FORMAT über Diskonter auf Öko-Kurs: Hofer
vollzieht den Wandel zum Vollsortimenter

Bio-Papst Werner Lampart kreiert Milchlabel für Hofer Diskonter spricht so ökobewusste Konsumenten an

Werner Lampert, Erfinder und Ex-Chef der Billa-Bio-Marke "Ja!Natürlich", hat den August 2003 sicher nicht vergessen: Zwischen ihm, dem Bio-Papst von Billa, und Veit Schalle, dem damaligen Österreich-Chef der Billa-Mutter Rewe, sollen böse Worte gefallen sein. Lampert schied jedenfalls im Unfrieden aus dem Unternehmen, weil er die neue strategische Ausrichtung der Bio-Marke durch den deutschen Lebensmittelkonzern nicht mehr länger mittragen wollte.

Schalle reagierte auf die öffentlichen Seitenhiebe seines einstigen Mitstreiters kaum. Dabei soll der frühere "Mr. Billa", erzählen Brancheninsider, durchaus den hohen Beträgen nachgetrauert haben, die sein Konzern Lampert Monat für Monat für dessen Dienste bezahlte.

Nach dem Ausstieg bei Billa startete der Bio-Guru einige Projekte, ein großer Coup wie einst mit "Ja!Natürlich" war allerdings nicht dabei. Nun will er wieder an seine glorreichen Tage anknüpfen - und zwar in großem Stil: Für Hofer-Chef Armin Burger hat Lampert in den vergangenen Monaten an der Entwicklung einer neuen Milchproduktlinie getüftelt, die ab Oktober als Innovation in den Regalen des expansiven Diskonters stehen wird. Branchenexperten halten den Erfolg des neuen Hofer-Labels - dessen Name noch strikt geheim gehalten wird - für vorprogrammiert. Denn damit kommt erstmals eine Produktlinie auf den Markt, die sich klar zwischen biologischem und konventionellem Landbau positioniert und damit auch eine ökobewusste Klientel in die Hofer-Filialen bringen kann.

Mit Lamperts Engagement beschreitet Burger einen für Hofer neuen Weg. Der Bio-Guru als Frontmann der neuen Produktlinie steht geradezu programmatisch für Hofers Imagewandel weg vom schmucklosen Diskonter. "Der Ausdruck Luxusdiskonter scheint mittlerweile legitim", so Bio-Austria-Sprecher Wilfried Oschischnig.

Marktlücke zwischen "bio" und konventionell
Mithilfe von "Ja!Natürlich"-Erfinder Werner Lampert will Burger seinen Expansionskurs nun noch schneller vorantreiben. Monatelang hatte der Bio-Papst in Burgers Auftrag an einer Sortimentserweiterung der besonderen Art gearbeitet. FORMAT recherchierte vorab die Details zum Deal: Hofer soll von insgesamt 340 steirischen Bauernhöfen Milch beziehen, die anschließend von der Obersteirischen Molkerei sowie Berglandmilch verpackt und an die Hofer-Filialen ausgeliefert wird. Die neue Hofer-Milch unterscheidet sich von der herkömmlichen vornehmlich durch die Art der Tierhaltung und-fütterung, für die Lampert Richtlinien entwickelte. Gentechnikfreies Futter sowie eine naturnahe Tierhaltung zählen dabei zu den wichtigsten Eckpunkten.

Bereits in wenigen Wochen soll es die neuen Trinkmilch-und Joghurtprodukte in den Hofer-Filialen geben. Gerüchte, es handle sich dabei um reine Bio-Produkte, bestätigten sich nicht, weil die Zulieferer konventionelle Betriebe und nicht BioBauern sind. Burger dürfte für das neue Milchlabel daher eine Marktlücke zwischen herkömmlichen und biologischen Produkten sehen - und damit etwas völlig Neues schaffen. Etwa fünf Cent pro verkauften Liter Milch sollen dabei direkt auf das Konto des jeweiligen Bauern fließen.

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