Formel-1-GP in Bahrain von

Schatten über Bahrain

Im Königreich brodelt die Gesellschaft. Die Formel 1 blendet das komplett aus.

Formel-1-GP in Bahrain - Schatten über Bahrain © Bild: GEPA/XPB

Die Sebastian Vettel auf Aufholjagd. Doch abseits des sportlichen Spektakels muss die Rennserie dieser Tage heftige Kritik einstecken.

Bahrains Opposition, Menschenrechtsorganisationen und einige Politiker hatten auf eine erneute Absage des Rennens gedrängt. Im Königreich habe sich seit den blutigen Unruhen vor einem Jahr nur wenig verbessert, argumentieren die Grand-Prix-Gegner. Am Dienstag demonstrierten Hunderte in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt Manama. Die Behörden hätten schon an den Tagen zuvor rund 80 Personen festgenommen, die sich früher an Demonstrationen beteiligt hatten, teilte Mohamed Mascati, der Vorsitzende der Vereinigung Junger Bahrainis für Menschenrechte, mit.

Oppositionelle seit einem Jahr in Haft
Markus Löning, der Beauftragte der deutschen Regierung für Menschenrechtspolitik, forderte am Mittwoch die Freilassung der mehreren hundert Oppositionellen, die mehr als ein Jahr nach den blutig niedergeschlagenen Protesten noch in Gefängnissen sitzen. Löning verlangte auch die Freilassung des zu lebenslanger Haft verurteilten militanten Schiiten Abdel Hadi al-Khawaja, der seinen Hungerstreik verstärkt hat und nach Angaben seiner Frau intravenöse Ernährung ablehnt.

Formel 1 blendet politische Situation aus
Die Position der FIA, die diesmal am Rennen festhielt, ist klar. Die Formel 1 wolle sich ganz auf den Sport konzentrieren, betonte FIA-Präsident Jean Todt. Das ist in der bisherigen Saison bestens gelungen. "Wir hatten drei sehr unterschiedliche Rennen, und ich denke, wir werden womöglich 20 sehr verschiedene Rennen bekommen. Das ist faszinierend", schwärmte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh.

Seine Piloten Lewis Hamilton (45 Punkte) und Jenson Button (43) kommen als WM-Führende nach Bahrain. Hamilton schaffte es ohne Sieg und mit drei dritten Plätzen an die Spitze. Aber der Weltmeister von 2008 hat gleich eine Reihe von Teams als ernsthafte Gefahr ausgemacht. "Mercedes, Red Bull, Ferrari, Lotus und Sauber sind alle oben mit dabei. Das ist eine echt enge Meisterschaft", sagte der Brite.

Der erste Sieg ist der schwerste
Dass die lange hinterherfahrenden Mercedes von Hamilton plötzlich als erster Rivale genannt werden, hat vor allem mit Rosbergs historischer Sieg-Premiere von China zu tun. "Niki Lauda hat gesagt, dass der erste Sieg der schwierigste ist, danach wird es leichter. Es wäre fantastisch, wenn es so wäre", meinte Rosberg.

Nach zwei Rennen ohne Punktgewinn zum Auftakt hat sich der 26-Jährige in den Kreis der Mitfavoriten katapultiert - eine von vielen Kehrtwenden in der ersten Saisonphase. "Jetzt bin ich gespannt, wie er sich mit diesem Sieg auf dem Konto weiterentwickeln wird", sagte Mercedes-Teamchef Ross Brawn.

Silberpfeile mögen Hitze nicht
Spannend dürfte auch werden, wie Rekordchampion Michael Schumacher im internen Duell auf Rosbergs Sternstunde reagiert. "Wir wollen uns fortlaufend steigern, die Füße auf dem Boden halten und keine unnötigen Wellen machen, von denen gibt's in der Formel 1 schon mehr als genug", nannte Haug das Mercedes-Motto. Ohnehin erscheint fraglich, ob die "Silberpfeile" im heißen Bahrain vor allem im Rennen ähnlich auftrumpfen können wie im eher kühlen China.

Noch gar nicht zur Topform haben die Red Bulls gefunden. Vettels China-Bilanz klang wie ein Zwischenfazit des bisherigen Geschehens. "Sicher hätte es auch besser sein können, aber mit solchen Gedanken sollte man sich nicht allzu lange aufhalten, sondern aufs nächste Rennen schauen", sagte der Doppel-Weltmeister.

"Vettel-Faktor" allein hilft nicht
Der Deutsche ist derzeit WM-Fünfter (28 Punkte) und rangiert hinter seinem Stallrivalen Mark Webber (36). "Vettel braucht ein Auto, das gewisse Voraussetzungen erfüllt - und das bietet unser Auto nicht. Nur dann kann er diesen 'Vettel-Faktor' ausspielen", erklärte Helmut Marko, Motorsportberater von Red Bull. In Sakhir darf Vettel zudem auf der Suche nach der verlorenen Dominanz sein altes Auspuffmodell nicht mehr nutzen, sondern muss Webbers modifizierte Heckvariante fahren.

Der Australier erwartet einen neuerlich spannenden Grand-Prix. "Wir waren mit den Pirelli-Reifen und dem DRS noch nicht auf diesem Kurs. Man braucht guten Topspeed und die Bremsen werden sehr beansprucht", erklärte Red-Bull-Pilot Webber und nannte ein klares Ziel. "Es wäre schön, vor der Rückkehr nach Europa auf dem Podest zu stehen."