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Frederic Morton ist gestorben

Tod mit 90 Jahren - Werke wie "Die Rothschilds" und "Ewigkeitsgasse" als Vermächtnis

Frederic Morton mit Buch © Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Der österreichisch-amerikanische Schriftsteller Frederic Morton ist tot. Der Deuticke Verlag bestätigte entsprechende Medienberichte, wonach der gebürtige Wiener in der Nacht auf Montag im Alter von 90 Jahren während eines Besuchs in seiner Heimatstadt unerwartet in seinem Hotelzimmer starb. Eine für morgen, Dienstag, angesetzte Lesung soll nun in eine spontane Gedenkfeier umgewandelt werden.

Im "Kunstraum Ewigkeitsgasse" in der Thelemanngasse in Wien-Hernals, in der Morton aufgewachsen ist, hätte der jüdische Autor von Werken wie "Die Rothschilds, ein Porträt der Dynastie" und "Ewigkeitsgasse" am Dienstag um 19.30 Uhr lesen sollen. Erst vergangene Woche hatte er die Festrede anlässlich des Jubiläums 140 Jahre Haus der Barmherzigkeit in Wien gehalten und das "Exil des Alters" mit seinem Exil nach der Flucht 1939 in die USA verglichen.

Österreich verziehen

Dass der 1924 als Spross einer jüdischen Industriellenfamilie in Wien geborene Morton in den vergangenen Jahrzehnten oft in jenes Land zurückkehrte, aus dem er 15-jährig flüchten musste, rechneten ihm Politiker in ihren heutigen Trauerbekundungen hoch an. So würdigte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) Morton in einer Aussendung als "einen unvergleichlichen Autor und einen großen Menschen, der, trotzdem er 1939 seine österreichische Heimat verlassen und vor den Nazis ins Exil flüchten musste, Österreich verziehen hat und ein neues Verhältnis zu seiner alten Heimat aufbauen konnte".

Auch Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) ehrte Morton als "jemanden, der trotz Vertreibung stets Österreich als seine Heimat gesehen hat". "Besonders freut es mich, dass sich Frederic Morton bis ins hohe Alter für Österreich und die österreichische Politik interessiert und sich hier auch zu Wort gemeldet hat", so Ostermayer über den "Weltbürger im besten Sinn des Wortes". "Er wusste zu leben und vom Leben Geschichten zu erzählen."

Meister der sanften Satire

Schließlich galt Morton als ein Meister der sanften Satire, der mit seinen Bestsellern nicht zuletzt den Wienern einen literarischen Spiegel vorhielt. Dabei hatte ihn seine Heimatstadt, in der Morton am 5. Oktober 1924 als Fritz Mandelbaum das Licht der Welt erblickte, in seiner Jugend alles andere als gut behandelt. So musste die Familie 1939 nach dem "Anschluss" Österreichs und dem Einmarsch der Nationalsozialisten aus der Donaumetropole flüchten. Sie emigrierten nach London und das Jahr darauf in die USA, wo die Familie ihren Nachnamen auf Morton änderte.

Als Literaturstudent an der Columbia University und als Schüler der New School for Social Research in New York kam Morton schließlich mit der deutschsprachigen Exilliteratur in Kontakt. Ab 1947 erschienen literarische und journalistische Arbeiten in Buchform, aber auch in Zeitungen und Magazinen wie der "New York Times" oder dem "Playboy". Zudem unterrichtete er an mehreren Universitäten englische Literatur.

Durchbruch mit "Die Rothschilds"

Der Durchbruch gelang dem Schriftsteller 1962 mit seiner Rothschild-Biographie, die in 23 Sprachen übersetzt wurde und als Vorlage für ein mit Tony Awards ausgezeichnetes Broadway-Musical diente. Auch aus seinem Roman "Ein letzter Walzer" entstand mit "Rudolf - Affaire Mayerling" ein Musical, das ein Jahr lang am Wiener Raimund Theater lief. Mehrfach war Morton für den National Book Award nominiert. Und schließlich besann sich auch die Stadt Wien ihres großen Sohnes und verlieh ihm 1986 das Goldene Ehrenzeichen, dem 2003 auch das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und 2014 anlässlich seines 90. Geburtstags der Goldene Rathausmann folgte.

Laut Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) steht Morton nicht zuletzt für "historisch-literarisches Gewissen von Weltgeltung". In einer Reaktion ehrte er Morton heute als "einer jener großen Intellektuellen, die Wien durch den Nationalsozialismus verloren hat". "Mit seinem historischen Roman 'Ewigkeitsgasse' hat Frederic Morton Wien ein literarisches Denkmal gesetzt, zutreffender und besser, als man es vielleicht aus der kurzen Perspektive des hier Lebenden tun könnte", wird Mailath-Pokorny in einer Aussendung zitiert. "Dadurch war er einer jener Autoren, die Wien mit seiner Vergangenheit konfrontiert und damit geholfen haben, der Stadt ihre eigene Identität näher zu bringen."

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