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Spielberg: Red Bull fährt beim Heim-Grand-Prix herbe Schlappe ein

Vettel wird "Seuche" nicht los - Mateschitz dennoch erfreut über F1-Comeback

Sebastian Vettel © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Organisatorisch makellos, sportlich wurde das große Heimspiel in Spielberg für Red Bull aber zum Trauerspiel. Während am Sonntag fast 100.000 Fans - unter ihnen zahlreiche Stars - die Rückkehr der Formel 1 genossen, verzeichneten die beiden Bullen-Teams beinahe einen Totalausfall. Während Mercedes in Spielberg über einen Doppelsieg jubelte, musste man beim Weltmeisterteam Red Bull Racing das schlechteste Jahresergebnis 2014 hinnehmen. Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz durfte sich bei der Rückkehr der Formel 1 nach Österreich dennoch über eine rundum gelungene Veranstaltung freuen.

Es passte zum ganzen Wochenende. Speziell Sebastian Vettel kam von Beginn weg ebenso nicht auf Touren wie sein RB10. Während am Sonntag auch beide Toro Rosso ausfielen und Daniel Ricciardo zwei Wochen nach seinem Überraschungssieg in Kanada als Achter wenigstens einige Pünktchen einfuhr, kam Vettel zum bereits dritten Mal in diesem Jahr wegen eines Defektes nicht ins Ziel. Diesmal zickte die Elektronik.

Rennen für Vettel nach wenigen Runden zu Ende

Der Vierfach-Weltmeister rollte schon in der zweiten von 71 geplanten Runde ohne Vortrieb aus. Noch ehe aus der Box Hilfe kam, funktionierte das bereits geparkte Auto aber plötzlich wieder. Mit einer Runde Rückstand war für Vettel das Heimrennen freilich schon da gelaufen.

Sebastian Vettel
© APA/HANS KLAUS TECHT Für Vettel ist der Grand Prix rasch zu Ende.

Warum seine "Suzie" plötzlich wieder funktioniert hatte, war auch für den vom Pech verfolgten Titelverteidiger ein Rätsel. "Das Problem hat sich praktisch von selbst behoben", rätselte Vettel über die komplexe Elektronik der aktuellen Autogeneration.

Bald droht Start aus der Boxengasse

So fuhr Vettel trotzdem recht bald in die Box, um Motor und Kilometer zu sparen. An seinem Auto sind 2014 schon vier unterschiedliche Motoren sowie Turbolader eingesetzt worden, bald droht Vettel deshalb sogar ein Start aus der Boxengasse.

Nach Österreich soll mit Renault Bilanz über deren schwächelnden Antriebsstrang gezogen werden, große Verbesserungsschritte wird es 2014 wegen der "eingefrorenen" Hardware aber wohl nicht geben. Zumindest bessere Haltbarkeit hatte man versprochen. Die Ereignisse vom Sonntag sagten etwas anderes.

Vettel hat Titelverteidigung bereits abgehakt

Auch Vettel war deshalb klar, dass bei bereits gewaltige 105 Zählern Rückstand auf WM-Leader Nico Rosberg trotz erstmals doppelter Punkte beim Finale eine erfolgreiche Titelverteidigung wohl schon nach acht von 19 Rennen abzuhaken ist. "Dafür braucht man kein Genie zu sein", so Vettel.

Rosberg feiert seinen Sieg in Spielberg
© APA/HANS KLAUS TECHT Rosberg jubelt über seinen Spielberg-Sieg.

Es ist offensichtlich, das Vettel nach der Abkehr von den Autos mit angeblasenem Diffusor mit dem aktuellen Turbo-Hybrid-Gefährt nicht besonders gut zurechtkommt. Angesichts der schwer zu verstehenden Elektronik-Pannen und der vielen Knöpfe im Auto kamen auch beim Deutschen eigenwillige Gedanken auf. "Da wünscht man sich den guten alten Seilzug zurück."

Marko: "Wenn einen die Pechsträhne verfolgt, dann massiv"

Wie man nach vier Jahren als überlegenes Team in der Formel 1 so "abstürzen" kann, ist vielfach immer noch ein Rätsel. Auch wenn Red Bulls Direktor Helmut Marko den Motorenpartner Renault als Hauptverantwortlichen ausgemacht hat. So etwas wie derzeit hat offenbar selbst der abgebrühte Grazer noch nicht erlebt. "Wenn einen die Pechsträhne verfolgt, dann scheinbar massiv", gab Marko zu.

