Fremde Kulturen, aber ähnliche Sitten...:
Handy und Internet finden Einzug im Kongo

Fremde Kulturen, aber ähnliche Sitten...:
Handy und Internet finden Einzug im Kongo

In manchen Büros der UN-Mission im Kongo hängen Stadtpläne mit dem Titel "Kinshasa Hotspots". Gemeint sind die Unruheviertel der Stadt, nicht die Inseln des kabellosen Internetzugangs, die ohnehin kaum einer in der Hauptstadt des kriegsverwüsteten Landes vermutet. Doch es gibt sie, derzeit vor allem in Hotels für Ausländer und reiche Kongolesen. Es werde nicht mehr lange dauern, bis es auch Cafes und Bars mit Hotspots geben wird, meint Blaise, ein junger Informatiker. "Die Leute hier sind begeistert von modernen Kommunikationsmitteln", sagt er.

Wie viele afrikanische Länder hat der Kongo bei der technologischen Entwicklung eine Stufe übersprungen. Dort, wo es nie Telefonleitungen gab, haben jetzt fast alle ein Mobiltelefon. "Das Telefonnetz hat unter dem Krieg stark gelitten, die meisten Leitungen sind tot und werden auch nicht mehr repariert werden", sagt Blaise. "Mobiltelefone sind ohnehin praktischer."

Mitleidige Blicke für alte Modelle
Wer in Kinshasa noch mit einem der alten Modelle herumläuft, die womöglich noch einen kleinen Antennenstummel haben, erntet mitleidige Blicke. Hier werden blinkende, flache Geräte elegant aufgeklappt oder auseinandergeschoben. Die Vielfalt der Klingeltöne entspricht etwa der Vielfalt der kongolesischen Stämme. Wer wichtig ist, demonstriert das gern, in dem er bei Terminen zwei oder drei Telefone vor sich auf den Tisch legt.

Telefonie als Zahlungsmittel
Der kongolesischen Bereitschaft zum Teilen kommen die Angebote der Telefongesellschaften entgegen, Guthaben von einem auf ein anderes Telefon zu übertragen. "Ich schicke meinem Bruder manchmal ein paar Einheiten, wenn er keine mehr hat", sagt Blaise. Der Telefontransfer ist mittlerweile fast eine Ersatzwährung für kleine Beträge geworden. Das haben auch die unterbezahlten und daher korrupten Polizisten erkannt, die Autofahrer gerne einmal um "ein paar Einheiten" bitten.

Kaffeehäuser als Hotspot
Der libanesische Geschäftsmann Salim besitzt zwei der zahlreichen Internetcafés in Kinshasa. "Wir arbeiten hier mit einer Satellitenschüssel", sagt er. Andere Lösungen seien wegen der schwachen Infrastruktur kaum möglich. "Die Verbindung ist meistens gut genug, dass die Kunden Webcams und Internettelefonie nutzen können." Sein erstes Internetcafé hat er vor fünf Jahren eröffnet, seitdem ist die Kundenzahl stetig gestiegen. "In letzter Zeit kommen viele, die sich wegen der bevorstehenden Wahlen informieren", sagt Salim. "Sie laden sich Material zu den Kandidaten herunter." Internet kostet ein bis zwei Euro die Stunde. Vor den Röhrenbildschirmen, die durch Sichtschutz voneinander getrennt sind, sitzen junge Männer in Anzügen und junge Frauen in farbenfrohen Kleidern mit passenden Tüchern um den Kopf.

Jeder kann mailen
Manchmal kommen auch Kongolesen vorbei, die weder lesen noch schreiben, geschweige denn mit einem Computer umgehen können. Doch sie wissen, wie E-Mails funktionieren: Sie diktieren einem hilfsbereiten Menschen ihre Nachricht, und kurze Zeit später kann der Adressat am anderen Ende des Landes oder sogar im Ausland sie lesen. (apa/red)