Frankreich-Wahl von

Pfiffe für Macron:
Le Pen setzt auf Konfrontation

Ex-Wirtschaftsminister sprach mit Gewerkschaft, Le Pen besuchte Mitarbeiter

Frankreich-Wahl - Pfiffe für Macron:
Le Pen setzt auf Konfrontation © Bild: Philippe LOPEZ / AFP

Eineinhalb Wochen vor der entscheidenden Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich setzt die Rechtspopulistin Marine Le Pen auf direkte Konfrontation mit ihrem Kontrahenten Emmanuel Macron. Mit einem Überraschungsbesuch bei einer von der Schließung bedrohten Fabrik in Nordfrankreich überrumpelte die 48-Jährige den als Favoriten gehandelten Macron.

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Während der Ex-Wirtschaftsminister am Mittwoch in Amiens mit Gewerkschaftsvertretern über das Werk sprach, besuchte die Rechtspopulistin streikende Mitarbeiter. Als Macron daraufhin ebenfalls zu der Fabrik fuhr, wurde er mit Pfiffen und Rufen "Marine Presidente" empfangen. In der Menge standen nach Angaben von AFP-Reportern auch Mitarbeiter von Le Pens Partei Front National.

Kurz zuvor hatte sich die Rechtspopulistin Marine Le Pen überraschend vor der Fabrik gezeigt. Sie schüttelte Arbeitern die Hände und ließ Selfies mit sich machen. "Ich bin auf der Seite der Arbeiter", verkündete Le Pen vor dem Werkstor in der nordfranzösischen Stadt. Jeder wisse, dass Macron auf der Seite der Unternehmen stehe, sagte sie über den früheren Wirtschaftsminister.

Der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister Macron gilt in Umfragen als klarer Favorit für die entscheidende Stichwahl um das Präsidentenamt am 7. Mai. Er hatte den ersten Wahlgang am Sonntag mit 24 Prozent gewonnen, Le Pen kam mit 21,3 Prozent auf den zweiten Platz. Die Kandidatin der rechtsextremen Front National war gleich danach in die Offensive gegangen, um den Rückstand aufzuholen. Die EU-Feindin will aus dem Euro austreten und Frankreichs Wirtschaft mit Protektionismus abschirmen, Macron steht dagegen für eine pro-europäische Linie.

"Ich bin hier in der Mitte (...) der Angestellten, die sich dieser wilden Globalisierung widersetzen", sagte Le Pen dem Sender BFMTV. Sie warf Macron "Geringschätzung" der Mitarbeiter vor, weil dieser ursprünglich keinen Besuch am Werk geplant hatte. Der US-Konzern Whirlpool hatte laut französischen Medienberichten im Jänner angekündigt, seine Produktion in der Wäschetrockner-Fabrik in Amiens Mitte 2018 einzustellen und nach Polen zu verlagern.

Macron kritisierte, Le Pen nutze den Sozialkonflikt politisch aus. Er habe zunächst mit den Gewerkschaftsvertretern sprechen wollen. "Man muss die Dinge in dieser Reihenfolge machen", sagte Macron. Mit "Beschimpfungen und falschen Versprechungen" löse man kein einziges Problem des Landes. Es müsse ein Käufer für die Fabrik gefunden werden. Bei seinem Besuch gab es zunächst chaotische Szenen, bei denen Macron kaum zu Wort kam. "Die Schließung der Grenzen ist ein lügnerisches Versprechen", sagte Macron mit Blick auf Le Pen. Wegen des großen Medienandrangs kam Macron an die Arbeiter des Werks zunächst gar nicht heran. Zwischendurch griff er zu einem Megaphon, um sich verständlich zu machen. Später gelang es ihm, zu einer Gruppe von Whirlpool-Mitarbeitern zu sprechen.

"Er hat schöne Versprechungen gemacht", sagte Whirlpool-Mitarbeiterin Katia Dubois anschließend. Sie habe aber ihre Meinung nicht geändert - sie werde nicht zur Wahl gehen.

Frankreichs konservativer Ex-Präsident Nicolas Sarkozy kündigte am Mittwoch an, in der Stichwahl für Macron zu stimmen. Ein Sieg Le Pens würde schwerwiegende Folgen für Frankreich mit sich bringen, warnte er. Auch andere führende Vertreter der Sozialisten und der Konservativen, deren Kandidaten beide in der ersten Runde ausgeschieden waren, hatten sich bereits hinter Macron gestellt.

Der im ersten Wahlgang ausgeschiedene Linksaußen-Kandidat Jean-Luc Melenchon will dagegen keine Ansage für den zweiten Wahlgang machen. Er werde nicht sagen, wie er abstimmt, erklärte sein Wahlkampfchef Manuel Bompard. Die deutschen Linken riefen ihre französischen Genossen zur Stimmabgabe für den Sozialliberalen Macron auf. Linken-Politiker Gregor Gysi, der auch Präsident der Europäischen Linken (EL) ist, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), Macrons neoliberale Politik müsse zwar deutlich kritisiert werden. "Trotzdem ist sie aber längst nicht so gefährlich wie die Politik von Frau Le Pen."

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