Freizeitgebiet Alte Donau von

Herrl-Gackerl-Sackerl?

Im Freizeitgebiet Alte Donau werden heuer fast keine Mobil-Toiletten mehr aufgestellt

Freizeitgebiet Alte Donau - Herrl-Gackerl-Sackerl? © Bild: Stadt Wien/Thinkstock

"Die Badesaison hat längst angefangen, und wir haben keine Toilettenanlagen stehen", kritisiert Josef Bitzinger von der Wirtschaftskammer Wien, sorgt sich um die - bisweilen noch hervorragende - Wasserqualität der Alten Donau und scherzt über Gackerl-Sackerl fürs Herrl. Gerald Loew, Abteilungsleiter der MA 45 findet die Schwarzmalerei der Wirtschaftskammer "absolut unangebracht und keinesfalls zutreffend". Die Stadt Wien will Lokal-Toiletten für Badegäste öffnen und nur vereinzelt Mobilklos aufstellen.

"Die Schwarzmalerei der Wirtschaftskammer ist absolut unangebracht und keinesfalls zutreffend", bekräftigte Gerald Loew, Abteilungsleiter der MA 45. "Die Alte Donau wird also mit ausreichend Toiletten für die Besucherinnen und Besucher versorgt sein. Wir führen derzeit Gespräche mit Gastronomie-Betrieben, dass diese ihre Toilettanlagen öffentlich zur Verfügung stellen - daran würde sich die Stadt Wien finanziell auch beteiligen." Dies sei ein Modell, das sich bereits unter anderem auf der Donauinsel bestens bewährt hat.

Grießler: "Sparen am falschen Punkt"
Zuvor hatte die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien gegen ein geplantes Mobiltoilettenverbot im Freizeitjuwel Alte Donau protestiert. Markus Grießler, Obmann der Freizeit-und Sportbetriebe der Wirtschaftskammer Wien und Obmann der Arbeitsgemeinschaft "Die schöne Alte Donau", befürchtete dadurch eine Verschmutzung des Gebietes und des Gewässers selbst. "Es ist unverständlich, wie man nach jahrelanger, erfolgreicher Verbesserung der Wasserqualität der Alten Donau eine erneute Verschlechterung riskiert werden kann. Das ist definitiv Sparen am falschen Punkt", so Grießler. KommR Ing. Josef Bitzinger, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien: "Wir wollen keinen Luxus auf der Alten Donau, aber ein stilles Örtchen muss es geben. Oder sollen zukünftig auch Sackerl fürs Gackerl fürs Herrl ausgeteilt werden?"

Verhandlung mit Gastronomen
Fakt ist: Wenn der nächste Sommertag kommt, haben die Besucher der Alten Donau in Wien nichts zu befürchten. Diese weise nicht nur eine Wasserqualität auf, die mit jener österreichischer Badeseen "locker" mithalten könne, auch für ausreichend Toiletten wird gesorgt. Die Stadt Wien arbeitet derzeit an einem Konzept, bei dem die Anlagen von Gastronomen mitgenutzt werden dürfen - auch ohne dort etwas zu konsumieren.

Zusätzliche Mobilklos
Konkret plant die Stadt, sich an den Erhaltungskosten der Gastro-WCs beteiligen. "Wir verhandeln gerade mit Gastronomen", berichtete Sima. Dieses Modell habe sich beispielsweise bereits auf der Donauinsel bewährt. Mobilklos sollen aber auch weiterhin auf dem Areal zu finden sein - nämlich an "neuralgischen Punkten", wo es keine andere Möglichkeit zur WC-Nutzung gebe. Die Zahl der mobilen Anlagen soll an das Verhandlungsergebnis angepasst werden - wie viele Gastronomen mitmachen, ist noch offen.

Hervorragende Wasserqualität
Dringende Bedürfnisse sollen also dem Badespaß in der Alten Donau nicht entgegen stehen. Denn die Wasserqualität ist auch heuer wieder sehr gut: "Wir haben eine Sichttiefe von beinahe vier Metern", so Sima. Dabei spielen auch die Unterwasserpflanzen, die sogenannten Makrophyten, eine wichtige Rolle: "Sie wirken als biologischer Filter. Sie binden Nährstoffe, verringern die Trübung und sorgen damit für klare Sicht", erklärte Wassergüteexperte Karl Donabaum, Geschäftsführer der DWS Hydro-Ökologie. Allerdings sind die hochgewachsenen Pflanzen als Bauchkitzler gefürchtet.

Mähern der "Bauchkitzler"
Seit 2003 sorgen Mähboote dafür, dass die rund eine Million Schwimmer, die pro Jahr in der Alten Donau planschen, von den Pflanzen nicht gestört werden. Zudem hilft das Mähen auch niedrig wachsender Vegetation, der die Makrophyten andernfalls das Licht nehmen. Seit einiger Zeit wird von der MA 45 nämlich die Pflanzung von niedrigstämmige Unterwasserpflanzen, den sogenannten Characeen, nämlich gefördert. Sie sollen sukzessive den Platz hochwüchsiger Arten einnehmen, wodurch mehr Licht bis an den Gewässergrund gelangt. Sobald die kleinwüchsigen Pflanzen in der Alten Donau dominieren, soll das Mähen nicht mehr notwendig sein.