Die FPÖ und die EU von

Nur heute
flexibel

Renate Kromp © Bild: Ian Ehm/News

Die FPÖ und die EU, das war früher eine klare Sache: Man war dagegen. Und man war nicht zimperlich.

Unsere Staatsspitzen sind auch nur Menschen. Und darum posteten sie diesen Mittwoch in den sozialen Medien ganz begeistert Fotos von ihrem gemeinsamen Brüssel-Ausflug. Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache Schulter an Schulter im frühmorgendlichen Pyjama-Flieger, dahinter strahlen Elisabeth Köstinger und Gernot Blümel. Fast so schön wie die Fotos von Schulausflügen oder der Fahrt zum Pfadfinderlager -nur reist man da halt per Bus. Und man hat meist keine Probleme mit Widersprüchen zur eigenen Vergangenheit, so wie die FPÖ bei diesem Brüssel-Trip.

Die FPÖ und die EU, das war früher eine klare Sache: Man war dagegen. Und man war nicht zimperlich. Norbert Hofer wollte Brüssel "den Wasserkopf abschlagen". Heinz-Christian Strache dachte laut über den EU-Austritt oder zumindest den Abschied vom Euro nach. Und als Herbert Kickl noch das Wahlkampf-Mastermind der FPÖ war, reimte man plump Volksvertreter auf EU-Verräter.

Der Unterschied zu damals: Heute sitzt die FPÖ in der Regierung, und eine wichtige Vorbedingung der ÖVP dafür war pro-europäisches Auftreten. Und die Blauen dürften auf den Geschmack gekommen sein. Wer jahrelang international gemieden im Winkerl bei den anderen Rechtsnationalen stand, genießt den großen Auftritt bei den EU-Ministerräten. Wer gern mit schönen (oder sogar geschönten) Bildern in den sozialen, aber auch den klassischen Medien vorkommt, der weiß, dass die kommende Ratspräsidentschaft Österreichs viele tolle Fotos bringen wird. Und die lassen sich wiederum in kommenden Wahlkämpfen gut verwenden.

Dafür kann man schon einmal auf Diplomat machen und höflich feststellen, dass es Entwicklungen in der Europäischen Union gibt, "auf die wir stolz sind und die gut sind", wie Strache nun in Brüssel meint. Dass er zuvor die Personenfreizügigkeit in Frage gestellt oder den europäischen Grenzschutz Frontex als Schlepperorganisation bezeichnet habe - alles nicht so gemeint, beteuert er.

Doch an einer Wandlung der FPÖ darf gezweifelt werden. In kommenden Wahlkämpfen wird man wohl wieder die EU-feindliche Klientel bedienen. Und dass die FPÖ das Rabaukentum nicht abgelegt hat, zeigen ohnehin regelmäßige Wortspenden ihrer Funktionäre. Etwa wenn ihr niederösterreichischer Landesrat Gottfried Waldhäusl Flüchtlinge mit Tieren vergleicht. Oder sich darüber erregt, dass ausländische Hündchen den "unseren" die Plätze im Tierheim wegnehmen. Das mag lächerlich und nach einem Fall für das Satiremagazin "Tagespresse" klingen, ist aber gleichzeitig ein Signal an die blaue Wählerschaft: Die FPÖ hat sich nicht geändert.

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Kommentare

Völlige Zustimmung! Die Heuchler machen gerne Ausflüge. Nach Russland, Südtirol, Rom, Brüssel u.a. Überall treten sie auf, um ein anders Bild ihrer bisherigen Absichten zu zeigen, meist ein schöneres, wie in Brüssel. Psychologen würden diese plumpen Versuche unter dem Begriff "kognitive Dissonanzen" einordnen.

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