Fortpflanzung lässt laut Studie Zellen altern: Jedenfalls bei weiblichen Mäusen

"Männer" durch hohe Populationsdichten gestresst Tiere mit erhöhter Reproduktion mehr betroffen

Kinder in die Welt zu setzen, lässt die Zellen altern. Diesen Zusammenhang haben Wissenschafter des Konrad-Lorenz-Institut für vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) jedenfalls für weibliche Mäuse herausgefunden. Konkret zeigen Tiere mit erhöhter Reproduktion - also vielen Nachkommen - eine Verkürzung der so genannten Telomere an den Chromosomen von Blutzellen.

Telomere stehen seit längerem im Mittelpunkt vieler Forschungen im Zusammenhang mit Alterung und auch Krebsentstehung. Es handelt sich um Anhänge der Chromosomen, die Telomere tragen zwar keine echte Erbinformation, sie gelten aber als eine Art Stabilisatoren für die Chromosomen. Seit längerem ist bekannt, dass die Länge der Telomere mit jeder Zellteilung abnimmt, Zusammenhänge mit Alterung und auch Krebsentstehung werden vermutet. Bereits mehrfach konnte in Untersuchungen gezeigt werden, dass auch Stress die Telomere verkürzt.

Die KlIVV-Wissenschafter wollten nun herausfinden, inwieweit sich individueller Stress auch quantifizieren lässt. Dustin Penn, Alexander Kotrschal und Petteri Ilmonen testeten daher Blutzellen von wilden - also nicht im Labor gezüchteten - Hausmäusen, die während eines halben Jahres verschiedenen Arten von Stress ausgesetzt waren.

Es zeigte sich, dass die bekannten Stress-Faktoren erhöhte Reproduktion bei Weibchen und eine hohe Bevölkerungsdichte bei Mäuse-Männchen tatsächlich einen Einfluss auf die Telomere haben. "Je kürzer die Telomere, desto mehr Stress hat das Individuum erlebt oder desto weniger war es in der Lage mit dem erlebten Stress umzugehen", stellten die Forscher fest. Die aktuelle Forschungsarbeit wurde in der Wissenschaftszeitschrift "Biology Letters of the Royal Society" - Ausgabe 1. Februar 2007 - veröffentlicht.

(apa/red)