Franz Fischler über Österreichs Mission:
"Tschad-Einsatz ist korrektes Verhalten"

NEWS: "Haben uns selbst zur Solidarität verpflichtet" "Lage kann man nicht vom Polstersessel beurteilen"

Franz Fischler über Österreichs Mission:
"Tschad-Einsatz ist korrektes Verhalten" © Bild: APA/Ebenbichler

Österreichs Ex-EU-Kommissar Franz Fischler spricht über die "zu kochen beginnenden Emotionen" wegen der Sicherheit unserer 15 Soldaten in N'Djamena.

NEWS: Sie kennen die EU wie Ihre Westentasche. Wegen der Tschad-Mission wird die EU nun heftigst kritisiert, diese nicht professionell genug vorbereitet zu haben. Teilen Sie das?

Fischler: Man sollte mit Beurteilungen von außen vorsichtig sein. Die Aufgabe der EU-Truppe ist ja nicht, die Rebellen zur Räson zu bringen, sondern Flüchtlinge zu schützen. Das ist in dieser so verwirrten Situation immens wichtig und letztlich ein humaner Akt. Eine andere Frage ist, wie gut vorbereitet der Einsatz ist - und das muss man den Militärexperten überlassen.

NEWS: Verteidigungsminister Darabos immerhin ist "sehr überrascht", dass die EU-Strategen keine Ahnung hatten, dass die Rebellen so rasch in die Hauptstadt vorstoßen würden. Hat also erste Zweifel …

Fischler: Wenn das so wäre, was ich nicht weiß, würde man tatsächlich Bedenken anmelden müssen. Ich kann es mir aber nicht wirklich vorstellen, denn so blauäugig kann man nicht in ein so schwieriges Land gehen.

NEWS: Die Forderung nach sofortigem Rückzug unserer Voraus-Truppe wird immer lauter. Minister Darabos sagt, jetzt seien alle Entscheidungen Sache des EU-Kommandos.

Fischler: Die Lage kann man nur vor Ort beurteilen. Ich frage mich, wie man von Wien aus, im Polstersessel sitzend, wissen will, was in der Innenstadt von N'Djamena grad passiert.

NEWS: Hinter dem Fall Tschad steht grundsätzlich die Frage der Solidarität, der Beistandspflicht Österreichs im EU-Rahmen, und am Ende die Neutralitätsfrage. Daher: Muss Österreich an so einem Einsatz teilnehmen, als Pflicht, oder ist's eine reine Fleißaufgabe?

Fischler: Keine Fleißaufgabe, sondern Österreich hat sich selber zur Solidarität verpflichtet. Das steht auch nicht im direkten Widerspruch zum Neutralitäts-Kern, der den Beitritt zu einem Militärbündnis, etwa Nato, untersagt.

NEWS: Sie als EU-Experte finden es richtig, dass Österreich am Tschad-Einsatz teilnimmt?

Fischler: Ja, sicher ein korrektes Verhalten, dieses wird von unseren EU-Partnern erwartet.

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