Franzosen bringen diesmal keinen Hahn mit: Galliens Gockel Maskottchen der "Bleus"

Stadionbesuch des Hahns von Tierschützern vermiest Trinkgeld bleibt bei den Franzosen am Tisch liegen

Franzosen bringen diesmal keinen Hahn mit: Galliens Gockel Maskottchen der "Bleus" © Bild: Reuters/Tessier

Der Hahn muss zu Hause bleiben: Wenn früher Frankreich spielte, war immer ein männliches Huhn bei den Fans als Maskottchen mit im Stadion. Jetzt gibt es höchstens noch "Coq au vin" vor dem Spiel. Der Grund: "Die Tierschützer haben sich aufgeregt", erzählte Philippe Pollak, ein Franzose, der aus dem Loire-Tal stammt und den die Liebe vor vielen Jahren nach Wien verschlug, der APA.

Hahn- und wohl auch problemfrei werden sich die Anhänger der Tricolore in den Stadien Österreichs und der Schweiz bei der EURO im Juni präsentieren. Die Polizei wird wenig Probleme haben. Zwar hatten die Franzosen in den vergangenen Jahren einige Schwierigkeiten auf Clubebene, auch mit rassistischen Ausschreitungen. Doch auf das Nationalteam hat sich das bisher kaum übertragen. Den Schlachtruf "Allez Les Bleus" (sinngemäß "Vorwärts, Ihr Blauen") wird man aber schon hören.

Gastronomische Unterschiede
Nach Österreich könnten die Franzosen aber nur kommen, wenn sie die Vorrunde überstehen. Dann aber haben sich die Gastronomen auf einige Eigenheiten einzustellen: So werden die "Bleus" fragen: "Wo bleibt das Brot?" Das steht in französischen Gasthäusern immer auf dem Tisch, unentgeltlich, versteht sich. Mit der Frage "Wie viel Gebäck hatten Sie?" könnte der eine oder andere Kellner durchaus Unverständnis ernten.

Umgekehrt werden die Franzosen überrascht sein, dass es in Österreich guten Wein gibt, meinte Pollak. Das sei nur bei echten Connoisseurs wirklich bekannt. Doch mittlerweile ist auch Bier in Frankreich immer beliebter geworden. Nicht zuletzt deshalb könnte auch das für seine Stelzen und sein Bier berühmte Schweizerhaus im Wiener Prater bei den Fans der Blauen zahlreiche Anhänger finden, vermutete Pollak.

Welche Sprache spricht man in Österreich?
Ebenso überraschend wird für die Franzosen sein, dass man hierzulande deutsch spricht. Pollak: "Sie glauben, dass man österreichisch spricht." Was ja nicht ganz falsch ist.

Den Kellnern werden die Anhänger der Equipe Francaise jedenfalls weniger Arbeit verursachen: Getrennt gezahlt wird nicht. Wenn eine größere Gruppe an einem Tisch sitzt, übernimmt einer die Rechnung. Danach wird untereinander geteilt. Wundern darf sich das Gastronomiepersonal auch nicht, wenn die Franzosen knausrig erscheinen und kein Trinkgeld geben. Das werden die Kellner hinterher am Tisch finden.

Historische Verbindungen
Natürlich gibt es auch zwischen Österreich und Frankreich seine historischen Verbindungen. So stand ja irgendwie Versailles für Schönbrunn Pate, und Maria Theresias Tochter Marie Antoinette wurde 1793 im Zuge der französischen Revolution einen Kopf kürzer gemacht. Auch Napoleon hatte mit Marie Louise eine österreichische Kaisertochter zur Frau. Das hinderte ihn aber nicht daran, hierzulande einzumarschieren und bei Aspern geschlagen zu werden. Doch das ist den Franzosen weitgehend unbekannt, weit weniger jedenfalls als die darauffolgende Schlacht bei Deutsch-Wagram, die für Napoleon siegreich war.

Damit sind auch beinahe die Nationalhelden Frankreichs genannt: Napoleon, Vercingetorix, der lange Caesar widerstand, und natürlich Jeanne d'Arc, die für die Befreiung von Orleans während des Hundertjährigen Krieges gegen England verantwortlich zeichnete, 1431 aber in Rouen auf dem Scheiterhaufen landete. Charles de Gaulle, der den Widerstand gegen die Nazis leitete, ist wegen seiner späteren Jahre politisch zu umstritten, um ein echter Nationalheld zu sein.
(apa/red)