Franz Hubmann im Porträt: Chronist des Wesentlichen und Analytiker des Seins

War "Chefreporter" der Kulturzeitschrift "magnum" Prägte lange Zeit die heimische Fotoästhetik

Er galt als "Cartier-Bresson Österreichs", als "Lehrmeister in der Übersetzung der Wirklichkeit", als "Chronist des Wesentlichen" (wie die Galerie Westlicht eine Schau zu seinem 90er nannte): Franz Hubmann war der Doyen der österreichischen Fotografie. Er sorgte als Redakteur und "Chefreporter" der Kulturzeitschrift "magnum" dafür, dass die Fotografie den Status der Eigenständigkeit erhielt und prägte lange Zeit wie kaum ein anderer die Fotoästhetik des österreichischen Journalismus.

Mit zwölf Jahren bekam der am 2. Oktober 1914 in Ebreichsdorf (Niederösterreich) geborene Hubmann seine erste Kamera geschenkt. Nach dem Besuch der Mittelschule absolvierte er zunächst die Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie in Wien und war ab 1935 als Textiltechniker in einer Hutfabrik beschäftigt. Erst nach dem Krieg besuchte er zwischen 1946 und 1949 die Grafische Lehr- und Versuchsanstalt und wurde anschließend Bildstellenleiter der neu gegründeten Österreichischen Fremdenverkehrswerbung, deren Bildarchiv er aufbaute.

Daneben arbeitete Hubmann am Journal "Austria international" mit, aus dem 1954 die Kulturzeitschrift "magnum" wurde, die sich an der gleichnamigen Bildagentur von Robert Capa, Henri Cartier-Bresson und David Seymour orientierte. Damals bezeichnete sich Hubmann allerdings nicht als Fotograf, sondern als "Bildjournalist" und deckte als solcher das gesamte Spektrum "moderner" Themen ab: Tanz, Musik, Architektur, Kunst, Design, Kinder und Freizeit. Er porträtierte dabei sowohl bunte Vögel zwischen Künstlercafe, Opernball und Wiener Vorstadt als auch die Pariser Szene um Chagall, Giacometti, Max Ernst und Picasso oder das Ambiente an so unterschiedlichen Orten wie New York und dem Waldviertel.

Nach der Einstellung von "magnum" 1966 arbeitete Hubmann vor allem als freier Buchautor und schuf über 50 Bildbände. Gleichzeitig entstanden zwischen 1960 und 1974 17 Fernsehfilme, die alle im Hauptabendprogramm gesendet wurden. 1992 wurde im Historischen Museum der Stadt Wien seine Ausstellung "Wien - Metamorphosen einer Stadt. 150 Jahre in Fotografien" gezeigt. Keine Dokumentation der politischen wie der gesellschaftlichen und kulturellen Geschichte des Nachkriegs-Österreich kann ohne Fotos aus Hubmanns Archiv (das zum Teil über die Online-Datenbank http://www.imagno.at abrufbar ist) auskommen. Viele seiner Bilder, von den Fotos aus dem Cafe Hawelka über Straßenszenen bis zu Porträts von Größen der Kunstszene haben sich ins kollektive Gedächtnis des Landes eingebrannt.

Hubmann wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u.a. 1972 mit dem Kulturpreis der Stadt Wien für angewandte Kunst, 1982 mit der Goldenen Gesellschaftsmedaille der Fotografischen Gesellschaft Wien sowie dem Berufstitel Professor und 1993 mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. 1995 erhielt er den mit 300.000 Schilling dotierten Österreichischen Staatspreis für künstlerische Fotografie, 2000 folgte die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, 2006 das "Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich". Kunststaatssekretär Franz Morak (V) rühmte damals Hubmann als einen "Lehrmeister in der Übersetzung der Wirklichkeit. Sein Werk ist zentraler Bestandteil österreichischer Fotografiegeschichte."

Für Margit Zuckriegl, Mitherausgeberin der im Vorjahr im Verlag Christian Brandstätter erschienenen Monografie "Franz Hubmann - Photograph", war Hubmann "von Anfang an Geschichtenerzähler", "ein Kommentator, der mit seiner Bildsprache essayistisch umgeht. Er war immer ein diskreter Beobachter, ein poetischer Analytiker des Seins." Die internationale Fotografie und das österreichische Kulturleben hat mit Hubmann einen der ganz Großen verloren. (apa/red)