FORMAT-Chefredakteur Peter Pelinka
über die Parallelen religiösen Extremisten

Über Osamas Jünger und die Pius-Brüder Wie sich die Fundamentalisten gleichen

FORMAT-Chefredakteur Peter Pelinka
über die Parallelen religiösen Extremisten © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

In der Religion ist es wie in der Politik: Auch ein theoretisch ‚guter‘ Glaube wird entsetzlich, wenn er seine Überzeugung anderen mit Gewalt aufzwingt.

Selten habe ich zu einem Kommentar so viele Reaktionen erhalten wie zum letztwöchigen über die (weitere) konservative Wende in der katholischen Kirche, international sichtbar durch die Rehabilitierung der fundamentalistischen Pius-Bruderschaft (Holocaust-Leugner Williamson inklusive), in Österreich durch die Bestellung des erzkonservativen Pfarrers Gerhard Maria Wagner zum neuen Weihbischof von Linz. Neben meist zustimmenden „normalen“ Mails erhielt ich eine Fülle von „Lehrbriefen“ diverser sektenartiger Gebilde mehr oder weniger harmloser Art. Neben neuerlichen „Verdammungen“ Harry Potters („Seine Welt ist die Welt der Magie, Hexerei und Zauberei“, als ob dies nicht Charakteristikum aller erfolgreichen Märchen und Sagen sei) über hymnische Zitierungen aus Pfarrbriefen von Anti-Potter Wagner („Wenn man das mit dem Glauben konfrontiert, dann ist das ein Werk Satans, ich fürchte um die Seele der Kinder“) bis zu Werbeschreiben für neue „Offenbarungen“ (insbesondere im bayrischen Raum), Teufelsaustreiber (vorrangig in Italien angesiedelt) und „gläubige“ Siedlungen für elektrosmogverseuchte Europäer (in Paraguay).

Plus einer entlarvenden Warnung vor dem angeblichen Moslem (weil als Kind auch in Indonesien lebend) Barack Obama und dessen Absicht, „die Mauern zwischen Christen, Moslems und Juden einreißen“ zu wollen: „Es gibt nur eine Mauer zwischen Christentum und Judentum, zwischen Christentum und Islam: Jesus Christus! Obama will eine Zukunft ohne Jesus Christus. Hussein (sic!) Obama ist ein gefährlicher Mann.“

Jede Religion hat ihre Spinner, auch gefährliche. Es gibt islamische Fundis (besonders viele) wie jüdische, es gibt Hindi-Terroristen, die Moslems anzünden, und islamistische, welche Christen verfolgen, es gab und gibt innerislamische und innerchristliche Schlachten. Selbst unter den als friedlich geltenden Buddhisten existieren Extremisten, welche in Sri Lanka in Verfolgung einer „falschen“ Religion Tamilen abgeschlachtet haben. Mit der Religion verhält es sich so wie mit der Politik: Auch ein theoretisch „guter“ Glaube wird zur entsetzlichen Praxis, wenn er seine Überzeugung anderen mit Gewalt aufzwingen will. Aufgeklärte Menschen wehren sich dagegen mit dem rechtlich und politisch abgesicherten Prinzip weltanschaulicher Toleranz, fundamentalistisch verblendete sehen im Mitmenschen anderen (oder gar keines) religiösen Glaubens nur den zu bekehrenden, im schlimmsten Fall den zu verfolgenden. Besonders unhaltbar ist eine solche Überzeugung, wenn sie sich auf das Christentum beruft und seine Botschaft der Nächstenliebe. Das war die Geisteshaltung mittelalterlicher Kreuzzüge, das ist die Haltung „christlicher“ Fundis, welche im Gegensatz zum „Dialog der Weltreligionen“ nur im Sinne der „Bekehrung“ mit Juden oder Moslems reden wollen (so die offizielle Haltung der vom Papst „heimgeholten“ Pius-Brüder). Das ist die Haltung aller religiösen Extremisten, aller Osamas dieser Welt. Obwohl sie sich hasserfüllt bekämpfen, gleichen sie einander: in ihrem autoritären Gehabe, ihren paranoiden Verschwörungstheorien, ihrer Ablehnung der Moderne, ihrer Angst vor Frauen und freier (auch Homo-)Sexualität.