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Formel 1: Hamilton stach "wie eine
Biene" zum fünften Mal in Montreal

Ein-Stopp-Strategie erwies sich als richtige Taktik - Titelrennen wieder völlig offen

Fakten - Formel 1: Hamilton stach "wie eine
Biene" zum fünften Mal in Montreal © Bild: imago/LAT Photographic

Lewis Hamilton hat zum fünften Mal beim Formel-1-Grand-Prix von Kanada in Montreal triumphiert. Der WM-Titelverteidiger gewann am Sonntag im Mercedes mit einer Ein-Stopp-Strategie vor Ferrari-Star Sebastian Vettel und Valtteri Bottas im Williams. Vettels Reifenpoker ging nach einem sensationellen Start nicht auf. Nico Rosberg verlor unterdessen als Fünfter wertvolle Punkte im Kampf um den Titel.

Seinen 45. Grand-Prix-Sieg widmete Hamilton einem der größten Sportler der Geschichte. "Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene. Das ist für Muhammad Ali", meldete sich der 31-Jährige noch aus dem Cockpit zu Wort. Die Box-Ikone aus den USA war in der Woche davor verstorben. Nach dem Sieg in Monaco vor zwei Wochen war es der zweite Siege en suite für den Briten, der Rosberg im Fight um den Titel damit erneut einen herben Schlag verpasste.

Rosbergs WM-Vorsprung schmilzt

Sein teaminterner Rivale liegt in der Gesamtwertung zwar noch vorne, der Vorsprung von zuvor 24 Punkten verringerte sich aber auf mickrige neun Zähler. Rosberg hält vor der Grand-Prix-Premiere in der kommenden Woche in Baku bei 116 Punkten, Hamilton hat 107 auf dem Konto. In Aserbaidschan wird es für den Deutschen, der die ersten vier Läufe in der Saison gewonnen hatte, somit wirklich brenzlig.

Für Red Bull verlief das Rennen durchwachsen. Youngster Max Verstappen legte mit Platz vier erneut eine Talentprobe ab, behauptete sich am Ende im Zweikampf gegen Rosberg. Daniel Ricciardo kam nicht über Rang sieben hinaus. Zuvor war erneut ein Reifenwechsel in der Box suboptimal verlaufen.

Mercedes-Teamduell

Das Mercedes-Duell wurde wieder einmal schon gleich zu Beginn maßgeblich beeinflusst. Der von der dritten Position gestartete Vettel reagierte blitzschnell und zwängte sich noch vor der ersten Kurve links an den beiden "Silberpfeilen" vorbei. Hinter ihm kam es wie schon vor knapp einem Monat in Barcelona zu einer Rangelei zwischen Pole-Setter Hamilton und Rosberg.

Der Deutsche attackierte außen, der Brite behauptete seinen Platz auf der Innenbahn, bis es zur Berührung kam. Rosberg fuhr notgedrungen über die Streckenbegrenzung, verlor seine Geschwindigkeit und wurde bis auf Platz zehn zurückgespült. "Er ist sehr aggressiv reingegangen. Das war sehr, sehr frustrierend in der Situation", meinte Rosberg nachher im ORF-Interview. Direkt wollte er Hamilton aber kein unfaires Verhalten vorwerfen.

»Ich bin glücklich, dass Nico und ich da keinen Schaden genommen haben.«

"Ich bin glücklich, dass Nico und ich da keinen Schaden genommen haben", hielt sich auch Hamilton kurz. "Es war wirklich eine knackige Situation. Man kann niemandem die Schuld geben", meinte Chef-Aufsichtsrat Niki Lauda. Das Manöver dürfte der Debatte um das explosive Verhältnis zwischen den beiden WM-Anwärtern und daraus eventuell ableitbaren Verhaltensregeln aber neue Nahrung geben.

Die virtuelle Safety-Car-Phase in der elften Runde, die durch einen kapitalen Motorschaden von Jenson Button ausgelöst worden war, nutzten Vettel und Kimi Räikkönen gleich zum ersten Reifentausch. Als die einzigen im Feld wechselten die beiden Ferrari von Ultrasoft auf die etwas härtere Supersoft-Variante. Als Hamilton in der 24. Runde in die Boxengasse abbog, kam er nachher 13 Sekunden hinter dem Deutschen Vettel liegend als Zweiter zurück.

Vettel verpokerte sich nach Blitzstart

In der 37. Runde wechselte Vettel auf die Soft-Mischung und lieferte danach eine schnellste Runde nach der anderen ab. Es reichte aber nicht: Unter vier Sekunden konnte er den Rückstand auf Hamilton nicht drücken. Dazu verbremste sich der Deutsche in der Schikane vor der Start/Ziel-Geraden zweimal entscheidend. Hamilton fuhr nicht mehr an die Box und somit seinen fünften Sieg auf dem Circuit Gilles Villeneuve letztlich ungefährdet nach Hause. "Seine Reifen hielten leider länger, als wir erwartet hatten", erklärte Vettel.

© imago/LAT Photographic

Lange aufgehalten wurde Ricciardo bei seinem zweiten Stopp: Die Red-Bull-Crew patzte beim Montieren des rechten Vorderreifens - für den Australier fast ein Deja-vu, hatte die Mannschaft doch zuletzt in Monaco den wahrscheinlichen Sieg durch eine peinliche Boxenstopp-Panne verspielt.

Rosberg mit Wut im Bauch

Rosberg arbeitete sich auf der nasskalten Strecke langsam nach vorne, kam aber nicht am Finnen Bottas vorbei, der Williams das erste Podium der Saison bescherte. In der Schlussphase streikte zudem die Elektronik, dazu handelte er sich einen schleichenden Reifenplatten ein. Mit der Wut im Bauch konnte der WM-Leader aber immerhin Ricciardo und Räikkönen, der Sechster wurde, noch überholen.

An Verstappen biss sich Rosberg aber die Zähne aus. Bei einem seiner versuchten Überholmanöver riskierte er gegen den Niederländer in der vorletzten Runde fast zu viel. Nach den jüngsten drei Rennen hat Rosberg das Treiben auf dem Podium jeweils nur aus der Ferne verfolgen können. "Das ist sehr enttäuschend", meinte der 30-Jährige. Beim Großen Preis von Europa in Baku kann er es schon in sieben Tagen besser machen.

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