Frankreich-Wahl von

Emmanuel Macron:
Der Feingeist mit Zugkraft

Unabhängiger Ex-Banker wird jüngster Präsident Frankreichs. Plus: 5 schnelle Fakten

Frankreich-Wahl - Emmanuel Macron:
Der Feingeist mit Zugkraft © Bild: APA/AFP

Der unabhängige Kandidat hat mit knapp 40 Jahren das höchste politischen Amt in Frankreich ergriffen: Emmanuel Macron konnte sich nach Stationen als Berater des Staatschefs und auf dem Posten des Wirtschaftsministers am Sonntag gegen Rechtspopulistin Marine Le Pen als Präsident durchsetzen. Doch was steckt hinter seiner Person?

THEMEN:

5 schnelle Fakten

  • Partei: Hinter Macron steht die von ihm 2016 gegründete politische Bewegung "En Marche!" (In Bewegung). Einen klassischen Parteiapparat hat er bis heute nicht. Er führte sein Wahlkampfteam wie ein Start-up-Unternehmen.
  • Linie: Macron ist unkonventionell, er will "weder rechts noch links" sein. Er gilt als Mitte-Links-Politiker, seine Ausrichtung ist sozialliberal. Er wurde noch nie in ein Amt gewählt. Er will Staatsausgaben kürzen und 120.000 Beamtenstellen streichen. Am aktuellen Flüchtlingskurs will er festhalten.
  • Haltung zu Europa: Macron tritt für Europa und damit auch für eine enge Partnerschaft mit Deutschland ein. "Ich habe Europa im Herzen", lautet sein Motto. Das machte ihn zum prominentesten Widersacher der europafeindlichen Rechtspopulistin Marine Le Pen. Er will die Eurozone reformieren.
  • Herkunft: Der Arztsohn war bis 2012 gut bezahlter Investmentbanker bei Rothschild & Cie.. Dann holte ihn Präsident Francois Hollande als Berater in den Elyseepalast. Von 2014 bis 2016 war er Wirtschaftsminister.
  • Privates: Verheiratet seit 2007 mit Brigitte Macron (64). Er kennt sie seit seiner Schulzeit, sie war damals seine Französischlehrerin. Sie hat drei Kinder aus erster Ehe, zwei davon älter als Macron. Das ungewöhnliche Paar könnte Glamour in den Elyseepalast bringen.

Ein Elite-Revoluzzer

Der frühere Investmentbanker hat sich aus dem Schatten seines Mentors im Elysee-Palast, Francois Hollande, gelöst und will nach einer politischen Blitzkarriere den Sozialisten nun beerben.

Der fast jugendlich wirkende Kandidat mit Seitenscheitel und markanten Koteletten ist wie so viele andere Spitzenpolitiker Absolvent der Elite-Hochschule ENA. Doch der smarte Jungstar sieht sich nicht als Teil des politischen Establishments, sondern als Revoluzzer, der Frankreich aufrütteln und modernisieren will.

© APA/AFP

Macron hat mit "En Marche" (Vorwärts) binnen Jahresfrist eine eigene Bewegung mit mehr als 230.000 Anhängern auf die Beine gestellt. Sie soll den 39-Jährigen ins Präsidentenamt tragen und einen Durchmarsch der Rechtsextremen Marine Le Pen verhindern.

Der Mozart aus dem Elysee-Palast

Der im nordfranzösischen Amiens geborenen Sohn eines bürgerlichen Ärzte-Ehepaars war schon als Kind ein Bücherwurm, wie er in seinem eigenen Werk mit dem Titel "Revolution" schreibt. Macron, der auch ein begabter Klavierspieler ist, hat seit den Zeiten als Berater Hollandes zudem den Spitznamen "Mozart aus dem Elysee-Palast". Doch der Feingeist und studierte Philosoph zeigt auch eine andere Seite: Macron liebt das Kickboxen, auch wenn er inzwischen öfter zum Tennisschläger greift.

© APA/AFP

Mit dieser Mischung aus Talent und Schlagkraft hat er sich den Weg nach ganz oben gebahnt. Als Investmentbanker bei Rothschild bewies er auch in der Geschäftswelt Durchsetzungsvermögen: 2012 boxte Macron den milliardenschweren Kauf der Säuglingsnahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer für den Nahrungsmittelkonzern Nestle durch, der dabei Mitbewerber ausstach. Zugleich erwarb sich Macron damals als Präsidentenberater den Ruf, stets ein offenes Ohr für die Belange der Unternehmer zu haben. "Er ist unsere Anlaufstelle beim Präsidenten", bescheinigte ihm der Chef von France Telecom, Stephane Richard, im September 2012.

Weitere Infos finden Sie in unserem Themenkanal zur französischen Präsidentenwahl

Wenn der Schüler mit seiner Lehrerin: Und das ist Emmanuels Schule der Liebe

Videoempfehlung:
Le Pens Anhänger sind keineswegs enttäuscht.