent gestiegen.
  • sank die durchschnittliche Lebenserwartung von 75 auf 55 Jahre.
  • verloren 12 Millionen Menschen ihr Haus oder ihre Wohnung.
  • sind 7,6 Millionen Syrer innerhalb des Landes geflohen.
  • flüchteten 4,8 Millionen Syrer ins Ausland.
  • ist von den ursprünglich 300.000 Soldaten in Assads Armee die Hälfte entweder gefallen oder desertiert.

Wer spielt welche Rolle?

Türkei mit Präsident/Staatsoberhaupt Recep Tayip Erdogan

Die Türkei ist der große Verlierer im syrischen Stellvertreterkrieg. Ankara brach früh mit Assad, lieferte Waffen an Aufständische, die unter Kontrolle der Islamisten gerieten. Resultat: Assad ist weiter an der Macht, dafür steht der IS ebenso an der türkischen Grenze wie die gestärkten Kurden.

Russland mit Präsident/Staatsoberhaupt Wladimir Putin

Wladimir Putin setzte alles auf eine Karte und gewann. Mit Luftschlägen rettete er seinen Verbündeten Assad und brachte Russland als gewichtigen Akteur zurück in die Weltpolitik. Ohne Putin geht künftig in Syrien nichts. Er entscheidet über die Zukunft Assads und Krieg und Frieden im Land.

USA mit Regierungs- und Staatsoberhaupt Barack Obama

Die Syrien-Strategie der USA endete in einem Fiasko. Anfangs unterstützte Washington die säkulare Assad-Opposition nur zögerlich. Sie radikalisierte sich, sodass dort bald Islamisten das Sagen hatten. Rote Linien, die Obama zeichnete, überschritt Assad folgenlos. Amerika ist zum Zuschauen gezwungen.

Saudi-Arabien mit Regierungs- und Staatsoberhaupt Salman ibn Abd al-Aziz Katar mit Regierungs- und Staatsobrhaupt Tamim bin Hamad al Thani

Die sunnitischen Herrscher der Öl-Diktaturen hatten von Anfang an ein Ziel: den Sturz Assads, um ihren schiitischen Widersacher Iran zu schwächen. Sie sponserten daher Islamisten, lieferten Waffen und radikalisierten so den Krieg.

Iran mit Regierungsoberhaupt Hasan Rohani

Der schiitische Iran ist traditionell ein Verbündeter des ihm religiös verwandten alawitischen Assad. Als dieser ins Wanken geriet, sandte Teheran Truppen und mobilisierte auch die schiitische Hisbollah-Miliz aus dem Libanon. Der Syrienkonflikt wurde zum Glaubenskrieg der Regionalmächte.

Syrische Armee und Assad-treue Milizen mit Syriens Präsident Baschar al-Assad

Als aus friedlichen Protesten ein bewaffneter Aufstand wurde, sah Ex-US-Außenministerin Hillary Clinton Assad schon angezählt. Sein Abgang sei eine Frage von Monaten, wenn nicht Wochen, hieß es. Eine fatale Fehleinschätzung. Assad ging brutal gegen den Widerstand vor und setzte darauf, dass sich dieser radikalisiert. Die Welt sollte vor der Wahl zwischen ihm und den Islamisten stehen - und sich für das kleinere Übel entscheiden. Dank der Hilfe Russlands und des Iran nähert er sich diesem Ziel zunehmend an.

Rebellengruppen

Wer sind eigentlich die Rebellen? So lautet die Schlüsselfrage des Syrien-Kriegs. Die Antwort variiert je nach Ort, an dem man fragt. Aus der anfänglichen Protestbewegung und Überläufern des Assad-Regimes entstand die Freie Syrische Armee (FSA). Diese erhielt Unterstützung aus dem Westen und der Türkei. Nun ist unklar, was von ihr noch übrig ist. Denn Islamisten kaperten den Aufstand, darunter die mit Al-Qaida verbundene Al-Nusra-Front. Assad selbst sieht all seine bewaffneten Widersacher als Terroristen.

"Islamischer Staat" (IS) mit IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi

Der Aufstieg des ursprünglich irakisch geprägten IS wäre ohne den Krieg in Syrien schwer vorstellbar. Während der Westen auf Assad starrte, wuchs unbemerkt die Macht der Terrormiliz. Sie brachte Stämme unter ihre Kontrolle, eroberte für die Rebellen bestimmte Waffen und zog Abertausende Dschihadisten aus dem Ausland an. Erst jetzt gerät der IS in die Defensive. Luftangriffe zeigen ebenso Wirkung wie das Vorrücken der Assad-Armee. Dieser gelang mithilfe der Russen ein Triumph: die Rückeroberung der Wüstenstadt Palmyra.

Kurdische Streitkräfte (YPG) mit dem Oberbefehlshaber Sipan Hemo

Die Kurden stärkten durch den Krieg ihre Stellung. Lange waren sie die Einzigen, die am Boden gegen den IS vorgingen. So wurden sie zu Partnern des Westens, der sie aus der Luft unterstützte. Nach anfänglichen Verlusten gelang die Eroberung zweier zusammenhängender Siedlungsgebiete im Norden Syriens. Dort etablierte sich eine Quasi-Autonomie von Damaskus. Syriens Kurden sind mit der verbotenen türkischen PKK verbunden, ein Alptraum Erdogans wird wahr: ein Kurdenstaat an der Grenze zur Türkei.

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