FPÖ mit Attacken gegen Islam in Senat: Winter binnen zwei Jahren zur Stadträtin

Erfindung des steirischen FP-Parteichefs Kurzmann Kandidatin erregte Aufsehen mit Mohammed-Sagern

 FPÖ mit Attacken gegen Islam in Senat: Winter binnen zwei Jahren zur Stadträtin © Bild: APA/Leodolter

Bis zum Neujahrstreffen der FPÖ war sie einer breiten Öffentlichkeit auch in Graz unbekannt: Das hat Susanne Winter, Spitzenkandidatin für die Gemeinderatswahl und nun Neostadträtin, mit ihren Aussagen zum Islam schlagartig geändert. Auch wenn die Partei nicht so viel einfahren konnte, wie die Meinungsforscher prognostizierten: Die FPÖ ist mit 11,09 Prozent und sechs Mandataren nach fünf Jharen der quasi Bedeutungslosigkeit wieder eine Kraft im Gemeinderat. Winter selbst würde sich für das Wohnressort oder den Finanzbereich interessieren.

Die promovierte Juristin, die in der Zahnarztpraxis ihres Ehemannes arbeitet, gilt als Erfindung des steirischen Parteichefs Abg. Gerhard Kurzmann. Sie ist im Grazer Wahlkampf und in der Zeit davor sachpolitisch nicht sehr aufgefallen - die Aufmerksamkeit "erarbeitete" sie sich durch immer provokantere Äußerungen zu Islam, Ausländern und mit der Wiedergabe kruder genetischer Theorien. Die FPÖ-Frontfrau hatte bereits 2006 bzw. 2007 nach ihrer Kür zur Spitzenkandidatin und Stadtparteiobfrau die Themen hervorgehoben, mit denen man punkten wolle, wie etwa "Islamisierung, organisierte Bettelei und Asylmissbrauch".

Einigermaßen Aufsehen erregte die Spitzenkandidatin vor dem Neujahrstreffen mit diversen "Sagern". Winter forderte u.a. die "Internierung" von Asylwerbern in leeren Kasernen und ein Fahrverbot für Schleierträgerinnen. Erstmals in größerem Kreise für Aufregung sorgte sie in einer publizierten Diskussion mit dem ersten Vorsitzenden des Grazer Ausländerbeirates, der ihr vorwarf, einen Keil zwischen weiße und andersfärbige Österreicher zu treiben: Menschen seiner Hautfarbe hätten aus einer Jahrtausende alten Tradition heraus, die sich genetisch manifestiere, automatisch zu wenig Selbstbewusstsein und zu viel Hoheitsdenken.

Beim Neujahrstreffen meinte Winter, der islamische Prophet Mohammed wäre heute ein "Kinderschänder". Außerdem sei er ein "Feldherr", den den Koran in "epileptischen Anfällen" geschrieben hätte. Der Islam sei ein "totalitäres Herrschaftssystem" und gehöre "dorthin zurückgeworfen, wo er hergekommen ist, hinter das Mittelmeer". Helle Empörung und entschiedene Zurückweisung quer durch alle Parteien und Religionsgemeinschaften waren die Folge. In den folgenden Tagen wurden die Aussagen von FPÖ-Chef Heinz Christian Strache und Winter selbst zwar etwas relativiert, eine Entschuldigung blieb aber aus.

Porträt: Susanne Winter
Winter wurde am 23. Juli 1957 in Graz geboren, ihr 20 Jahre alter Sohn Michael ist steirischer RFJ-Chef und betätigt sich als Aussender der politischen Ansichten der Mutter. Von 1976 bis 1979 studierte Winter Medizin in Graz, 1980 stieg sie auf Jus um. Beruflich tätig war sie von 1986 bis 1988 als Rechtsberaterin für Unternehmen, bevor sie in Karenz ging. Seit 1990 arbeitet sie in der Zahnarzt-Praxis ihres Ehemannes, der FPÖ trat sie 1997, im Jahr darauf wurde sie Bezirksobfrau der FPÖ Graz-Straßgang.

(apa)