Freude und Wehmut bei Felipe Massa:
Brasilianer als Zuschauer zurück in Formel 1

Wurde im Fahrerlager von allen freudig begrüßt Massa soll am Sonntag die Zielflagge schwenken

Freude und Wehmut bei Felipe Massa:
Brasilianer als Zuschauer zurück in Formel 1 © Bild: Reuters

Felipe Massa genoss die umjubelte Rückkehr ins Fahrerlager der Formel 1 in vollen Zügen, doch in sein Lächeln mischte sich auch ein bisschen Wehmut. "Ich will im Auto sitzen, vor allem hier in Brasilien. Es wäre fantastisch gewesen, für dieses Rennen zurückzukommen", sagte der Brasilianer. Nach seinem kapitalen Unfall am 25. Juli in Ungarn durfte der Vizeweltmeister von Ferrari bei seinem Heimrennen in Sao Paulo endlich wieder Formel-1-Luft schnuppern, in der Box und am Kommandostand.

Während Bruder Eduardo "Dudu" Massa ebenfalls schon zum gefragten Interviewpartner avancierte, wurde der Rückkehrer überschwänglich von Kollegen und Teamverantwortlichen empfangen. Eine Umarmung hier von Landsmann Rubens Barrichello, eine Handschlag da von Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone und der gesamten Ferrari-Crew. Und am Sonntag soll Massa beim vorletzten WM-Lauf sogar die Zielflagge schwenken.

"Es ist großartig, ihn zu sehen", meinte Lewis Hamilton, der sich vor einem Jahr mit Massa auf dem Kurs in Interlagos das wohl dramatischste Saisonfinale der Königsklasse geleistet hatte. "Ich denke, der Sport hat ihn vermisst, und ich habe die Duelle mit ihm vermisst", betonte Hamilton, der 2008 denkbar knapp mit einem Punkt Vorsprung die Nase vorn hatte. "Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, ihn wieder in der Startaufstellung zu sehen und, dass ich mir mit ihm wieder großartige Kämpfe leiste."

"Kleiner tapferer Kerl"
Daran, dass Massa wieder ganz der Alte sein wird, ließ auch Hamiltons Chef, Martin Whitmarsh, keinen Zweifel. "Man muss nur 30 Sekunden in seiner Gegenwart verbringen und man weiß: Er wird nächstes Jahr leistungsstark sein", meinte der Brite und fügte respektvoll hinzu: "Was für einer kleiner tapferer Kerl." Es sei fantastisch für die Formel 1, meinte Whitmarsh. Massa hatte bei seinem Crash in der Ungarn-Qualifikation auch Kopfverletzungen davongetragen. Wie Untersuchungen vor einer Woche in Paris ergaben, ist aber auch sein linkes Auge, dass zuerst Sorgen bereitet hatte, wieder voll leistungsfähig.

Topfit, ganz der Alte - aber warum geht Massa, der am Montag erstmals wieder in einem Formel-1-Wagen Gas gegeben hatte, dann nicht spätestens beim Saisonfinale am 1. November an den Start? Sein Ersatzmann Giancarlo Fisichella, der bereits den völlig glück- und erfolglosen Luca Badoer ablöste, konnte bisher noch keine Bäume ausreißen. "Leider müssen wir noch ein bisschen warten", meinte der "Paulista", dem äußerlich nichts mehr von dem verheerenden Unfall anzusehen ist. Damals hatte ihn erst eine Metallfeder am Helm getroffen, anschließend war er in die Reifenstapel gekracht.

"Ich kann alles machen, was ich zuvor auch getan habe", sagte der Südamerikaner, "die einzige große Sache ist, dass alles 100 Prozent sein muss, weil unser Sport ein Risikosport ist. Man kann einen weiteren Unfall haben, ich hoffe natürlich nicht, aber man kann", erklärte er. Massa muss sich nun bis ins kommende Jahr, in dem er mit dem zweifachen Weltmeister Fernando Alonso ein zweifelsohne ebenso erfolgversprechendes wie auch ein explosives Duo bilden wird, weiter in Geduld üben.

"Wir werden ein großartiges Paar haben, das weiß, worauf der Fokus liegt", meinte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, nachdem Massa mit Äußerungen vor brasilianischen Journalisten für Aufsehen gesorgt hatte. Demnach warf er seinem künftigen Teamkollegen vor, vom Singapur-Skandal 2008 gewusst zu haben. "Singapur? Lasst uns nach vorne schauen", verkündete Massa hernach auf der Ferrari-Homepage. Man darf gespannt sein.

(apa/red)