Frankreich-Wahl von

Klarer Sieg für Macron

Künftiger Präsident setzte sich gegen Rechtspopulistin mit 66,1 Prozent durch

Frankreich-Wahl - Klarer Sieg für Macron

Nach einem harten Wahlkampf gegen die europafeindliche Rechtspopulistin Marine Le Pen will Frankreichs künftiger Präsident Emmanuel Macron sein zerrissenes Land wieder einen. "Ich werde mit allen Kräften gegen die Spaltung kämpfen, die uns zermürbt und entmutigt", sagte der Mitte-Links-Politiker nach seiner Wahl. Der 39-Jährige wird der jüngste französische Präsident aller Zeiten sein.

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Der Wahlausgang sorgte in Europa vielfach für Erleichterung. Denn die Front-National-Anführerin Le Pen wollte Frankreich aus dem Euro führen und die Franzosen über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Das hätte die krisengeschüttelte Europäische Union nach dem Brexit-Schock tief ins Mark treffen können. Auch die Achse Berlin-Paris wäre gebrochen gewesen.

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Macron trat am späten Sonntagabend vor Tausenden jubelnden Anhängern am Pariser Louvre auf. Frankreich habe ein neues Kapitel seiner Geschichte aufgeschlagen, sagte er: "Die Aufgabe ist gewaltig." Er wolle alles tun, damit Wähler in Zukunft nicht mehr für die Front National (FN) stimmen. Die Wähler der rechtspopulistischen FN-Kandidatin Marine Le Pen hätten "Wut, Verunsicherung, manchmal Überzeugungen" ausgedrückt, sagte Macron vor seinen Anhängern am Pariser Louvre-Museum. "Ich respektiere sie. Aber ich werde in den fünf kommenden Jahren alles tun, damit sie keinen Grund mehr haben, für Extreme zu stimmen." Am Ende kamen seine Frau Brigitte und Wahlkampfmitarbeiter auf die Bühne.

Deutlicher Sieg gegen Le Pen

Nach fast vollständiger Auszählung der Stimmen erreichte Macron in der Stichwahl 66,1 Prozent, Le Pen 33,9 Prozent. Le Pen holte nach Zahl der Stimmen das beste Ergebnis in der Geschichte ihrer rechtsextremen Partei. Gut 10,6 Millionen Franzosen votierten für die Kandidatin. Bei der ersten Runde vor zwei Wochen hatte Le Pen 7,7 Millionen Stimmen erhalten.

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Die Wahlbeteiligung lag bei 74,56 Prozent, rund drei Punkte niedriger als vor zwei Wochen. Die Wahlbeteiligung lag mit 74,56 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 1969. Etwa vier Millionen Franzosen entschieden sich in der zweiten Runde dafür, entweder einen leeren Wahlumschlag abzugeben ("weiße Stimme") oder ungültig zu stimmen - das ist laut Medienberichten einer neuer Rekord.

Kein Einfluss auf die Börse

Der deutliche Sieg des Pro-Europäers Emmanuel Macron bei der französischen Präsidentschaftswahl hat sich zunächst kaum auf die europäischen Finanzmärkte ausgewirkt. Die Börse in Frankfurt am Main öffnete am Montagmorgen 0,33 Prozent im Plus. Die Pariser Börse startete 0,17 Prozent im Plus, in London legten die Kurse um 0,03 Prozent zu. Der Sieg von Macron war weithin erwartet worden.

Der Wiener Aktienmarkt hat den Handel am Montag mit behaupteter Tendenz begonnen. Der heimische Leitindex ATX lag kurz nach Handelsbeginn marginal um 0,24 Punkte oder 0,01 Prozent unter dem Freitag-Schluss.

Hackerattacke gegen Macron

Kurz vor der Stichwahl war ein Hackerangriff auf das Team Macrons bekannt geworden. Tausende Dokumente seiner Mitarbeiter tauchten im Internet auf. "En Marche!" sprach von einer "massiven und koordinierten" Attacke. Es seien vor Wochen erbeutete E-Mails, Verträge sowie andere interne Dokumente zusammen mit gefälschten ins Netz gestellt worden. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen ein.

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