Frau fiel auf verheirateten Mann hinein: 40.000 Euro weg und Anklage als "Stalkerin"

Verliebte borgte verheiratetem Mann 40.000 Euro Schwiegervater des Mannes Opfer von Telefonterror

Frau fiel auf verheirateten Mann hinein: 40.000 Euro weg und Anklage als "Stalkerin"
© Bild: APA/Gindl

Eine 40-jährige Wienerin musste sich als Stalkerin im Straflandesgericht verantworten: Die Betriebswirtin hatte sich in einen jüngeren Mann verliebt und diesem im Glauben auf eine gemeinsame Zukunft 40.000 Euro geborgt. Erst danach kam sie drauf, dass er bereits verheiratet war. "Der gute Mann hat mir das nicht gesagt. Als erstes hat er mit meinem Geld seiner Frau ein neues Auto gekauft", berichtete die Akademikerin nun Richterin Claudia Moravec-Loidolt.

Sämtliche Versuche, ihr Geld zurückzubekommen, schlugen fehl. Der "Verflossene" war plötzlich weder persönlich noch telefonisch zu erreichen. Eine Anzeige wurde von der Staatsanwaltschaft zurückgelegt. Da kam die 40-Jährige auf die Idee, bei der Familie seiner Frau nachzuforschen. Im Telefonbuch entdeckte sie die Nummer des Schwiegervaters. Im vergangenen Sommer begann sie, diesen permanent mit Anrufen zu belästigen.

"Ich hab' schon so eine Wut g'habt! Meine Gutmütigkeit ist ausgenutzt worden! Ich bin ja zum Teil sicher selber schuld. Ich hab' gehofft, der Schwiegervater weiß, wo sein Schwiegersohn ist. Jedes Mal, wenn ich a Wut g'habt hab', hab' ich ang'rufen", gab die Angeklagte zu Protokoll.

Telefon läutete in der Nacht
Mitunter läutete beim 57-jährigen Elektrotechniker Dutzende Male das Telefon, oft noch spät in der Nacht. Er getraute sich den Apparat nicht abzustellen, weil seine Tochter schwer krank war und er deshalb erreichbar bleiben wollte. Da die Anruferin ihr Anliegen nicht auf den Punkt brachte und man so nicht miteinander ins Gespräch kam, blieb ihr Monate lang verborgen, dass vom Schwiegervater grundsätzlich keine Hilfe zu erwarten gewesen wäre.

"Ich red' mit meinem Herrn Schwiegersohn nur das Nötigste", gab er in der Verhandlung als Zeuge zu Protokoll, "weil anlügen lass i mi net. Der lügt ja nur!"

Geschichte umgedreht
Im Februar wurde es dem 57-Jährigen zu bunt. Über die Polizei bekam er die Nummer der unheimlichen Anruferin heraus und drehte den Spieß um. Nun rief er sie an und fragte rundheraus, was sie eigentlich von ihm wolle. "Ihre Geschichte ist für mich nachvollziehbar. Aber helfen kann i ihr da a net", meinte der Schwiegervater. Seit dem klärenden Gespräch habe sich die Frau nie mehr gemeldet: "I hab jetzt endlich Ruhe."

Die Richterin fällte daraufhin einen Freispruch im Zweifel, weil es der Angeklagten an der subjektiven Tatseite gemangelt habe. "Es ist ihr nicht darauf angekommen, die Lebensführung des von ihren Anrufen Betroffenen unzumutbar zu beeinträchtigen", hieß es in der Begründung. Die Entscheidung ist rechtskräftig. (apa/red)