Frankreich-Wahl von

M. Sarkozy ist Vergangenheit

Seine Fehler und seine Patzer: Woran der abgewählte Präsident scheiterte

Frankreich-Wahl - M. Sarkozy ist Vergangenheit © Bild: Reuters

Im Februar 2007 waren Millionen Franzosen überzeugt: Mit Monsieur Nicolas Sarkozy kommt der Neuanfang. Er kann die chronisch hohe Arbeitslosigkeit beenden und der Grande Nation ihren Stolz zurückgeben. Doch bereits wenige Stunden nach seinem Wahlerfolg am 6. Mai setzte bei vielen Ernüchterung ein. Sarkozy feierte seinen Sieg mit Unternehmensbossen und Popstars in einem protzigen Nachtclub und schlug in der Folge auch als Präsident einen Ton an, der vielen seiner Landsleute als prahlerisch und impulsiv, teilweise sogar vulgär vorkam. Nun kommt es wieder zu einem Neuanfang. Allerdings ohne Sarkozy.

Als Sarkozy das Ruder übernahm, versprach er, den Stillstand seines Vorgängers Jacques Chirac zu beenden. Unter dem Slogan "Mehr arbeiten, mehr verdienen", gelobte er, bis zum Ende seiner Amtszeit die Vollbeschäftigung wiederherzustellen und die Kaufkraft zu erhöhen. Bei seiner Wahl lag das französische Wirtschaftswachstum bei 2,1 Prozent, die Arbeitslosenquote bei acht Prozent. Derzeit stagniert die Wirtschaft und die Arbeitslosigkeit ist auf ein Zwölfjahreshoch von 9,3 Prozent geklettert. Gegen den Widerstand der Straße setzte Sarkozy die Pensionsreform durch und senkte die Steuern vor allem für Wohlhabende sowie für die Stunden, die jenseits der 35-Wochen-Stunde geleistet werden.

Gelobt wurde er für seine Rolle in der Finanzkrise 2008, zugleich ließ er die Staatsschulden weiter wachsen, so dass Frankreich im vergangenen Monat erstmals sein AAA-Kreditrating verlor. "Es war eine Riesenfehler zu glauben, er könne die Krise mit der Erhöhung der Staatsschulden bewältigen", sagt Jacques Attali, der als Berater sozialistischer Regierungen aber auch für Sarkozy tätig war.

"War ich ok?"
Neben den schwachen Wirtschaftsdaten scheiterte Sarkozy vor allem an seinem persönlichen Stil. Die Autorin Yasmina Reza, die den 2007er Wahlkampf verfolgte und eine Charakterstudie von Sarkozy veröffentlichte, bemerkt vor allem eine fast schon kindliche Rastlosigkeit. Er schlinge die Mahlzeiten herunter, snacke sich durch den Tag, könne nicht allein sein und sei besessen von der Frage "Haben Sie mich gesehen? War ich ok?" Sarkozy weiche einfach von der Norm französischer Präsidenten ab, sagt Reza. Er sei überheblich, sentimental, körperlich, scharfzüngig und ungeduldig. Er hasse Eisenbahnfahren und ziehe die Stadt dem Land vor.

Hinzu kamen Details aus Sarkozys Privatleben: Er litt sichtbar darunter, als er von Frau Cecilia verlassen wurde. Paparazzi verfolgten ihn, als er seine neue Flamme, Model und Sängerin Carla Bruni, ins Disneyland ausführte - für viele Franzosen eine Geschmacksverirrung schlechthin. Auch Fotos, die ihn mit klobiger Uhr und offenem Hemd beim Flanieren zeigten, entsprachen nicht dem Bild, das viele Franzosen von einem Präsidenten haben. Schnell machte das böse Wort vom Präsidenten "Bling bling" die Runde, einem Staatsoberhaupt des Glamour, Glitzer und Neureichentums. Binnen eines Jahres nach seiner Wahl hatten zwei Drittel der Wähler eine schlechte Meinung von Sarkozy.

Kein Fast Food für Sarkozy
Doch ausgerechnet die schillernde Carla Bruni hat Sarkozys Art und Ton gemildert. Der Präsident gab sich in den letzten Jahren präsidialer: Brunis Schwangerschaft im vergangenen Jahr fand weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und ihr gelang es ganz offensichtlich, Sarkozy an klassische Literatur und den Film heranzuführen. Der Alkoholgegner ernährt sich jetzt auch gesünder und meidet Fast Food. Geholfen hat es trotzdem nichts.

Die Hyperaktivität des Präsidenten, seine medienwirksame Allgegenwart und schnelle Reaktionsfähigkeit standen einfach in krassem Widerspruch zu den politischen Ergebnissen. Nach und nach verloren die Franzosen das Vertrauen in diesen Präsidenten, der alles Mögliche versprochen hat, oft allerdings ohne es dann zu verwirklichen. Seine Wahlniederlage war keine wirkliche Überraschung, schon im ganzen Jahr 2011 waren seine Beliebtheitswerte im Keller. Selbst Sarkozys Versuch, Hollande im Fernsehduell zwischen den beiden Durchgängen nach den eigenen Worten zu "zerschmettern", misslang. Die Debatte war zwar rüde, endete aber ausgeglichen.

Auch Sarkozys rechter Schachzug blieb ohne Erfolg, FN-Chefin Marine Le Pen kaufte ihr den Schwenk einfach nicht ab. "Wir haben zu viele Ausländer in Frankreich", proklamierte Sarkozy zwischen erstem und zweitem Wahldurchgang, als er bereits hinter Hollande zurücklag. Le Pen rief ihre Anhänger trotzdem dazu auf, weiß als ungültig zu wählen. Und spätestens da war klar: Le Président Sarkozy du passé.