Froschkönige und verlorene Zitronen: US-
Autor Adam Davies in der NEWS.at-Nachlese

Debüt-Roman wird derzeit in Hollywood verfilmt "Froschkönig" und "Goodbye, Lemon" in der Kritik

Froschkönige und verlorene Zitronen: US-
Autor Adam Davies in der NEWS.at-Nachlese © Bild: Diogenes Verlag

"Ich liebe dich" zu sagen, fällt vielen schwer. Es auch so zu meinen, umso mehr. Und für manche bleibt die Verbalisierung dieser drei legendären Worte ein Ding der Unmöglichkeit. Etwa für Harry Driscoll, New Yorker Verlagsassistent, der in Adam Davies' formidablem Romandebüt "Froschkönig" jedes Klischee vermeiden will. Und so seine große Liebe verliert.

Harry, zynischer und mäßig erfolgreicher kleiner Fisch im großen Haifischbecken eines Verlagshauses im Big Apple, wäre wohl bereit zu sterben, um Klischees zu verhindern, so sehr verabscheut er sie. Der Grad der Abneigung erhöht sich zudem noch in Kombination mit der Liebe. Und all ihren Komplikationen.

Dieser ungünstigen Ausgangslage zum Trotz führt der 26-Jährige eine glückliche Beziehung mit Evie Goddard, die Davies so hinreißend und zauberhaft charakterisiert, dass Mann sofort ins offene Buch hineinspringen möchte, um sie zu erobern. Glück aber, vor allem dauerhaftes, muss hart erkämpft werden, und auch wenn Traumfrau Evie geduldig ist, sehr geduldig, so wird aus Harry einfach kein König, er bleibt ein Frosch. Und das zu erwartende Ende ist wohl das für Harry schlimmste: ein Klischee.

Männer, die nicht erwachsen werden wollen oder können: Dieses Buch wurde für euch geschrieben. Hängengeblieben in den letzten Atemzügen der Adoleszenz wird jede Form der Romantik, des Kitsches und der Liebe mit allen Formen des Zynismus im Keim erstickt. Und wie gekonnt Davies das Problem der Froschkönige dieser Welt beschreibt, wie unterhaltsam und witzig, aber gleichzeitig deprimierend und realistisch bis zur Schmerzgrenze er in seinem Debütroman agiert, das ist auf jeden Fall die Verfilmung wert, an der Sex-and-the-City-Macher Darren Star derzeit arbeitet.

Vom Zyniker zum Familiendrama
Ganz anders verhält es sich hingegen mit Davies' zweitem Roman, "Goodbye Lemon". Froschkönige noch im Hinterkopf, steht hier eine Familiengeschichte im Mittelpunkt, die sich mit dem frühen Tod des Bruders (der verlorenen Zitrone) und dem "Locked in"-Syndrom des Vaters dramatisch gestaltet. Die Sprachlosigkeit innerhalb der Familie, der Umgang mit auftauchenden Problemen und lange unterdrückte Vorwürfe werden so realistisch dargestellt, dass sich jeder Leser sofort an eigene Erfahrungen, sofern vorhanden, erinnert fühlt.

Mitunter aber wirft der US-Autor köstlich-amüsante Szenen ein, etwa beim Umgang mit Schlaganfallpatienten, sodass "Goodbye Lemon" nicht nur schmerzhaft und nicht nur nachdenklich ist, sondern auch zum Lachen animiert.

Fazit: Zwei Bücher, zwei unterschiedlichste Facetten und zwei Daumen hoch. Adam Davies' kurzes Oeuvre hinterlässt Spuren beim Leser und schafft sich einen dauerhaften Platz in dessen Gedächtnis. Gibt es ein schöneres Kompliment?

(hoa)