FPÖ entdeckt "Neo-Österreicher" für sich

FPÖ entdeckt "Neo-Österreicher" für sich

Nach dem Wahldebakel in Wien entdeckt die FPÖ eine bislang verschmähte Zielgruppe: die „Neo-Österreicher“. Mit strammen Slogans und fremdenfreundlichen Serviceangeboten wollen die Blauen assimilierungswillige Immigranten in ihre Partei locken. FORMAT hat recherchiert..

Dora Diamantopoulos, 26, ist seit sechs Jahren für die FPÖ tätig. Ihr Vater, geborener Grieche, findet das vollkommen in Ordnung. „Meine Eltern sind stolz auf mich“, sagt die Seminarmanagerin der Freiheitlichen Akademie, der Schulungsstätte der Blauen. Früher wählte die Familie konservativ, heute wird im Haushalt Diamantopoulos blau gestimmt. „Mein Vater ist nicht mehr zu unterscheiden von einem gebürtigen Österreicher“, sagt Dora, „er hat sich von Anfang an vollkommen assimiliert.“

Die Diamantopoulos sind Einwanderer wie aus dem freiheitlichen Bilderbuch. Tüchtig (der Vater arbeitet mit 61 noch als technischer Zeichner), angepaßt und anständig (zu Hause wird deutsch gesprochen), aufstiegsorientiert (Tochter ist Akademikerin). Genau solche Menschen sollen in Zukunft bei der FPÖ ihre politische Heimat finden. FP-Klubchef Peter Westenthaler hat auch schon den passenden Begriff für die neue Zielgruppe kreiert. Um „Neo-Österreicher“, oder, in seiner regionalen Ausprägung, um „Neo-Wiener“ sollen die blauen Mandatare in Zukunft verstärkt buhlen.

Der Grund für die ungewöhnlichen Avancen:
Bei der Wiener Wahl hat die FPÖ vor allem in jenen Gegenden massiv verloren, die früher zu ihren Hoheitsgebieten gehörten – in peripheren Bezirken mit weitverzweigten Gemeindebauanlagen und einem hohen Ausländeranteil. Der altbewährte blaue Kampfslogan „Stop der Überfremdung“ – im Nationalratswahlkampf 1999 noch flächendeckend plakatiert – zog bei „echten“ nicht und bei „Neo-Österreichern“ schon gar nicht.

Ein eilig ins Leben gerufener blauer Arbeitskreis soll sich nun Strategien für den neuen Stimmenfang überlegen. Darin vertreten: Westenthaler – er ist Bereichssprecher für Integrationsfragen im Parlament – , der Wiener Wahlkampfmanager Heinz-Christian Strache und angeblich auch eine Reihe von Immigranten, die bereit sind, mit der FPÖ offen zu sympathisieren. Eine von ihnen ist die gebürtige Ungarin Katalin Clemente-Palma, 49. Die Sprachlehrerin ist blaue Bezirksfunktionärin, hält die FPÖ für ausländerfreundlich und findet ihre restriktive Zuwanderungspolitik absolut in Ordnung.

Zweisprachige Flugblätter
Ein weiterer Punkt der FP-Fremdenoffensive: die Schaffung von Anlauf- und Servicestellen für frischgebackene Staatsbürger. Wer sich dort über Wahlrecht für Ausländer oder zweisprachige Schulen informieren will, ist allerdings fehl am Platz. Die blauen Mitarbeiter werden eher angehalten, effiziente Deutschkurse zu empfehlen und Anleitung zur raschen Integration zu geben; für diesen Zweck kann sich Klubchef Westenthaler sogar zweisprachige Informationsbroschüren vorstellen: „Allerdings wird das kaum notwendig sein. Die Erfahrung zeigt, daß die meisten Ausländer ohnehin deutsch reden wollen, die wollen ihre alte Sprache gar nicht sprechen.“ Clemente-Palma stimmt zu: „Wenn ich meine Stimme nicht hören würde“, sagt sie, die mit leicht ungarischem Akzent spricht, „wäre mir gar nicht bewußt, daß ich keine echte Österreicherin bin.“

Restriktive Politik
Es sind also die aufstiegsorientierten Migranten, auf die es die FPÖ abgesehen hat. „Rein strategisch ist eine Neupositionierung in der Ausländerpolitik für die FPÖ absolut notwendig“, meint August Gächter, Migrationsexperte am Institut für Höhere Studien. Schon heute gehört jeder siebte Wahlberechtigte in Wien zur Gruppe der neueingebürgerten Österreicher, bei der nächsten Gemeinderatswahl 2006 wird es jeder sechste sein. Spätestens dann sollen Ausländer auch auf Bezirksebene wählen dürfen.

Aber auch bei den gering gebildeten Migranten, die am Arbeitsplatz einem starken Konkurrenzdruck ausgesetzt sind und bislang gar nicht wählen gingen, könnte die FPÖ starken Zuspruch finden. Sora-Meinungsforscher Christoph Hofinger: „Das sind jene, die den Verdrängungswettbewerb als erstes spüren und deshalb einem Zuwanderungsstopp viel abgewinnen können.“ Dieser Klientel versichert Klubchef
Westenthaler schon heute: „Von unserer restriktiven Ausländerpolitik werden wir keinen Millimeter abrücken, da gibt es mit Sicherheit keine Linienänderung.“