Fünf Jahre nach Hannawalds Triumph: Goldene Springer-Zeiten für Deutsche vorbei

DSV-Adler springen heuer im Niemandsland herum

Fünf Jahre nach Hannawalds Triumph: Goldene Springer-Zeiten für Deutsche vorbei

Die Goldenen Zeiten sind vorbei. Fünf Jahre nach dem legendären Triumph von Sven Hannawald, der alle vier Springen gewann, ist für die deutschen Skispringer bei der Vierschanzen-Tournee nur eine Nebenrolle vorgesehen. Während Gregor Schlierenzauer und Norwegens Newcomer Anders Jacobsen zum Angriff auf die Etablierten um die Titelverteidiger Janne Ahonen und Jakub Janda blasen, sind die Aussichten für das Sextett des Deutschen Skiverbandes (DSV) mäßig bis schlecht. Der bisher letzte deutsche Weltcup-Sieg durch Michael Uhrmann liegt immerhin schon fast drei Jahre zurück.

"Die Siegzeiten sind vorbei. Es ist unrealistisch, dass einer aus unserem Team bei der Tournee vorne dabei ist", sprach DSV-Bundestrainer Peter Rohwein vor der Auftaktveranstaltung in Oberstdorf Klartext. Trotz des bisher trostlosen Saisonverlaufs gönnte der Coach seinem Team um Weihnachten einige besinnliche Stunden und strich die am Dienstag in der Ramsau geplante Zusatzschicht. Stattdessen hat sich die Mannschaft bei einem Spezialtraining in Oberstdorf am Mittwoch den letzten Schliff geholt. "Durch den glücklichen Umstand, dass die Schanze präpariert ist, können wir den Reisestress vermeiden und uns vor Ort Selbstsicherheit holen", begründete Rohwein die Planänderung.

Angesichts der düsteren Prognosen gelang es Rohwein zu Weihnachten nicht, völlig abzuschalten. Der Coach traut lediglich seinen Routiniers Michael Uhrmann, der nach einem verpatzten Saisonstart langsam zu alter Stärke findet, und Martin Schmitt den einen oder anderen Achtungserfolg zu. "Wenn Michi mal auf das Podest springen würde, wäre es schön. Martin ist zu Anschlussplatzierungen zwischen 10 und 15 in der Lage. Mehr ist nicht realistisch", erklärte Rohwein.

Getreu dem Motto "die Hoffnung stirbt zuletzt" liebäugelt der im Vorfeld auch von den ehemaligen Stars Dieter Thoma und Jens Weißflog heftig kritisierte Bundestrainer vor allem mit einer Leistungssteigerung von Uhrmann. "Wir haben vor Weihnachten in Engelberg noch einiges am Ski probiert, am Schwerpunkt gefeilt und an der Skilänge gebastelt. Ich hoffe, dass er noch einen Tick besser wird. Man darf aber nicht mit Nachdruck darauf hoffen", sagte Rohwein.

Als günstig könnte sich erweisen, dass Uhrmann anders als im Vorjahr nicht als Favorit gehandelt wird. "Michael ist letztes Jahr als Vierter im Gesamt-Weltcup angereist und in der Öffentlichkeit schon zum Tournee-Sieger gemacht worden. Mit diesem Druck konnte er nicht umgehen. In dieser Saison tut er sich schwer und ist noch auf Formsuche. Dies kann für ihn eine Erleichterung sein", hofft Rohwein. Bezeichnend allerdings die realistische Einschätzung der Chancen von Uhrmann selbst: "An die Tournee-Gesamtwertung brauche ich gar nicht zu denken."

Für positive Schlagzeilen soll auch Schmitt sorgen. Der 28-Jährige war im bisherigen Saisonverlauf der konstanteste deutsche Springer. "Wenn Martin seine Leistung stabilisiert, ist das okay. Er ist dann auch in der Lage, mal unter die Top sechs zu kommen. Aber dann muss alles stimmen", sprach Rohwein dem vierfachen Weltmeister vergangener Tage Mut zu.

(apa/red)