Frauenbericht 2010 - Keine Gleichstellung:
Heinisch-Hosek will weiter "lästig bleiben"

"Negativer Höhepunkt": Einkommensschere wächst Ministerin fordert Gehaltsoffenlegung in Unternehmen

Frauenbericht 2010 - Keine Gleichstellung:
Heinisch-Hosek will weiter "lästig bleiben" © Bild: APA/Techt

Die Situation der Frauen in Österreich hat sich in einigen Bereichen in den vergangenen Jahren verbessert - von einer Gleichstellung mit Männern kann aber noch immer keine Rede sein. Das geht aus dem von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek präsentierten Frauenbericht 2010 hervor. So haben Frauen die Männer in der Bildung teilweise überholt, gleichzeitig sind aber etwa die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen größer geworden. Daher verspricht Heinisch-Hosek, "lästig zu bleiben". Man sei bei der Gleichstellung auf einem "guten Weg", doch es gehe noch "viel zu langsam".

Der "negative Höhepunkt" des Frauenberichts sei die Tatsache, dass die Einkommensschere in den vergangenen Jahren weiter auseinandergegangen sei, so die Ministerin. Lippenbekenntnisse habe man "bis zum Abwinken gehört", man könne dieser Herausforderung nur gesetzlich begegnen. Deshalb sollten Betriebe ab einer bestimmten Größe verpflichtend, aber anonym, die Gehälter der Männer und Frauen offenlegen. Man stehe hier kurz vor Abschluss der Verhandlungen, sie sei zuversichtlich, dass man demnächst entsprechende Ergebnisse präsentieren könne, erklärte Heinisch-Hosek.

Die wichtigsten Zahlen des Frauenberichts 2010: Der Frauenanteil an der Bevölkerung betrug 2009 rund 51,3 Prozent, ihre Lebenserwartung stieg seit 1999 von 80,4 auf 83 Jahre. Besonders aufgeholt haben Frauen im Bereich der Bildung: Konnten 1971 noch rund 70,4 Prozent als höchste Ausbildung nur einen Pflichtschulabschluss vorweisen, waren es 2008 nur mehr rund 22,3 Prozent. Von rund 1,4 Prozent im Jahr 1971 auf rund 13,8 Prozent im Jahr 2008 gestiegen sind hingegen Abschlüsse an Universitäten, Hochschulen und hochschulverwandten Lehranstalten - bei Männern lag dieser Wert 2008 bei rund 12,8 Prozent. Technische und naturwissenschaftliche Ausbildungswege sind aber immer noch von Männern dominiert.

Sieben von zehn Frauen berufstätig
Rund sieben von zehn Frauen (68,6 Prozent) sind mittlerweile berufstätig, 1991 waren es erst rund 62,7 Prozent. Mehr als verdoppelt hat sich seither allerdings die Teilzeitquote - sie betrug 2008 rund 41,5 Prozent (bei Männern 8,1 Prozent). Jede vierte Frau in Teilzeit würde übrigens gerne mehr arbeiten, jede zweite gibt als einen Grund für die Teilzeitbeschäftigung Betreuungspflichten an.

Aber auch bei der bezahlten Arbeit sind Frauen benachteiligt, wie anhand folgender Daten aus dem Jahr 2007 ersichtlich ist: Gemessen am Bruttojahreseinkommen der Männer verdienen sie nur rund 58,4 Prozent, teilzeitbereinigt (nur ganzjährige Vollzeitarbeit wird verglichen) bekommen sie immer noch um ca. ein Viertel weniger als Männer. Zum Vergleich: Die Hälfte der Frauen verdient unter 1.740 Euro brutto, bei den Männern sind es 2.232 Euro brutto.

Migrantinnen besonders benachteiligt
Besonders benachteiligt sind Migrantinnen, wie der präsentierte Frauenbericht 2010 zeigt. Migrantinnen - ihr Anteil liegt bei rund 17 Prozent der weiblichen Bevölkerung - haben demnach häufiger mit atypischen Arbeitsverhältnissen zu kämpfen als Österreicherinnen, die Arbeitslosenquote liegt höher und der durchschnittliche Verdienst ist niedriger.

Zu Jahresbeginn 2009 lebten rund 725.000 Migrantinnen (Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft oder Geburtsort im Ausland) in Österreich. Sieben von acht Migrantinnen stammen aus anderen europäischen Staaten, etwa die Hälfte davon kommt aus anderen EU-oder EWR-Staaten bzw. der Schweiz. Weitere Hauptherkunftsländer sind die Nachfolgestaaten Jugoslawiens und die Türkei.

Migrantinnen bekommen übrigens mehr Kinder als Österreicherinnen: Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau mit österreichischer Staatsangehörigkeit (inklusive bereits eingebürgerter Migrantinnen) lag 2008 bei 1,31, bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit bei rund zwei - bei Türkinnen betrug der Wert sogar 2,7.

ÖVP-Frauen kritisieren Darstellung
Die ÖVP-Frauen haben die Darstellung der SPÖ kritisiert. Diese reklamiere die Frauenpolitik "immer wieder" und "mit voller Absicht" für sich, alle anderen Bemühungen würden "bestenfalls negiert", erklärte Monika Posch, Generalsekretärin der ÖVP-Frauen, in einer Aussendung. Auch wies sie zurück, dass der aktuelle Frauenbericht der erste seit 15 Jahren sei.

Die Frauen würden wesentlich mehr von der Frauenpolitik profitieren, wenn die verantwortlichen Politikerinnen gemeinsam und fraktionsübergreifend an einem Strang ziehen würden, so Posch. Weiters sei es "schlicht und einfach nicht wahr", dass es 15 Jahre lang keinen Frauenbericht gegeben habe: Unter VP-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat sei ein solcher in zehn Einzelberichten zwischen 2003 und 2006 publiziert und in seiner Gesamtheit im Juni 2006 präsentiert worden. Posch wies im Übrigen darauf hin, dass der Frauenanteil im Nationalrat in der 22. Gesetzgebungsperiode ab 2002 unter der Regierung Wolfgang Schüssels (V) am höchsten gewesen sei.

(apa/red)

Kommentare

Stalin schau oba Wenn es nach Heinisch geht sind unsere Kinder bald alle im Hort und die Frauen wieder in der Fabrik - wie im tiefsten Kommunismus! Wer will das?

Zur anhaltenden Propagandalüge wegen der ungleicher Bezahlung von Frauen: Wer kennt ein Unternehmen, wo das real der Fall ist? Bitte um Anzeige nach dem vorhandenen Gleichbehandlungsparagraphen.

... und schön dass unsere Akademikerquoten ansteigen seit wir die Tanten in Kindergärten und Frauenhäusern zu DiplomTanten ernannt haben. Vielleicht sollten wir das Bildungsniveau weiter senken - Gesamtschule für alle 10- bis 14-jährigen wäre dazu ein schneller (und kommunistischer) Weg. Die Absolventen nennen wir dann QuotenAkademiker.

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