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Vettel gewinnt WM-Krimi

Vettel genügt sechster Platz, Alonso nur Zweiter. Button gewinnt Brasilien-GP.

  • Grand Prix von Brasilien 2012
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    Der strahlende Sieger des WM-Krimis heißt Sebastian Vettel. Er geht mit erhobenem Zeigefinger als dreifacher F1-Champion aus dem Rennen. Auch wenn er beim GP von Brasilien nur Sechster wurde und zu Beginn alles gegen ihn sprach.

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    Der Start hätte turbulenter nicht verlaufen können: Gleich in der berüchtigten ersten Kurve von Interlagos wurde das Feld ordentlich durcheinandergewirbelt.

Sebastian Vettel fiel neben seinem demolierten Auto Rekordchampion Michael Schumacher erlöst in die Arme, Bernie Ecclestone eilte zum verschwitzten neuen und alten Formel-1-Weltmeister und aus der Heimat gratulierte umgehend die Kanzlerin. Der 25 Jahre und 145 Tage alte Deutsche hat sich in einem unfassbaren Saisonfinale in Sao Paulo mit Nervenstärke und Können zum jüngsten Dreifach-Weltmeister der Königsklasse des Motorsports gekrönt.

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Nicht einmal ein Unfall nach wenigen Kurven in der Startrunde und der Absturz auf den letzten Platz bremsten den Red-Bull-Piloten im Brasilien-Thriller. "Es ist im Moment schwer zu fassen. Das ist was ganz Besonderes", sagte der nach den richtigen Worten ringende Vettel überglücklich.

Denn beim Abschiedsrennen von seinem "Kumpel" Schumacher läutete der Hesse endgültig eine neue Ära ein - seine Ära. "Du bist der Weltmeister. Du bist der Dreifach-Weltmeister. Du bist der Mann", feierte Red-Bull-Teamchef Christian Horner seinen Starpiloten, dem der sechste Platz im 20. und letzten Rennen der bisher längsten F1-Saison genügte, um mit drei Punkten Vorsprung seinen bärenstarken Widersacher Fernando Alonso abermals in Schach zu halten.

Enorme Aufholjagd zum WM-Hattrick

Vettel hatte im Juli schon 44 Punkte Rückstand auf Alonso nach dessen Sieg auf dem Hockenheimring. Der 31-jährige Spanier hätte bei Vettels sechstem Brasilien-Rang siegen müssen, um seinerseits endlich in die erlesene Riege der Dreifach-Champions aufzusteigen. Er schaffte es aber am Ende - auch dank Ferrari-Stallorder - nur auf Platz zwei im denkwürdigen Zitterfinale in Interlagos.

Vettel wendete in einer Saison, in der es zu Beginn nicht immer wie erhofft lief, letztlich das Blatt. "Da bleibt einem erstmal der Atem weg", betonte der erfolgreiche Titelverteidiger, in dessen Heimat überschwänglich gefeiert wurde. "Es tut mir leid, wenn der eine oder andere von der Couch gefallen ist, aber im Auto war es genauso spannend", meinte Vettel mit breitem Grinsen.

Der deutsche Dominator ist der erst dritte Pilot nach dem Argentinier Juan Manuel Fangio und Schumacher, der dreimal hintereinander die WM-Trophäe gewann. "Wenn man bedenkt, dass er gerade mal über 100 Grand Prix hat und schon die dritte Meisterschaft, kann man nur gratulieren. Es macht mich auch ein bisschen stolz, er ist ja ein Kumpel von mir", sagte Schumacher, der sich mit Platz sieben in seinem letzten von nach 308 Grand Prix und sieben WM-Titeln verabschiedete.

Beeindruckendes Herzschlag-Finale

Geschenkt wurde Vettel nichts. "Es war sicherlich die härteste Fahrt, um einen WM-Titel zu holen", betonte Niki Lauda, selbst dreimaliger Weltmeister. Kurz nach dem Start von Platz vier stand Vettel plötzlich entgegen der Fahrtrichtung. "Ich stand praktisch als Geisterfahrer in Kurve vier. Das war nicht ideal", meinte Vettel, nachdem ihm Williams-Pilot Bruno Senna hinten seitlich in seinen RB8-Boliden gekracht war.

"Er hat den Kopf nicht hängen lassen, nachdem er in der ersten Runde schon verkehrt herum vor mir gestanden hat und wir uns fast berührt hätten", schilderte Schumacher den Horrormoment in Runde eins. Alonso hatte hingegen gleich zu Beginn nach Startplatz sieben mächtig Boden gut gemacht und sich auf Platz drei geschoben hinter Pole-Mann Lewis Hamilton und dessen Mclaren-Kollegen Jenson Button, der am Ende siegte.

Regen-Chaos in Brasilien

Das Problem: Vettels Auto war demoliert und nicht auf die Schnelle zu reparieren. "Das Auto war komplett aus der Balance. Es bestand immer die Gefahr, dass der Auspuff bricht", meinte Red Bulls Technik-Genie Adrian Newey. "Ich weiß nicht, wo mein Herzschlag war."

Denn das Rennen und damit der Kampf um die Krone nahmen ständig neue Wendungen: Unfälle, Dreher und dann auch noch Regen, der den 4,309 Kilometer langen Kurs im Autodromo Carlos Pace zur "Rutschpartie" machte. Im Finish wurde es dann noch nasser und rasanter. Erst als in der letzten Runde nach dem Unfall von Paul di Resta das Safety-Car ein letztes Mal ausrückte, war Vettels historischer WM-Triumph perfekt. "Hinterm Safety-Car zu zittern und ins Ziel zu humpeln, war eine Qual", gestand der Deutsche, nachdem ihn aber Formel-1-Chef Ecclestone mit einer herzlichen Umarmung für die Strapazen belohnt hatte.

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