Formel 1 für Bahrain Milliarden-Geschäft:
PS-Monster perfekter Tourismuskatalysator

1-Milliarde-Dollar-Grenze soll überschritten werden

Für Bahrain ist die Formel 1 ein Milliarden-Geschäft. Im arabischen Insel-Kleinstaat im persischen Golf, sind die Einnahmen rund um die Formel 1 mittlerweile der größte Einnahme-Posten im Tourismus-Sektor überhaupt. In diesem Jahr soll die magische Marke von einer Milliarde Dollar überschritten werden.

Das Königreich Bahrain strebt als Alternative zum vergänglich Gas- und Ölvorkommen eine Zukunft als Finanzzentrum an und will wie die reichen Nachbarregionen, die zudem moderne und florierende Eigen-Airlines im Kampf um die Touristen einsetzen, auch den Gäste-Anteil stark steigern. Deshalb hat man seinerzeit um 150 Mio. Dollar eine hypermoderne Rennstrecke in den felsigen und sandigen Süden der Hauptinsel gestellt.

Zwar blieb bei den Rennen bisher der ganz große Zuschauer-Ansturm eher aus, dennoch funktioniert die Formel 1 als Tourismus-Katalysator. So flossen laut einer Untersuchung rund um das erneut von Weltmeister Fernando Alonso gewonnene Vorjahres-Rennen umgerechnet rund 295 Mio. Euro in die Wirtschaft Bahrains ein. Verkaufte Tickets, vor allem aber die Ausgaben der Formel-1-Fans in der Hotellerie und Gastronomie sind dafür hauptverantwortlich.

Das liegt auch daran, dass der Preiswucher in der Formel-1-Woche in Bahrain praktisch staatlich angeordnet ist. So müssen Hotels bis zum Dreifachen des Normalpreises verlangen. Laut den Betreibern des Bahrain International Circuit, kurz BIC genannt, hat man in den den ersten drei Jahren so 664 Mio. Dollar aus der Formel 1 lukriert. Werden heuer die prognostizierten 450 Mio. Dollar eingenommen, hat man die Milliarden-Grenze gesprengt.

Auf jeden Fall hat die Formel 1 den florierenden und aus 33 Inseln bestehenden, kleinsten Golfstaat auf die internationale Landkarte gebracht. Umgeben von reichen Nachbarn - Katar hat erst vor kurzem dank der Ölpreissteigerung einen um 40 Prozent gesteigerten Rekord-Haushalt verabschiedet - soll das als liberal geltende und östlich von Saudi-Arabien liegende Bahrain mit seinen 711 Quadratkilometern und rund 680.000 Bewohnern auf dem Finanzsektor bald eine ganz große Nummer sein. Gegen den 1,3 Mrd. Dollar teuren und ins Meer gebauten "Financial Harbour" nimmt sich die Formel-1-Rennstrecke wie ein Kinderspielplatz aus.

Bahrain steht aber auch für die Entwicklung der Formel 1, die immer deutlicher von Europa weg und Richtung Asien driftet. Nach Japan sind längst auch Länder wie Malaysia (seit 1999) und seit vier Jahren Malaysia und China Schauplätze von WM-Läufen. Künftig wird es auch einen GP in Abu Dhabi geben und auch Singapur, Indien und Südkorea buhlen um Rennen.

Und Bahrain tritt mittlerweile sogar schon mit einem "eigenen" Team in der Formel-1-WM an. Mehrere Fachblätter hatten vergangenen Herbst geschrieben, dass die McLaren-Anteilseigener Ron Dennis und Mansour Ojjeh 30 Prozent des Unternehmens im englischen Grove an die Königsfamilie al-Khalifa von Bahrain verkauft habe. Und diese Gerüchte bestätigten sich, für McLaren steht also ein "Heimrennen" an.

(apa/red)