FORMAT: Wie kann die Skibranche Umsatz-
einbrüche der letzten Saison verhindern?

Aufgrund Schneemangel 2006/2007 weniger verkauft "Lady-Ski" speziell für weibliche Klientel entwickelt

FORMAT: Wie kann die Skibranche Umsatz-
einbrüche der letzten Saison verhindern?

Keiner redet mehr vom Schnee von gestern - doch jede Regel hat eine Ausnahme: Wenn es um die Skibranche geht, ist der Schnee vom Vorjahr in aller Munde, beziehungsweise dessen weitgehendes Ausbleiben. In der letzten Skisaison sind im Vergleich zum Rekordwinter 2005/06 zu wenig Flocken gefallen. Bei Temperaturen von bis zu sechs Grad über dem langjährigen Durchschnitt dachten offenbar wenige ans Skifahren.

Daher verkauft der österreichische Handel laut Markterhebung von Fessel-GfK (siehe Grafik) insgesamt nur 388.000 Paar Ski. Das sind um zwanzig Prozent oder beinahe 100.000 Paar weniger als im Jahr davor. Die Folge: Fischer wird heuer voraussichtlich bloß 120 Millionen Euro Umsatz erreichen, um knapp 40 Millionen weniger als im Vorjahr. Atomic verbuchte im ersten Halbjahr 2007 ebenfalls ein Minus von satten 24,4 Prozent. Head wird nach aktueller Analyse gar als pleitegefährdet beschrieben.

Bereits erste Hiobsbotschaft
Die brennende Frage der gesamten Skibranche lautet deshalb: Bringt Frau Holle in diesem Winter ausreichend Schnee? Und vor allem - wenn sich der Wettergott nicht beschwören lässt -, mit welchen Strategien können Umsatzeinbrüche künftig ausgeglichen werden?

Die Wintersaison 2007/08 startete bereits mit einer Hiobsbotschaft für die Skihersteller: Der Handel habe um bis zu 30 Prozent weniger als im Vorjahr bestellt. Auch Intersport-Austria-Chefin Gabriele Fenninger bleibt vorsichtig und hat die Erstbestellungen bei Alpinskiern um 15 Prozent zurückgeschraubt. Doch die Managerin gibt sich kämpferisch: "Wir wollen uns die Saison nicht wie im letzten Jahr kaputtreden lassen. Falls wieder von zu wenig Schnee die Rede ist, machen wir mit unseren Prospekten selbst Tourismuswerbung."

Neue Zielgruppe Frauen
Neues Marktpotenzial sehen die Händler im Alpinski-Bereich vor allem beim weiblichen Geschlecht. Immerhin gehen 48 Prozent der Ski an weibliche Kundschaft, doch erst seit kurzem gibt es speziell auf sie zugeschnittene Produkte.

Die Hersteller tragen diese Entwicklung voll mit. Sport- und Bewegungswissenschaftler Erich Müller kam zum Ergebnis, dass Frauen ihre Schwünge anders setzen als Männer. Daher wurde ein eigener "Lady-Ski" entwickelt. Blizzard präsentierte heuer eine eigene "Women's Line" im "farbenfrohen, eleganten Design". Head überarbeitete das Frauen-Skischuh-Programm, und auch Fischer stellte bei der Sportmesse ISPO spezielle Innovationen für Damen vor.

Tourenski ist "in"
Im Trend liegt aber auch der Tourenski. Alois Grill, seit 1997 Gesellschafter der Nischenfirma Hagan Ski, weiß, wovon er spricht: "Wir haben aus der ehemaligen Gesamtkollektion das beste Produkt, den Tourenski, herausgegriffen und uns darauf konzentriert." Der Fitnessboom kam ihm zugute, mit Skiern auf den Berg zu gehen ist "in".

Ob sich allerdings die Strategie, in Superstars wie Bode Miller und Hermann Maier zu investieren, lohnt, wird sich nach Saisonende weisen. Miller ist Head kolportierte 700.000 Euro wert. Maier, der seinen Vertrag mit Head diesen Sommer unterschrieb, verdient laut Bob Koch vermutlich "ähnlich, wenn nicht weniger" als Miller. Beide könnten einen Umsatzzuwachs von etwa fünf Prozent bringen, meint Hervis-Chef Eichblatt.

Weiteres Marktpotenzial
Marktpotenzial sehen Skihersteller wie -händler in Osteuropa und Russland, auch im Hinblick auf die Investitionen für Olympia in Sotschi 2014. Atomic-Chef Michael Schineis spricht von zweistelligen Zuwachsraten: "Das sind trotz großer sozialer Gefälle Zukunftsmärkte. Russland bewegt sich vom Umsatz her bereits im Bereich der Schweiz."

Dennoch: Die Skibranche wünscht sich baldigen Schnee. Ernest Rudel von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik prognostiziert: bessere Voraussetzungen für Schnee als im letzten Jahr, aber keine Wiederholung des Rekordwinters 2005/06.

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