Freifahrt adé: Tausende ÖBBler werden auf ihre Gratiskarten künftig verzichten müssen

FORMAT: Freifahrt entpuppt sich als Bilanzproblem 89.000 ÖBB-Pensionisten könnten Privileg verlieren

Freifahrt adé: Tausende ÖBBler werden auf ihre Gratiskarten künftig verzichten müssen © Bild: APA/Hochmuth

Den ÖBB droht das nächste Bilanzdesaster: Steuernachzahlungen wegen „Gratistickets“ für Eisenbahner verursachen mehr als 200 Millionen Euro an Rückstellungsbedarf.

Jetzt ist das Finanzamt dran. Nach den fehlgeschlagenen Wertpapierspekulationen (2008) und der il­legalen Krankendatenspeicherung (2009) sorgen die Bundesbahnen gleich zu Jahresbeginn mit einer neuen Affäre für Aufsehen: Diesmal geht es um die Quasi-Gratistickets von 40.000 Eisenbahnern, deren Familienangehörigen sowie von rund 89.000 ÖBB-Pensionisten. Denn die großzügige Gewährung des Freifahrtprivilegs entpuppt sich nun als teures Bilanzproblem. Weil der Ex-ÖBB-Boss Martin Huber und seine Nachfolger zu wenig an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen abgeführt haben, steht nun eine saftige Nachzahlung ins Haus.

Ende des Gratisfahrens
Für den „Worst Case“ rechnen die ÖBB-Buchhalter laut FORMAT exklusiv vorliegenden Informatio­nen mit Kosten von rund 400 Millionen Euro. Weil die Wirtschaftsprüfer nicht vom schlimmsten Fall, sondern vom wahrscheinlichen Vorsorgebedarf ausgehen, muss etwa die Hälfte, also mindestens 200 Millionen Euro, als Rückstellung gebildet werden. Die finanzielle Zusatzbelastung wird letztlich der Bund stemmen müssen, weil die Bahn noch immer ein Zuschussbetrieb ist. Zudem hat das Finanzministerium festgestellt, dass die Steuereintreiber bei den Bundesbahnen künftig strenger sein werden. Für Zehntausende ÖBBler bedeutet das ein baldiges Ende des lebenslangen Gratisfahrens. Die Österreich-Card (ÖC) für Mitarbeiter ist eine Jahreskarte im Wert von 1.260 Euro (2. Klasse, Senioren) bis 2.640 Euro (1. Klasse, Familie).

Auslöser ÖBB-Reform  
Doch wie kam es zu dem ganzen Ärger? Grundsätzlich steht das Privileg der steuerlich begünstigten Gratisfahrt allen Beschäftigten eines Beförderungsunternehmens zu – und somit auch jenen der ÖBB als größtem Transporter des Landes. Das änderte sich aber am 1. Jänner 2005 schlagartig. Damals trat das von der schwarz-blauen Regierung ­initiierte neue ÖBB-Gesetz in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt gab es eine Vielzahl an Konzerntochtergesellschaften mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Für das Beförderungswesen wurden die ÖBB Personenverkehrs AG und die Güterverkehr-Firma Rail Cargo Austria gegründet. Nur die würden unter das alte Freifahrtregime fallen, meint das Finanzamt und verdonnerte die anderen ÖBB-Töchter zur Nachzahlung von Lohn-, Kommunal- und Umsatzsteuer sowie zur Sozialversicherungspflicht. Der Grund: Für sie ist die ÖC ein Sachwertbezug, wie ein Dienstauto.

Dementsprechend müssen die ÖBB ihr Gratiskarten-System ab 2010 radikal ändern.

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Kommentare

Gratis ist nichts! Egal bei welcher Zeitung man schaut, immer wird von Gratisfahrten geschrieben. Hier wird offensichtlich versucht, die Bevölkerung gegen die Eisenbahner aufzuhetzen indem noch dazu Unwahrheiten verbreitet werden. Denn jedem Eisenbahner wird für dies ein Pauschalbetrag automatisch vom Gehalt abgezogen! Also ich kenne keine Firma, die ihren Angestellten nicht irgendwelche Begünstigungen, sei es Produkte oder Dienstleistungen, zukommen lassen. Außerdem wollte die Eisenbahn dies schon vor langer Zeit abschaffen, hat aber dann eingesehen, daß sie mit den automatischen Pauschalbeträgen mehr Einnahmen hat, da nur die wenigsten dieses "Privileg" wirklich ausnutzen. Die meisten sind froh, wenn sie in der Freizeit keinen Zug sehen!

schöne Grüße von einem Eisenbahner

Da gibts was gratis... .. das ich nicht haben kann, also sollte man es verbieten. Fällt manchen Leuten nicht auf, dass sie - sobald jemand andeutet, dass jemand etwas günstiger oder Gott behüte sogar gratis bekäme - sofort auf die Barikaden springen und mit erhobener Faust zettern und jammern.
Ganz ehrlich, wenn ich absurdeste Schichtdienste machen müsste und mich ständig mit einem Haufen Irrer in den Zügen beschäftigen muss - und es fliegen hier öfter die Fäuste - , wäre ich froh über eine Sache weniger im Privatleben, um die ich mir Sorgen machen muss. Abgesehen davon ist das schon so ziemlich die einzige wirkliche Vergünstigung für Otto-Normal-Öbb-Bedienste.

Für alle Neider, glaubt mir, in einer Bank bekommt man kiloweise Vergünstigungen und kein Hahn kräht danach.

neid jaja der neid is a hund,aber wehe wenn die jenigen die so blöd daher reden selber eine freifahrtkarte hättn was es ja nicht ist,dann würden sie nicht so dumm daherreden!!!!

schöne grüße ein Eisenbahner!!!!!
(der neid is was schlimmes)ggg

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Was bedeutet Gratis?

sidestep
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Re: Was bedeutet Gratis? Das ist - wie immer - nur die Hälfte der Wahrheit! Zufällig ist in meinem Freundeskreis ein Eisenbahnerehepaar mit 2 Kindern. Die reisen im Jahr mehrmals ziemlich durch die Weltgeschichte. Selbstverständlich mit der Bahn gratis frei und franko. So fuhren sie z.B. zuletzt nach Rom. Es ist also nicht so, dass nur der Eisenbahner der bei der Bahn arbeitet Profiteuer dieser Fahrten ist sondern seine ganze Familie und das ist eigentlich nicht einzusehen oder? Dann habe ich noch eine Frage: Was für Vorteile hat z.B. ein Polizist oder eine Krankenschwester? Darf der Polizist dafür dreimal besoffen straffrei fahren und wird die Krankenschwester 2 mal umsonst operriert? Mit diesen "Geschenken" muss endlich einmal Schluss gemacht werden isnbesondere dann, wenn die oben angeführten Zahlen stimmen.

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Re: Was bedeutet Gratis? Berufsbedingte Fahrten:frei für den Mitarbeiter
Freizeit:Für den Mitarbeiter jährlich 3 Fahrten kostenlos innerhalb Österreich.Familienmitglieder :wie vor 3 Fahrten
halber Preis.
Viel wichtiger wäre die Pension erst ab 60/65!!!!!!!

Zusätzliche Belastung d.h. der Nutzniesser muss selbst für seine Mehreinnahmen aufkommen, das ist gediegen.

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