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Sterbehilfe für Franzosen gebilligt

Europäischer Menschengerichtshof stimmt zu - Mann liegt seit 2008 im Wachkoma

Debatte um Sterbehilfe im Fall Vincent Lambert © Bild: APA/EPA/PHOTOPQR/L'UNION DE REIMS

Der Franzose Vincent Lambert liegt seit einem Verkehrsunfall im September 2008 im Wachkoma. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat jetzt einer passiven Sterbehilfe zugestimmt. Die Straßburger Richter lehnten am Freitag die Beschwerde der Eltern und zweier Geschwister des 38-Jährigen ab, die sich gegen ein Ende der künstlichen Ernährung zur Wehr gesetzt hatten.

Das tragische Schicksal des im Wachkoma liegenden Franzosen sorgt in Frankreich seit Jahren für hitzige Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern der passiven Sterbehilfe.

Gespaltene Familie

Lamberts Frau Rachel und andere Angehörige forderten in Übereinstimmung mit Lamberts Ärzten von der Uni-Klinik Reims in Ostfrankreich ein Abschalten der lebenserhaltenden Geräte. Ihr Mann habe eine künstliche Lebensverlängerung immer abgelehnt, betonte die 33-Jährige. Den Ärzten zufolge sind bei dem Patienten nur noch geringfügige Bewusstseinsanzeichen vorhanden. Außerdem ließ Lambert nach ihren Angaben wiederholt Widerstand gegen eine weitere Pflege erkennen. Das Krankenhaus beschloss daher im Jänner 2014 gemeinsam mit der Frau und fünf Geschwistern des Franzosen, passive Sterbehilfe zu leisten.

Der französische Verfassungsrat - das höchste Verwaltungsgerichts des Landes - hatte im vergangenen Juni den Beschluss der Ärzte gebilligt, die Ernährung des Patienten einzustellen. Daraufhin zogen Lamberts Eltern, ein Bruder und eine Halbschwester vor den Straßburger Gerichtshof.

Eltern: "Vincent ist nicht am Ende seines Lebens"

Bei einer Anhörung im Jänner betonten sie, ein Aussetzen der Nahrungszufuhr wäre nichts anderes als "versteckte Euthanasie" und damit ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Schutz des Lebens. "Vincent ist nicht am Ende seines Lebens, er ist behindert", sagte seine Mutter. Die Eltern machen zudem geltend, dass die Ärzte gegen das Verbot von Misshandlung und Folter verstoßen, sollten sie ihren Sohn verhungern und verdursten lassen.

Der Fall erinnert an die US-Amerikanerin Terri Schiavo, deren Ernährung 2005 nach 15 Jahren im Wachkoma eingestellt wurde, so dass sie knapp zwei Wochen später starb. In dem großes nationales und internationales Aufsehen erregenden Fall hatten sich die Eltern ebenfalls für ein Weiterleben ihrer Tochter ausgesprochen, während ihr Ehemann ihren Tod forderte.

In Österreich ist die passive Sterbehilfe gesetzlich erlaubt. 2006 verabschiedete der Nationalrat ein Patientenverfügungsgesetz. Beihilfe zum Suizid ist aber wie in Deutschland strafbar. Frankreich hat die passive Sterbehilfe ebenfalls erlaubt, die aktive Sterbehilfe aber verboten. Auf Wunsch des Patienten kann eine medizinische Behandlung abgebrochen werden, auch wenn das den Tod beschleunigt.

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