Frankfurter Buchmesse öffnet ihre Pforten:
Argentinien beim Startschuss im Mittelpunkt

Präsidentin Kirchner wird ungewöhnliche Ehrung zuteil 62. Buchmesse lädt Besucher bis Ende der Woche

Frankfurter Buchmesse öffnet ihre Pforten:
Argentinien beim Startschuss im Mittelpunkt © Bild: Reuters

Die Zukunft des Buches und die Vergangenheit des Gastlandes Argentinien standen bei der offiziellen Eröffnung der 62. Frankfurter Buchmesse im Mittelpunkt der Reden. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner wurde am Ende ihrer emotionalen Rede eine ungewöhnliche Belohnung zuteil.

Nachdem sie den traditionellen Börsenhammer auf dem Rednerpult entdeckt und um Rat gebeten hatte, was sie damit machen solle ("Auf das Pult oder jemandem auf den Kopf schlagen?") bat sie der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, als ersten Gast in der Geschichte der Buchmesse, den Hammerschlag zur Eröffnung gemeinsam mit ihm vorzunehmen.

Überraschende Ehrungen abseits des Protokolls hatte es auch zuvor gegeben. Frankfurts seit 15 Jahren regierende Oberbürgermeisterin Petra Roth war von Honnefelder mit der Ehrenplakette des Börsenvereins "Förderin des Buches" ausgezeichnet worden; Präsidentin Kirchner hatte stellvertretend für die rund 70 nach Frankfurt gekommenen argentinischen Autoren Elsa Oesterheld auf die Bühne gebeten, die Witwe des während der Militärdiktatur zusammen mit ihren vier Töchtern verschwundenen Autor Hector Oesterheld.

Erinnerung an dunkle Zeiten
Die Auseinandersetzung mit der Zeit der Militärdiktatur (1976-1983) zieht sich nicht nur durch die neuere Literaturproduktion, mit der Argentinien einen eindrucksvollen Buchmessen-Auftritt liefert, sondern wurde auch bei der Eröffnung immer wieder angesprochen. Honnefelder erinnerte ebenso wie der deutsche Außenminister Guido Westerwelle daran, dass 1976 Südamerika der allererste Schwerpunkt der Buchmesse gewidmet war, zu einer Zeit, als in Argentinien noch die Diktatur herrschte.

Die bis Sonntag dauernde 62. Buchmesse ist ab morgen für Fachbesucher und und am Wochenende für normales Publikum geöffnet. Insgesamt sind auf der weltgrößten Bücherschau 7.533 Aussteller aus 111 Ländern vertreten. Im Vorjahr wurden 290.000 Besucher gezählt.

(apa/red)