FORMAT-Interview mit Parteichef Van der Bellen: "Tanze nicht auf jedem Kirtag"

Grünen-Chef über Life Earth, die Regierung, uvm. "Regierung verschläft eine Chance nach der anderen"

FORMAT-Interview mit Parteichef Van der Bellen: "Tanze nicht auf jedem Kirtag"

Der grüne Parteichef Alexander Van der Bellen über Life Earth und Al Gore, die verpassten Chancen der Regierung, die sanfte Öffnung der Grünen und seinen Alfa.

Format: Herr Professor, vor einigen Tagen haben bei den Life-Earth-Konzerten Millionen Menschen rund um den Globus für eine bessere Welt gefeiert. Haben Sie sich die Konzerte angesehen?

Van der Bellen: Nein, ich habe für den Sommer vorgearbeitet.

Format: Fühlen Sie sich dieser globalen Bewegung gegen die Klimaerwärmung nicht thematisch nahe?

Van der Bellen: Das schon, aber ich brauche keine zusätzliche Motivation, um mich gegen den Klimawandel einzusetzen. Ich finde es aber sehr in Ordnung, wenn es durch Life Earth zu einer zusätzlichen Bewusstseinsbildung kommt.

Format: Zeigen diese globalen Bewegungen wie Life-Earth - aber auch Life-Aid von Bob Geldof - nicht, wie viele Menschen für Umweltthemen und globale Fragen zu begeistern wären?

Van der Bellen: Ja, aber nicht unbedingt parteipolitisch. Dass sich Al Gore so entwickeln konnte, ist schon interessant. Er war ja Demokrat und kein Grüner. Und jetzt erobert er in den USA ein offenes Terrain, das in den nächsten Jahren Zukunft hat. Diese gesamte Entwicklung kann für die Grünen nur positiv sein. Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit dem Phänomen der Klimaveränderung. Jetzt endlich scheint sich eine Dynamik zu entwickeln, die Folgen zeitigen wird. Vor 20 Jahren waren die Grünen verschrien als Partei, deren Mitglieder auf den Bäumen wohnen, Bananen essen und Schlapfen tragen, wenn sie vom Baum runtersteigen. Heute kann uns niemand mehr als Spinner abtun. Es ist schon eine gewisse Genugtuung, wenn ein Thema so aufgeht.

Format: Themenwechsel: Wie lautet Ihre Bilanz als Oppositionschef nach sechs Monaten Regierung Gusenbauer?

Van der Bellen: Die Regierung verschläft eine Chance nach der anderen. Und das tut mir für das Land leid. Mit dieser Politik wird man weder in der Energie-noch in der Bildungs-oder Forschungspolitik Erfolge erzielen. Damit versäumt die Regierung Zeit, die dem Land später abgeht.

Format: Welche politischen Schwerpunkte werden die Grünen nach der Sommerpause setzen?

Van der Bellen: Zwei Themen liegen auf der Hand: Österreich muss begreifen, dass die Klimaveränderung auch eine wirtschaftliche Chance darstellt. Der zweite Punkt ist der Kampf für ein Bleiberecht. Es ist humanitär untragbar, aber auch ökonomisch blöd, was hier passiert. Wir bilden Kinder in unserem Land aus und schieben sie dann ab. Wichtig wäre weiters eine Zuzugsfrei-heit in der Forschung und der Wissenschaft. Dafür braucht es aber ein Umdenken. Zuwanderung bedeutet doch auch eine Bereicherung für ein Land, und Österreich wird immer ein Einwanderungsland bleiben, auch wenn sich der Herr Strache auf den Kopf stellt. Auch ich bin ein Einwanderer der ersten Generation.

Format: Werden Sie mit Ihrem emissionsstarken Alfa in den Urlaub fahren, oder haben Sie bereits auf einen Hybridwagen umgesattelt?

Van der Bellen: Ich fahre mit meinem Hybridauto in den Urlaub nach Tirol. Toyota hat den Grünen zwei Prius-Modelle zur Verfügung gestellt. Mit einem fahre meistens ich, den anderen nutzt vor allem Eva Glawischnig.

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