Frankreich-Wahl von

Sarkozys letzte rechte Chance

Geschlagener Präsident muss im zweiten Durchgang auf Wähler von Le Pen hoffen

Frankreich-Wahl - Sarkozys letzte rechte Chance © Bild: Getty Images/AFP

Nachdem es dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy nicht gelungen ist, im ersten Durchgang der Präsidentenwahl die Führung vor dem Sozialisten Francois Hollande zu übernehmen, liegt seine politische Zukunft nun in den Händen der Rechtsaußen Marine Le Pen. Mit 17,9 Prozent der Stimmen stellen die Anhänger Le Pens das größte Wählerreservoir für den konservativen Präsidenten dar, der mit 27,18 Prozent hinter Hollande (28,63 Prozent) liegt.

"Nicolas Sarkozy hat größere Wählerreserven als vorhergesehen", betonte Jean-Daniel Levy vom Meinungsforschungsinstitut Harris-Interactive. Allerdings schränkte der Politikwissenschafter Gerard Grunberg ein, dass Sarkozys politisches Schicksal "in den Händen Le Pens liegt". Der amtierende Präsident erklärte sich in Bezug auf seine Siegeschancen am Sonntagabend zwar zuversichtlich, allerdings steht ihm die heikle Aufgabe bevor, zugleich die Wähler der extremen Rechten als auch jene des Zentrumspolitikers Francois Bayrou von der "Mouvement Democrate" (MoDem) anzuziehen, der knapp 9 Prozent der Stimmen erhielt.

Sarkozys Eroberungsprobleme
"Sarkozy hat einen Wahlkampf mit Themen geführt, welche die extreme Rechte gestärkt haben, und es wird schwierig sein, sich nun auf das Zentrum auszurichten", meinte Stephane Rozes vom Institut CAP. "Der Präsident muss unbedingt die Wähler der Front National erobern, aber jedes Mal, als er das seit Beginn des Wahlkampfes versuchte, hat es nicht geklappt", gab sich Gael Sliman vom Institut BVA skeptisch. Das sehr positive Ergebnis Le Pens, das einen historischen Rekord für die FN darstellt, beweise die Schwierigkeiten, die Sarkozy damit hat, rechtsextreme Wähler anzuziehen.

Vermutlich keine Wahlempfehlung von Le Pen
Marine Le Pen, deren Ambition nach Angaben ihres Wahlkampfleiters Florian Philippot es ist, Chef der französischen Opposition zu werden, wird aller Voraussicht nach keine Wahlempfehlung für den zweiten Durchgang am 6. Mai geben. Laut am Sonntagabend veröffentlichten Meinungsumfragen dürften zwischen einem Drittel und der Hälfte der FN-Wähler im zweiten Durchgang für den amtierenden Präsidenten stimmen. Dies wird für einen Wahlsieg am 6. Mai nicht ausreichen. Daher die Notwendigkeit für den UMP-Politiker, auch im Lager Bayrous zu fischen, der ebenfalls keine Wahlempfehlung abgegeben hat.

Hollande muss nicht viel tun
Für Hollande scheinen die Dinge einfacher zu sein. Der Linksaußen Jean-Luc Melenchon von der "Linksfront", der es im ersten Durchgang auf 11,11 Prozent der Stimmen brachte, hat sich bereits unmissverständlich für eine Stimmabgabe zugunsten des Sozialisten ausgesprochen. Auch die Grünen-Kandidatin Eva Joly ("Europe Ecologie Les Verts"/EELV), die es auf 2,3 Prozent der Stimmen brachte, rief ebenfalls dazu auf, für Hollande zu stimmen. Der Politikwissenschafter Remy Lefebvre ist überzeugt, dass der Charakter dieser Wahl als "Anti-Sarkozy-Referendum" bei der Stichwahl noch ausgeprägter sein wird, weil sich nur noch zwei Kandidaten gegenüberstehen. "Hollande muss auf dieser Linie fortfahren - das heißt, nicht viel tun", meinte Gerard Gunberg.