Oranje zum Anfassen von

Fünf Jahre
König Willem-Alexander

"Er hat sich als ein sehr seriöser, kluger und guter König entpuppt"

Oranje zum Anfassen - Fünf Jahre
König Willem-Alexander © Bild: AFP PHOTO / POOL/ PETER DEJONG

Für fünf Jahren, am 30. April 2013, hat Willem-Alexander das Zepter von seiner Mutter überommen. Er entpuppte sich als seriöser, kluger und guter König.

THEMEN:

Das Bild werden die Niederländer nicht vergessen: König Willem-Alexander im roten samtenen Königsmantel mit Hermelinfutter, die Hand zum Schwur erhoben. Neben ihm seine Frau Maxima in königsblauer edler Robe und mit Diamant-Diadem. Beide blicken erwartungsvoll und sehr angespannt. Kurz vorher hatte Königin Beatrix, damals 75, abgedankt und ihrem Sohn den Thron übergeben. Das war am 30. April 2013.

© AFP PHOTO / POOL/ PETER DEJONG

Heute wirkt König Willem-Alexander deutlich entspannter. Fünf Jahre sind natürlich ein Klacks, wenn man bedenkt, dass die Oranjes locker 30 Jahre und länger auf dem Thron sitzen, bevor sie das Zepter der nächsten Generation übergeben. Dennoch hat der heute 51-jährige König dem Land bereits deutlich seinen Stempel aufgedrückt.

Jahrelang kannten die Niederländer ihren Kronprinzen als "Feierbiest", immer gut für Pils und Sport. Und nun reiben sie sich die Augen und sehen, wie er selbstbewusst neben anderen Staatschefs eine gute Figur macht. Ja - er jubelt immer noch bei Sporterfolgen und feiert gern. Aber er steht dem Volk auch in dunklen Stunden bei.

Am 17. Juli 2014 war die Passagiermaschine mit Flugnummer MH17 über der Ostukraine abgeschossen worden. Die meisten der 298 Opfer waren Niederländer. In den folgenden Wochen erlebten die Bürger erstmals einen tröstenden und trauernden König.

»Willem-Alexander macht seine Sache sehr gut. Er hat sich als ein sehr seriöser, kluger und guter König entpuppt«

"Willem-Alexander macht seine Sache sehr gut", sagte der Historiker Han van Bree, er schrieb ein Buch über die ersten fünf Amtsjahre des Königs. "Er hat sich als ein sehr seriöser, kluger und guter König entpuppt." Willem-Alexander sei emotionaler als seine Mutter und zugänglicher. Und das finden die meisten Niederländer auch und staunen. Schließlich hatten sie ihn jahrelang herablassend "Prins Pilsje" genannt. "Willem-Alexander ist unterschätzt worden", sagte der Historiker dem niederländischen Radio.

Als Staatsoberhaupt hat er weniger Einfluss als Beatrix, die gerne auch in den Regierungsgeschäften mitmischte. Ihr Sohn aber gibt gerne den Makler holländischer Kaufleute. Auf seinen offiziellen Auslandsbesuchen nimmt er Unternehmer im Gefolge mit, und die freuen sich, dass der König Türen zu lukrativen Geschäften öffnet.

Ein König zum Anfassen

Aber Willem-Alxander profiliert sich auch als König der ganz normalen Leute. Noch vor wenigen Wochen stand er etwa in der Küche eines Wohnheimes für Flüchtlinge und backte Palatschinken - sehr gekonnt, wenn auch ohne Schürze.

© APA/AFP/ANP/patrick van katwijk König Willem-Alexander beim Palatschinken-Backen

Das Jahrbuch des Hofes zeigt das Paar bei den vielen Besuchen im Land. Sie lachen, schütteln Hände und sprechen intensiv mit Bürgern - auf Marktplätzen, in Büros und selbst in einem Kuhstall. "Er ist echt ganz normal", sagen viele nach einem Treffen mit dem König. Und das kommt eben gut an in dem Land, in dem die Maxime gilt: "Sei normal, dann bist du schon verrückt genug."

Sogar zu seinem 50. Geburtstag hatte er 150 ganz "gewone mensen" in den Amsterdamer Palast eingeladen. Eine Friseurin, ein Briefträger und ein Steuerberater waren bei der "super-gezelligen" Party am 27. April 2017.

Außerdem hatte sich der König - obwohl sonst eher nicht gerade ein Freund der Medien - sogar einem langen TV-Interview gestellt. Die Niederländer erlebten ihn entspannt, emotional und selbstbewusst. Ja, das Amt sei auch schwer, gab er zu: "Aber Sie müssen kein Mitleid mit mir haben. Ich habe ein sehr interessantes Leben."

Willem-Alexander trägt die Bürde nicht alleine

Die Bürde des Amtes muss er übrigens nicht ganz alleine tragen. Zahlreiche Aufgaben übernimmt seine Frau Maxima (46). Die gebürtige Argentinierin ist seit Jahren das populärste Mitglied der Oranje-Familie und brachte sehr viel Glamour in das eher bodenständige Königshaus. Das weiß auch ihr Ehemann. "Ihr habe ich schließlich alles zu verdanken."

© imago/PPE

Maxima stellt ihn auch nicht in den Schatten, wie so mancher befürchtet hatte - vielleicht sogar auch ihr Mann. "Das ist kein Duo-Job", hatte er ziemlich deutlich vor der Übernahme des Thrones gesagt. Das saß.

Die Rolle im Hintergrund ist für Maxima alles anderes als einfach. Sie ist ja nicht nur Ehefrau und Mutter der drei Prinzessinnen Amalia (14), Alexia (12) und Ariane (11). Sondern als UNO-Sonderbeauftragte für Finanzdienste in Entwicklungsländern jettet sie noch um die Welt und trifft mehr Staatsoberhäupter als ihr Ehemann.

Zuhause sieht man sie dann wieder liebevoll mit Schulkindern singen, oder sie eröffnet ein Altersheim. Und alles scheint ihr Riesen-Spaß zu machen. Außerdem ist sie auch noch unbestritten die Fashion-Queen des Landes. Die Königin gibt im Jahr locker schon mal 200.000 Euro für Kleidung aus. Und das schlucken sogar die Holländer, die zum kopje koffie nie mehr als einen einzigen Keks servieren würden.

© APA/DIETMAR STIPLOVSEK Die niederländische Königsfamilie beim alljährlichen Skiurlaub in Lech

Maxima und Willem-Alexander sind ein Superteam, finden die meisten Holländer. Und am Freitag, "koningsdag", werden sie sich fröhlich ins Oranje-Outfit zwängen, ein Papier-Krönchen auf den Kopf setzen und beim nationalen Volksfest zu Ehren des Königs den Pappbecher heben: "Proost Willem-Alexander! Proost Maxima."

Kommentare