Auch dem Grazer ist bewusst, dass die WM-Chancen nun noch deutlicher gesunken sind. "Es gibt deshalb aber noch keine Katastrophenstimmung", blickte Marko noch in Spielberg nach vorne. Vettel verließ die Strecke, auf der er mit 13 Jahren erstmals in einem Rennauto gesessen war, mit einer bitteren Erkenntnis: "Das war nicht der Grand Prix, den wir uns hier gewünscht hatten."

Mateschitz freut sich über "strahlende Gesichter"

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz durfte sich bei der Rückkehr der Formel 1 nach Österreich über eine rundum gelungene Veranstaltung freuen. Das vermochte auch das enttäuschende Abschneiden seiner Rennteams nicht zu trüben. Von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat er sogar eine silberne Plakette erhalten. "Gratulation, Zeltweg neues Leben eingehaucht zu haben", stand darauf zu lesen.

Didi Mateschitz in Spielberg
© GEPA pictures/Andreas Pranter Mateschitz ist trotz der Red-Bull-Pleite mit dem Heimrennen zufrieden.

"Ich habe in den letzten zehn Jahren nicht so viele strahlende und lachende Gesichter gesehen wie hier an einem Tag. Das überwiegt alles", betonte Mateschitz auf dem Dach seines Motorhomes. Dort hatte er bei strahlendem Sonnenschein auch das Rennen verfolgt.

"In 14 Tagen haben wir wieder ein Formel-1-Wochenende, da können wir alles wieder gutmachen", erinnerte Mateschitz. Eine gelungene Veranstaltung sei deutlich wichtiger. "Wenn wir auf das Podest kommen, ist das die kitschige Version. Das ist aber nicht notwendig", sagte der Milliardär. "Der Erfolg dieses Wochenendes ist uns umso viel wichtiger als ein weiteres Podium."

Zuschaueransturm in Spielberg

Als Erfolg durfte der Zuschaueransturm verbucht werden - und die Begeisterung auf den Rängen. "Die Formel 1 steht im Zentrum, aber es braucht auch ein Rahmenprogramm", erklärte Mateschitz das Konzept. Daher gab es eine Legendenparade, Flugshows und am Abend Popkonzerte. Mateschitz: "Wir wollen, dass unsere Gäste nicht nur am Wochenende kommen. Sie sollen drei oder vier Tage bleiben und sich wohlfühlen."

Das Publikum am Comeback-Wochenende scheint es getan zu haben. "Wir sind alle Österreicher, wir haben unsere Vorlieben", meinte Mateschitz. Das Programm entspreche der österreichischen bzw. der steirischen Seele. "Anderen Ländern gefällt ihr Grand Prix vielleicht auch so gut, wie uns unserer gefällt." Der reichste Mann des Landes hatte die Abende vor dem Rennen selbst im kleinen Rahmen in lokalen Wirtshäusern genossen.

Grand Prix von Spielberg
© APA/ERWIN SCHERIAU Das begeisterte Spielberg-Publikum

"Wir versuchen, Österreich zu inszenieren", sagte Mateschitz. Für das investierte Geld erhalte man enorm viel zurück. Finanziell ist der Grand Prix für Red Bull nicht gewinnbringend. Er wird es auch in den kommenden Jahren nicht sein. "Einen Break even werden wir nie erreichen. Aber die Sinnhaftigkeit ist uns auch wichtiger als finanzielle Aspekte", betonte der Konzernchef. "Es gibt viele andere Dinge, die wichtig sind."

Mateschitz bediente sich einer "Milchmädchenrechnung", wie er es formulierte: "Die Kosten der Organisation kann man mit den Ticketeinnahmen decken, wenn sie gut sind. Wenn es regnet und kalt ist, dann fehlt dir etwas. Bei traumhaften Bedingungen, kommt man von der 'Promoters Fee' vielleicht ein bisschen runter." Diese Abgabe im zweistelligen Millionenbereich ergeht an die Formel 1 - und sei laut Mateschitz im Normalfall das finanzielle Minus des Rennens.

Auch in den kommenden Jahren werde sich daran nichts ändern. Der Grand Prix in Spielberg ist vertraglich bis 2020 gesichert. 2015 wird laut Ecclestone erneut im Juni gefahren. "Verbesserungsmöglichkeiten gibt es immer", sagte Mateschitz. Auch mit einer längeren Vorlaufzeit - die Rückkehr des Rennens wurde im vergangenen Juli besiegelt - wäre für die Premiere aber nichts anders geplant worden. Mateschitz: "Es war alles fertig." Und es war gut.

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