Fotorealismus soll Casual-Gamer fangen:
Frauen und Senioren als Zielgruppe für PS 3

Safari-Spiel ohne Schießereien und bösen Gegnern Sony will nach Nintendo bei Käuferschicht nachziehen

Fotorealismus soll Casual-Gamer fangen:
Frauen und Senioren als Zielgruppe für PS 3 © Bild: Sony

Mit dem fotorealistischen Safari-Game "Afrika" steigt nun auch Sony Computer Entertainment endgültig in den Bereich der Casual Games auf seiner Next-Generation-Plattform Playstation 3 ein. Im Gegensatz zu sonstigen PS3-Titeln gibt es in Afrika keine Schießereien, keine Gut-gegen-Böse-Szenarien und keine Gewinner oder Verlierer. Als Fotojournalist taucht man in die Welt der Tierbeobachtungen ein, macht Fotos und erfreut sich an der detailgetreu modellierten Landschaft.

"Es gibt eine deutliche Bewegung, Frauen, junge Mädchen und ältere Leute vermehrt ins Boot zu holen", erklärt der Analyst Piers Harding-Rolls gegenüber BBC Online. Nintendo habe einen riesigen Erfolg mit der Wii eingefahren und die Konkurrenz mit Casual-Gaming-Titel klar überragt. "Es wurde eine neue Kategorie von Videospielen geschaffen. Lifestyle- und Training-Games sowie der gesamte Social-Software-Bereich entwickeln sich fantastisch", meint Harding-Rolls. Ein Trend, der sich bereits zur diesjährigen E3 abzeichnete und den jetzt offensichtlich auch Sony für sich erkannt hat.

Neue Käuferschichten
Sony hofft mit Afrika eine ganz neue, der PS3 bisher eher abgeneigte Käuferschicht zu erreichen. Denn konnte vor allem Konkurrent Nintendo in den zurückliegenden Jahren mit seinen Innovationen bei der Wii und dem Nintendo DS viele Frauen, Mädchen und Senioren für seine Produkte begeistern, so bildet bei Sony noch immer die Gruppe der männlichen 15- bis 25-jährigen Gamer das Rückgrat des Erfolgs. Nach einem schwachen Verkaufsstart vor zwei Jahren hat die PS3-Nachfrage zwar angezogen, nichtsdestotrotz belegt der einstige Branchenprimus mittlerweile abgeschlagen nur noch den dritten Platz bei den Konsolenherstellern. Konnte Nintendo bereits fast 30 Mio. Einheiten seiner Wii absetzen, waren es von der PS3 nicht einmal halb so viele. Microsoft rangiert mit seiner Xbox 360 mit gut 20 Mio. verkauften Exemplaren auf dem zweiten Platz.

"Afrika ist ein ganz neuer Ansatz des interaktiven Entertaiments und einige Leute werden es sicher nicht als richtiges Spiel ansehen", meint Kazuo Hirai, Chief Executive von Sony. David Cole, Analyst bei der Marktforschungsfirma DFC Intelligence, meint, dass Afrika einen überschaubaren Erfolg haben wird. "Die meisten PS3-Gamer sind ernsthafte Spieler, denen Afrika sicher zu lahm ist." Auch bei Sony selbst rechnet man offensichtlich nicht mit dem Erfolg anderer Verkaufsschlager, wie "Need for Speed". "Mit 100.000 verkauften Spielen wären wir sehr zufrieden", heißt es von Sony. In der Branche wird sonst ab 500.000 Einheiten von einem Erfolg gesprochen. Vielmehr hoffe man, dass Afrika zum Vorbild für ein ganz neues Spiel-Genre, den "Natur-Erforschungs-Games", wird. Denn damit könnten auch unabhängige Game-Publisher motiviert werden, auf diesen Zug aufzuspringen.

Was sich Sony die vierjährige Entwicklung hat kosten lassen, wurde nicht bekannt geben. Experten gehen aber aufgrund der detailgetreuen Darstellung der Tiere, bei denen einzelne Rippen, Muskelbewegungen beim Rennen oder exakt modellierte Klauen zu erkennen sind, von entsprechend hohen Kosten aus.
(pts/red)