Freispruch für OMV-Chef Ruttenstorfer:
Staatsanwalt meldet volle Berufung an

Anklage wegen Insiderhandels mit OMV-Aktien Ermittlungen nach profil-Interview im März 2009

Freispruch für OMV-Chef Ruttenstorfer:
Staatsanwalt meldet volle Berufung an © Bild: Reuters/Bader

OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer ist im Straflandesgericht Wien von Richterin Claudia Moravec-Loidolt vom Vorwurf des Insiderhandels freigesprochen worden. Der Staatsanwalt ist mit dem Urteil nicht zufrieden und meldete umgehend volle Berufung an.

Ruttenstorfer hatte in einem profil-Interview im März 2009 erklärt, die OMV werde Aktien an der ungarischen MOL jedenfalls noch bis Jahresende halten und parallel dazu im Rahmen von Directors Dealings selber Aktien erworben. Eine Woche später gab die OMV dann bekannt, dass sie ihren Anteil an der MOL doch an die russische Surneftegaz verkaufe.

Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Ruttenstorfer vorgeworfen, er habe sein Insiderwissen genutzt. Das hat Ruttenstorfer vehement in Abrede gestellt und nun vom Straflandesgericht Recht bekommen.

Richterin: Kein Bereicherungsvorsatz
Die Richterin begründete den Freispruch für OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer vom Vorwurf des Insider-Handels damit, dass es beim Eigeninvestment des OMV-Chefs am 23. März 2009 keinen Bereicherungsvorsatz gegeben habe, dass auch die Kaufentscheidung für die OMV-Aktien nicht kausal vom Wissen über den möglicherweise bevorstehenden MOL-Deal abhängig war. Grund dafür sei ausschließlich das an dem Tag im Konzern fixierte langfristige Vergütungsprogramm für Vorstände gewesen. Staatsanwalt Michael Schön legte gegen den Freispruch volle Berufung ein.

Erleichterung bei Ruttenstorfer
OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer zeigte sich nach seinem Freispruch im Insider-Prozess erleichtert. Er sei froh, dass in dem Verfahren anerkannt worden sei, dass er im März 2009 nur wegen des Vergütungsprogrammes für OMV-Vorstände die Aktien seines Unternehmens erworben habe, um sie langfristig zu behalten. Die Behaltefrist ist verlängert worden - Ruttenstorfer darf sich von den Aktien frühestens drei Jahre nach seinem Ausscheiden als Generaldirektor Ende März d.J. trennen, muss sie also in Summe fünf Jahre halten.

(apa/red)

Kommentare

Was habe ich immer gesagt? Die da oben richten es sich mit der Justiz. Der Kleine wird aufgeknüpft und die Großen unter sich tun sich nicht weh. Nicht umsonst ist Österreich laut Transparency International ein hochgradiges, korruptionsverdächtiges Land in der EU.

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Völlig Wurscht ob ÖVP / FPÖ (Beispiel Grasser) oder SPÖ (jetzt Ruttensdorfer) die richten sichs alle wie sie es brauchen; ob unsereins wohl die gleichen Richterurteile zu erwarten hätte? das bezweifle ich sehr.

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Re: Völlig Wurscht In Anbetracht der Tatsache, dass Ruttensdorfer ( unter anderen) als neuer ÖIAG Chef gehandelt wird, verwundert dieses Urteil wenig. Beim Lieblingsstreitthema der Großen Koalition würde man sich mit Ruttensdorfer wohl die Gunst der SPÖ sichern und deren medialen Dauerbeschüssen den Wind aus den Segeln nehmen. Mal schaun, wie der politische Kuhhandel diesmal abläuft.

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