Frankreich im großen Finale gegen Italien: Zidanes Strafstoß bricht Portugals Herzen

Figo, C. Ronaldo & Co. konnten Blaue nicht stoppen Knapper 1:0-Erfolg: Zehn starke Minuten reichen aus

Das Endspiel der WM 2006 in Deutschland lautet Italien gegen Frankreich. Die Franzosen feierten im zweiten Halbfinale in München einen 1:0-(1:0)-Erfolg über Vize-Europameister Portugal. Die Entscheidung zu Gunsten des Weltmeisters von 1998 brachte vor 66.000 Zuschauern ein Elfmeter, den Superstar Zinedine Zidane in Minute 33 verwertete.

Während Frankreich nun im Finale in Berlin auf den dreifachen Champion Italien trifft, bekommen es die Portugiesen im Spiel um Platz drei in Stuttgart mit Deutschland zu tun. Das Gastgeber-Team hatte in Dortmund gegen die "Squadra Azzurra" nach einer dramatischen Schlussphase der Verlängerung eine 0:2-Niederlage bezogen.

Das WM-Finale ist übrigens eine "Generalprobe" für die EM-Qualifikation. In dieser kommt es nämlich am 6. September zum ersten Rematch, wenn Frankreich in der Gruppe B Italien empfängt.

Frankreichs Teamchef Raymond Domenech schickte exakt jene Erfolgself aufs Feld, die zuvor in der K.o.-Phase bereits Geheimfavorit Spanien (3:1) sowie Titelverteidiger Brasilien (1:0) ausgeschaltet hatte. Sein Gegenüber Luiz Felipe Scolari stellte dagegen um: Tiago und Armando Petit machten im Mittelfeld für Superstar Deco und Francisco Costinha Platz, die nach Gelb-Rot-Ausschlüssen im Skandalspiel gegen die Niederlande im Viertelfinale gegen England (3:1 im Elferschießen) gefehlt hatten.

Die Franzosen machten zwar von Beginn weg das Spiel, doch die besseren Chancen fanden zunächst die Portugiesen vor: So kam Pauleta nach einem Deco-Schuss und verunglückter Abwehr von Tormann Barthez zu spät (4.), während ein Maniche-Schuss aus gut 25 Metern nur knapp über die Latte zischte (9.).

Es folgten gut 20 Minuten "Rasenschach" für Fußball-Strategen, ehe Portugals Innenverteidiger Ricardo Carvalho knapp innerhalb der Strafraumgrenze Arsenal-Goalgetter Thierry Henry zu Fall brachte. Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay zögerte keine Sekunde und entschied auf Elfmeter, den Zidane mit nur zwei Schritten "Angehen" verwertete.

"Penalty-Killer" Ricardo, der im Elferschießen gegen England gleich drei Versuche pariert hatte, erriet zwar die Ecke, doch der Schuss von Frankreichs Nummer zehn fiel derart hart aus, dass selbst der Sporting-Schlussmann chancenlos war (33.). Die Iberer waren durch diese für sie ungewohnte Situation - sie mussten erstmals während der WM einem Rückstand nachlaufen - gezwungen, mehr für die Offensive zu tun, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg.

So dominierten unmittelbar nach der Pause weiter die Franzosen, wobei Ricardo die Vorentscheidung verhinderte. Zunächst hatte der Tormann bei einem Schuss von Henry, der sich gegen Fernando Meira durchsetzte, mit einer zufälligen "Ellbogenabwehr" Riesenglück, ehe er sich anschließend bei einem Fernschuss von Ribery mit einer Parade auszeichnete (48./49.).

Erst in Minute 53 fand Portugal die erste Ausgleichschance vor, doch der Schuss von Pauleta aus kurzer Distanz und spitzem Winkel landete im Außennetz. Die beste Möglichkeit auf das 1:1 folgte in der 77. Minute, als Frankreichs extrem unsicherer Goalkeeper Fabian Barthez nach einem Freistoß von Cristiano Ronaldo in Volleyball-Manier viel zu kurz abwehrte. Aber der anschließende Kopfball von Luis Figo ging über die Latte.

Damit hatte der EM-Zweite sein ganzes Pulver auch schon verschossen und muss deshalb weiter seit 1975 auf einen Sieg über die Franzosen warten, die im 22. Duell mit den Portugiesen ihren bereits 16. Erfolg (bei fünf Niederlagen und einen Remis) schafften. Für Erfolgstrainer Scolari war es nach zwölf WM-Spielen (elf Siege/sieben davon mit Brasilien beim WM-Titel 2002 sowie einem Remis) die erste Niederlage.

Portugal - Frankreich 0:1 (0:1)
München, 66.000 (ausverkauft), SR Jorge Larrionda (Uruguay)

Tor: 0:1 (33.) Zidane (Foulelfer)

Portugal: Ricardo - Miguel (62. Ferreira), Meira, Carvalho, Valente - Costinha (75. Postiga), Maniche - Figo, Deco, C. Ronaldo - Pauleta (68. Simao)

Frankreich: Barthez - Sagnol, Thuram, Gallas, Abidal - Ribery (72. Govou), Makelele, Zidane, Vieira, Malouda (69. Wiltord) - Henry (85. Saha)

Gelbe Karten:
Carvalho (gesperrt im Spiel um Platz 3) bzw. Saha (im Finale gesperrt)

(apa/red)