FORMAT - Der Postmarkt ist in Bewegung:
Die heimische Lage vor der Marktfreigabe

Reaktionen auf massive Wettbewerbsveränderungen "Wir sind gerüstet, wir verteidigen uns im Inland"

Europas nationale Postgesellschaften rüsten sich für den neuen Wettbewerb, der mit der totalen Markt-freigabe kommt. Die Lage ist angespannt. Das war auch einer der Gründe, weshalb die Teilnahme an der jüngst abgehaltenen Tagung der Vereinigung europäischer Postgesellschaften gut gebucht war. Anton Wais, Generaldirektor der heimischen Post, hatte zum Gedankenaustausch nach Wien eingeladen. Thema: die Zukunftsperspektiven am europäischen Postmarkt.

Die Branche befindet sich am Vorabend massiver Marktbewegungen und Wettbewerbsänderungen. In wenigen Jahren soll für den bisher noch zum großen Teil monopolisierten europäischen Brief-Postmarkt die totale Marktfreigabe kommen. Unsicherheit besteht bisher lediglich darin, ob es 2009 oder 2011 so weit ist. Noch profitieren die staatlichen Postkonzerne davon, dass in den meisten Ländern der EU der Markt für Briefsendungen bis 50 Gramm für sie reserviert ist. Rund 135 Milliarden Postsendungen werden innerhalb der EU jährlich zugestellt und damit ein Umsatz von rund 90 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Umsätze verteilen sich zu zwei Dritteln auf Briefdienstleistungen und zu etwa einem Drittel auf Paket- und Expressdienste, die bereits in einem wettbewerbsorientierten Umfeld arbeiten. Beim Brief werden - im geschützten Bereich - Umsatzrenditen zwischen 14 und 20 Prozent verdient.

Absicherung des Kerngeschäfts
Marco Demuth, Post-Experte bei der internationalen Managementberatung Oliver Wyman, geht davon aus, dass mit der endgültigen Öffnung der Brief-Postmärkte weitere neue Wettbewerber auf den Markt drängen, die vor allem das lukrative Briefgeschäft angreifen werden und ihren europaweiten Marktanteil in diesem Segment von derzeit knapp fünf auf 30 Prozent bis 2015 steigern könnten. "Das nationale Kerngeschäft abzusichern ist daher die wichtigste, weil existenzielle Aufgabe der europäischen Postunternehmen", versichert Demuth, "dafür müssten die Postkonzerne ihr Geschäftsmodell konsequent an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten." Mit den bisherigen Strategien, so warnt Demuth, "werden sie in Zukunft stetig Marktanteile verlieren."

Für die österreichische Post glaubt Vorstandschef Anton Wais die Weichen bereits gestellt zu haben: "Wir sind gerüstet, wir verteidigen uns im Inland und werden im Ausland wachsen".

Die wichtigsten europäischen Postkonzerne haben schon vor zehn Jahren ihre Marktausrichtung geändert.
Dazu gehört vor allem der niederländische Postkonzern TPG, der früh begonnen hat, sich neu zu positionieren. TPG war das erste Unternehmen, das privatisiert wurde, und notiert seit 1994 an der Börse. Einen Vorsprung gewann der Konzern auch mit seiner frühen Positionierung und Entscheidung zur Expansion in den Sparten Mail, Express und Logistics. Die globale Expansion von TPG wird im Wesentlichen durch TNT betrieben, einen ursprünglich australischen Express- und Logistikdienstleister, den TPG bereits 1996 akquiriert hat.

Vorreiter war auch die börsennotierte Deutsche Post DPWN, die mit ihrer Tochter DHL, wie TNT, eine weltweite Expansion anstrebt und durch ihre Internationalisierung zwischen 2002 und 2005 ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 13 Prozent pro Jahr erreichte. Mit dem Ausbau ihres Logistik- und Expressgeschäfts mit globaler Präsenz ist es den beiden Marktführern gelungen, schon jetzt ein starkes Standbein für die Zeit nach der Liberalisierung des Briefgeschäfts zu schaffen.

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