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Spielberg: Williams greift an

Team jubelt - Erstmals seit 26 Rennen kein Mercedes oder Red Bull auf Pole

Felipe Massa holt Pole Position in Spielberg © Bild: GEPA pictures/ Harald Steiner

Das Formel-1-Traditions-Team Williams hat in Spielberg für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Nach Pole für Felipe Massa und Platz zwei für den Finnen Valtteri Bottas okkupieren die Briten die erste Reihe für den Comeback-Grand-Prix von Österreich am heutigen Sonntag (14.00 Uhr). Vor allem Routinier Massa, der gerade seinen zweiten Frühling erlebt, strahlt wie schon lange nicht. WM-Leader Mercedes hingegen hat einen weiteren kleinen Rückschlag zu verkraften. Auch Hausherr Red Bull konnte im Qualifying nicht aufzeigen und muss auf einen günstigen Rennverlauf hoffen.

Der kleine "Paulista" gilt in der Szene eher als tragische Figur und ist in Brasilien weit weg von der Strahlkraft eines Ayrton Senna. Als jahrelanger Ferrari-Wasserträger von Michael Schumacher stand Massa stets im Schatten des Deutschen.

2008 war er als Sieger des Heimrennens in Brasilien für wenige Sekunden zwar sogar Weltmeister, Lewis Hamilton schnappte ihm durch ein Überholmanöver in der vorletzten Kurve aber noch den Titel weg. 2009 wurde Massa in Ungarn von einer Stahlfeder am Kopf getroffen und schwer verletzt.

Massa fand bei Williams Unterschlupf

Trotzdem blieb Massa bis zum Vorjahr Ferrari-Pilot. Als man dort an seiner Stelle Kimi Räikkönen holte und der Brasilianer beim damals eher erfolglosen Williams-Team Unterschlupf fand, schienen die guten Tage des Gewinners von elf Formel-1-Rennen aber endgültig gezählt.

Rosberg, Massa und Bottas
© APA/HANS KLAUS TECHT Massa startet in Spielberg aus der Pole Position. Hinter im stehen Teamkollege Bottas und Mercedes-Pilot Rosberg.

Mit dem Mercedes-Motor im Auto und neuem Sponsor (Martini) gelang dem börsennotierten Privat-Team aus Grove aber ein großer Wurf. Schon vor zwei Wochen in Kanada verhinderte nur ein Unfall einen Podestplatz für Massa. Mit dem Team, an dem der Österreicher Toto Wolff noch immer zehn Prozent hält und wo dessen Ehefrau Susie demnächst zwei Freitag-Tests fährt, hat auch Alexander Wurz immer noch eine enge Beraterbeziehung.

Mit sieben Fahrer- und neun Konstrukteurs-Titeln sowie 114 Grand-Prix-Siegen ist Williams F1 einer der erfolgreichsten Rennställe in der Formel 1. Doch die ganz guten Zeiten sind lange her. Der einzige GP-Sieg im vergangenen Jahrzehnt gelang Pastor Maldonado 2012 durch das "Wunder von Barcelona".

Zumindest am Samstag in Österreich herrschte bei Williams totale Euphorie. "Ich realisiere das Ganze noch nicht richtig. Das ist wirklich was ganz Tolles. Mercedes zu besiegen, das ist wirklich phänomenal", sagte Teamchefin Claire Williams. Sie hat als Tochter des querschnittgelähmten Teamgründers Frank Williams weitgehend dessen Aufgaben übernommen.

Erstmals startet kein Mercedes aus der Pole Position

Erstmals in dieser Formel-1-Saison startet im Grand Prix von Österreich kein Silberpfeil-Pilot aus der Pole Position. Das hat sich der bisher so dominante Rennstall auch selbst zuzuschreiben. Im Stallduell zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton um den WM-Titel zeigt vor allem Letzterer Nerven.

Lewis Hamilton beim Qualifying in Spielberg
© APA/HANS KLAUS TECHT Hamilton kann mit seinem Qualifying-Ergebnis nicht zufrieden sein.

