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Kamera mit "Röntgen"-Blick

Israelische Forscher errechnen aus gestreutem Licht Bilder hinter festen Objekten.

Forschung - Kamera mit "Röntgen"-Blick © Bild: Thinkstock (Symbolfoto)

Undurchsichtig? Gibt's nicht! Zumindest in absehbarer Zeit: Forscher des Weizmann Institute of Science in Israel haben ein Verfahren entwickelt, das den Blick durch undurchsichtige Oberflächen ermöglicht, indem es Bilder aus dadurch gestreutem Licht errechnet. Längerfristiges Ziel der Technologie ist die medizinische Unterstützung, durch Eierschalen oder biologisches Gewebe durchzusehen.

Die Wissenschaftler errechnen die Streuung des Lichts mit einem Algorithmus und verwenden einen räumlichen Modulator für Licht, um die Verzerrungen zu korrigieren und das ursprüngliche Bild wiederherzustellen.

Festkörper wie Eierschalen, Papier oder Haut streuen auch das Licht, das sie durchdringt. Die Kamera aus Israel kann theoretisch durch solche Objekte durchsehen. "Der Grund dafür, dass ein Blatt Papier oder menschlisches Gewebe nicht durchsichtig ist, ist die Streuung des Lichts, das heisst eine statistische Verzerrung der Phasenfront der Lichtwellen. Wirklich undurchsichtig sind eigentlich nur Metalle", erklärt Georg Reider von der TU Wien. Mit einem computergesteuerten räumlichen Phasenmodulator und entsprechenden Algorithmen kann diese Verzerrung wieder repariert werden. "Eine ähnliche Technologie kommt bei Korrektur von Bildern in der Astronomie zum Einsatz, wo das Licht, das die Teleskope erreicht, von der Atmosphäre phasenverzerrt wird", so Reider.

Komplexe Herausforderung
Ob es den Forschern gelingt, eine alltagstaugliches medizinisches Bildgebungsverfahren zu entwickeln, ist ungewiss. "Im Labor ist es heute durchaus möglich, durch statische Streuobjekte hindurch zu sehen. Die Anwendung solcher Technologie auf lebendes Gewebe hat sich bisher aber als sehr komplex erwiesen", so Reider.