Friedensnobelpreis von

Friedensnobelpreis für
Anti-Atomwaffen-Kampagne

Friedensnobelpreis - Friedensnobelpreis für
Anti-Atomwaffen-Kampagne © Bild: Jonathan NACKSTRAND / AFP

Der Friedensnobelpreis 2017 geht an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (ICAN)

Der Friedensnobelpreis 2017 geht an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (ICAN). Das gab das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt.

Die Organisation erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken", begründete das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo ihre Entscheidung. ICAN habe sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffe bemüht.

Kampf gegen Atomwaffen

Experten hatten im Vorfeld einen Preis im Kontext des Kampfes gegen Atomwaffen vorhergesagt. Die Osloer Jury hatte sich in diesem Jahr unter 318 Anwärtern entscheiden müssen - 215 Personen und 103 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen. Nur wenige Nominierungen waren im Vorhinein bekannt.

Im vergangenen Jahr hatten die fünf Mitglieder des Nobelkomitees Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos ausgezeichnet. Er erhielt den Nobelpreis für "seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden".

Wenige Wochen zuvor hatten Santos und der Chef der linken FARC-Guerilla, Rodrigo Londono alias "Timochenko", Geschichte geschrieben, als sie nach Jahrzehnten des Konflikts mit mehr als 220 000 Toten und Millionen Vertriebenen einen Friedensvertrag unterzeichneten.

Der mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis wird als einzige der renommierten Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Norwegens Hauptstadt Oslo vergeben. Hier wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, auch verliehen.

ICAN wurde 2007 in Wien gegründet

Für Nobelpreissieger ist die Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) ziemlich unkonventionell: Die Generalsekretärin, die Schwedin Beatrice Fihn, ist erst 34 Jahre alt. Ihr Büro in Genf besteht aus nur vier Leuten. Das Bündnis selbst ist viel größer: 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich für Abrüstung engagieren. Gegründet wurde die Organisation 2007 in Wien.

Bei einer Konferenz des Atomwaffensperrvertrags in Wien kamen die Gruppen vor zehn Jahren zusammen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern Zehntausende Aktivisten in mehr als 100 Ländern.

Im Juli 2017 wurde das Vertragswerk unterzeichnet. Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und den mit ihnen verbündeten Staaten zustande.

Vorbild für ICAN waren andere Abrüstungsverträge: zum Beispiel das internationale Übereinkommen zum Verbot von Landminen, oder die Verträge zum Verbot von Streumunition oder von chemischen Waffen. Bei solchen Abkommen auf Initiative der Zivilgesellschaft rücken immer die verheerenden Folgen der Waffen für die Bevölkerung ins Zentrum.

Die internationale Ächtung der Waffen setze Regierungen unter Druck, die nicht unterzeichnen, so ICAN. Für Fihn ist die Sache einfach: "Ist es akzeptabel, Hunderttausende Menschen umzubringen oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen verboten werden", sagte sie der dpa vor der Preisverkündung.

Zu den ICAN-Mitgliedern gehören etwa die internationale Juristenvereinigung gegen Atomwaffen oder der Internationale Gewerkschaftsbund.

Der Vertrag tritt in Kraft, wenn 50 Mitglieder ihn ratifiziert haben. Fehn rechnet damit bis Ende nächsten Jahres. Keiner der Atomländer hat ihn unterzeichnet. Mitglieder des nordatlantischen Atombündnisses (NATO) sagen, das sei mit der NATO-Mitgliedschaft nicht vereinbar.

Kommentare

Peter Lüdin
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1)
Die Wahl ist generell gut, weil die Aufklärung über diese Waffen vernachlässigt wurde und damit, dass diese nur als Abschreckung zu nutzen wäre. Aktuell verdeutlicht gerade Nordkorea und der Iran die Wichtigkeit von neuer Transparenz für die neue Generation, die nicht vom Kalten Krieg beeinflusst wurde.

Peter Lüdin
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2)
Der Friedennobelspreis ist mehr ein Preis für Hoffnung, nicht wie die anderen Preisen der Wissenschaft, die Preisen sind für Ergebnisse.
Dennoch aber hat der Friedensnobelpreis seit Dezember 1994 (Yasser Arafat) keinen guten Streckenrekord mehr.

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