Formel 1 manövriert sich in Sackgasse:
FIA-Boss Mosley denkt nicht an Rücktritt

Gegnerische Teamvereinigung gibt sich keine Böße Nur Ecclestone könnte noch eine Einigung vermitteln

Formel 1 manövriert sich in Sackgasse:
FIA-Boss Mosley denkt nicht an Rücktritt © Bild: Reuters/Del Pozo

Rien ne va plus - nichts geht mehr. Die Formel 1 ist in einer Sackgasse angekommen. Nach der Ankündigung von acht der zehn aktuellen Teams, eine eigene Rennserie zu gründen, kommunizieren die Konfliktparteien nur noch über ihre Anwälte. Bei einer Einigung droht ein Gesichtsverlust - entweder für FIA-Präsident Max Mosley oder der Teamvereinigung FOTA. Als möglicher Vermittler gilt nur noch F1-Vermarkter Bernie Ecclestone.

Für Ecclestone geht es um Millionen - und sein Lebenswerk. Der 78-jährige Brite steht der Formel 1 seit den 70er Jahren vor. Mittlerweile generiert die Königsklasse jährlich mehr als eine Milliarde Euro. Die großen Teams wollen mehr vom Kuchen, ein Mitgrund für das jüngste Aufbegehren. Die FIA geht allerdings davon aus, dass die FOTA-Teams vertraglich an die Formel 1 gebunden sind. Ein monatelanger Rechtsstreit könnte die Folge sein.

Die FIA hat sich selbst Spielraum verschaffen, indem sie die endgültige Startliste für 2010 erst nach Prüfung der Rechtslage verkündet. Am Mittwoch tagt in Paris der Motorsport-Weltrat, in dem mit Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo auch der Anführer der FOTA-Rebellen sitzt. Ein Misstrauensvotum scheint möglich, die Absetzung der Reizfigur Mosley aber unwahrscheinlich. Der 69-Jährige muss sich erst im Oktober der Wiederwahl stellen.

Kein Mosley-Rücktritt
Mosley denkt nicht an Rücktritt. "Die Leute in der FIA sagen mir, dass ich bleiben muss - gerade weil wir diese Probleme haben", erklärte der Engländer. Von der Konkurrenzserie will er sich nicht beunruhigen lassen, sei diese doch in der kurzen Zeit viel zu schwer umzusetzen. "Das ist pure Fantasie. Sie wissen, dass das nicht funktioniert. Sie wollen nur die Macht und das Geld. Ich werde nicht zulassen, dass das passiert", versicherte Mosley.

Ausreichend Strecken und TV-Partner würde die FOTA mit ihren Topteams und Topfahrern zwar finden, darüber hinaus aber auch Sponsoren, Vermarkter und Logistikpartner. "Für mich ist das inzwischen eine echte Alternative", gab Rekordweltmeister Michael Schumacher der Rennserie in seiner Funktion als Ferrari-Berater eine Chance - im Gegensatz zu Niki Lauda. "Das ist Schwachsinn und wird nie funktionieren", meinte der Österreicher.

"Zwei Serien wären das Dümmste"
Schon in den USA habe die Aufspaltung in IndyCar und ChampCar dem Rennsport erheblich geschadet. "Zwei Serien wären das Dümmste, das man machen kann", meinte Lauda. Stattdessen forderte der dreifache Weltmeister eine Rückkehr an den Verhandlungstisch - und einen ersten Schritt von Mosley. Absetzbar sei der umstrittene FIA-Präsident so einfach nämlich nicht. "Der hat letztes Jahr viel mehr überstanden", erinnerte Lauda an dessen Sex-Skandal.

Die Zügel über ihre Rennpferde scheinen Mosley und Ecclestone aber erstmals entglitten zu sein. "Die Formel 1 im Chaos - Rebellenteams wollen Ende der Max und Bernie Show", titelte die britische Zeitung "The Guardian". Erfolgsteamchef Ross Brawn brachte es auf den Punkt: "Die Formel 1 gehört nicht den Teams, sie gehört niemandem - sie gehört den Menschen." 100.000 davon waren am Samstag zum Qualifying nach Silverstone gepilgert.

Ihre Anziehungskraft hat die Königsklasse also auch in Zeiten politischen Hick-Hacks nicht verloren. Auch deshalb wollte sich Red Bull am Wochenende auf die sportliche Leistung konzentrieren. "Das funktioniert offensichtlich ganz gut", meinte Motorsport-Konsulent Helmut Marko mit Blick auf das stark verbesserte Auto. "Für uns ist es wichtig, dass es eine vernünftige Entscheidung gibt." Je früher, desto besser. Denn die Planungssicherheit liegt in der Formel 1 derzeit praktisch bei null.

Silverstone 2010?
In Sachen Silverstone ruderte Rechteinhaber Ecclestone indes vor dem Qualifying zum Grand Prix von Großbritannien zurück. Die Traditionsstrecke könnte auch im kommenden Jahr noch einmal im Kalender der Formel-1-WM stehen. Ab 2010 sollte in Donington gefahren werden. Eine Rückkehr nach Silverstone, 1950 Austragungsort des ersten Formel-1-Grand-Prix überhaupt, hatte Ecclestone bisher kategorisch ausgeschlossen.

Donington hat allerdings mit infrastrukturellen Problemen zu kämpfen. "Wir haben eine Vereinbarung mit Donington und ich hoffe, dass sie alle darin festgelegten Punkte einhalten können. Können sie das nicht, dann werden wir sicher nach Silverstone zurückkommen", sagte Ecclestone. Die Formel 1 hat derzeit aber noch größere Sorgen als das Rennen in England. Acht von zehn aktuellen Teams haben im Regelstreit mit einer Konkurrenzserie gedroht.
(apa/red)