FORMAT - Die Politik im "Kinderschock": Wie sollen Familie & Beruf vereint werden?

Wieviel 'Vater Staat' für den Nachwuchs locker macht Kinderbetreuungsplätze & 'Papamonat' im Politik-Talk

Die Politik redet gern über Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Was ihr Kinder aber wirklich wert sind und was sie kosten, sagt sie nicht. SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer gibt seit Monaten Schulkindern Nachhilfestunden, ÖVP-Familienministerin Andrea Kdolsky teilt in Schulen Kondome an Minderjährige aus, und der Bildungssprecher ihrer Partei, ÖGB-Urgestein Fritz Neugebauer, macht sich Gedanken über Leistungstests für Dreijährige. Daneben streitet man munter über fehlende Kinderbetreuungsplätze, die Zuverdienstgrenze beim Kinderbetreuungsgeld und einen "Papamonat" für Väter unmittelbar nach der Geburt des Kindes.

Weniger schick ist es, potenziellen Eltern zu sagen, welche Kosten auf sie zukommen, wenn sie sich vermehren wollen. Und was Vater Staat an Geldern für den Nachwuchs lockermacht. Auch wenn die exakten Aufwendungen für Kinder bis zum 18. Lebensjahr von vielen Faktoren abhängig sind: Eine umfassende Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) zum Thema "Direkte und indirekte Kinderkosten" liefert einen detaillierten Überblick über die höheren Konsumaufwendungen in Haushalten mit Kind, die Transferleistungen des Staates, aber auch die deutlich höheren indirekten Kosten, die durch den Verdienstentgang - fast immer betreut die Frau die Kinder nach der Geburt - entstehen.

Ein Punkt, der auch von ÖVP-Familienpolitikern immer wieder gern vorgebracht wird, wird in der Studie bestätigt: Die Unterstützung von österreichischen Familien in Form finanzieller Transferleistungen ist im europäischen Vergleich sehr hoch. Das WIFO rechnet vor, dass diese Transferzahlungen im Schnitt zehn Prozent zum Netto-Haushaltseinkommen von Familien beitragen.

Ideologie und Familienpolitik
Sonja Dörfler vom Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) kritisiert aber diese ideologische Ausrichtung der Familienpolitik: "Österreich ist nach Luxemburg tatsächlich Spitzenreiter bei den direkt monetären Transfers für Familien. Diese Politik unterstützt aber jenes traditionelle Familienbild von der Mutter, die zuhause bei den Kindern bleibt." Im Vergleich zu anderen EU-Staaten wäre Österreich aber ein Nachzügler bei der Infrastruktur für Kinderbetreuung. Der Bevölkerungswissenschaftler Rainer Münz bestätigt im FORMAT-Interview diesen Eindruck: "Man kann vermuten, dass in Frankreich oder Schweden die Geburtenzahlen höher sind, weil die Frauenbeschäftigung höher ist und es damit eine materielle Absicherung der Mütter gibt." Wünschenswert wäre daher, so Münz, wenn die Politik akzeptieren würde, dass eine wachsende Zahl von Menschen berufstätig ist, und Frauen sich nicht zwischen Kind oder Beruf entscheiden müssen.

Das wäre nicht nur aus demografischer Sicht wünschenswert, sondern auch fürs Wirtschaftswachstum gut. Wie die WIFO-Studie nämlich zeigt, steigen die Konsumausgaben mit Kindern deutlich an.

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