Hamilton schmiss die mögliche Pole mit einem zu harten Bremsmanöver samt Dreher in der Remus-Kurve weg, startet nur von Platz neun. "Unter Druck passieren Fehler", meinte Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda. "Er wird heute Nacht nicht so gut schlafen." Wenige Stunden danach nahm Hamilton seinen Fauxpas aber bereits mit Humor: "Absichtlich habe ich das nicht gemacht, soviel steht fest."

Die Sorgen bei Mercedes halten sich trotz der jüngsten technischen Probleme in Kanada - erstmals ging der Sieg dort nicht an einen Silberpfeil, sondern Red-Bull-Youngster Daniel Ricciardo - in Grenzen. "Wir sind immer noch WM-Leader und auch unser Auto ist weiterhin schnell", beruhigte Motorsportchef Toto Wolff. 61 Punkte hat Rosberg auf den WM-Dritten Ricciardo gut, 22 auf Hamilton.

Mateschitz-Freude über Comeback-GP in Spielberg ungetrübt

Die mäßige Vorstellung seines Teams im Qualifying hat die Freude von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz über die Rückkehr des Grand Prix von Österreich nicht getrübt. "Wir wissen ja, warum wir zurückliegen", betonte der Milliardär in Spielberg im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Problem sei nach wie vor die fehlende Power des Renault-Motors.

Didi Mateschitz in Spielberg
© GEPA pictures/Andreas Pranter Didi Mateschitz hat die Formel 1 zurück nach Österreich gebracht.

Kommende Woche soll die Situation mit dem französischen Hersteller analysiert werden. "Alternativen gibt es immer, wir haben aber nicht viele Möglichkeiten", erinnerte Mateschitz. Einerseits sei man längerfristig an Renault gebunden. Mateschitz: "Wir glauben auch nicht, dass wir mit einem Kundenmotor von Ferrari oder Mercedes glücklich werden. Die wollen ja selbst die Weltmeisterschaft gewinnen."

Das Qualifying verfolgte Mateschitz in der Box seines Teams Red Bull Racing. Für Kanada-Sieger Daniel Ricciardo reichte es immerhin zu Rang fünf. Weltmeister Sebastian Vettel dagegen kam nicht einmal über Platz 13 hinaus. "So ist der Sport", sagte Mateschitz. "In den vergangenen viereinhalb Jahren haben wir fast alles gewonnen. Es kann aber nicht immer derselbe vorne sein."

Lauda: "Didi hat hier den besten Job gemacht"

Mit diesem Wissen machte sich auch Mateschitz' Motorsport-Vertrauter Helmut Marko keine Sorgen um den Gemütszustand seines Chefs. "Er ist ein Realist. Er weiß auch genau, wie das ist", sagte der einflussreiche Berater. "Wir haben gewusst, dass wir hier nicht das schnellste Auto haben werden." Der Freude über das gelungene Heimevent tat das keinen Abbruch. "Didi hat hier den besten Job gemacht", lobte auch Dreifach-Weltmeister Niki Lauda.

Österreich-GP auch 2015 im Juni

Unterdessen hat Formel-1-Boss Bernie Ecclestone in Spielberg der APA bestätigt, dass der Grand Prix von Österreich auch im kommenden Jahr im Juni stattfinden wird. Für die Jahre danach werde der Termin überprüft. "Es ist wichtig, das Rennen zurück zu haben. Das ist gut für die Region und für die Formel 1", sagte der Chefvermarkter der Königsklasse.

Der bisher letzte WM-Lauf in Österreich war 2003 über die Bühne gegangen. Die neue Vereinbarung mit Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz läuft vorerst bis 2020. "Solange Dietrich und ich das wollen, wird es das Rennen geben", versicherte Ecclestone. Die jährliche Austragungsgebühr für den Grand Prix richte sich laut Ecclestone nach der anderer europäischer Traditionsrennen.

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