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Revolution der Esskultur:
Mini-Mahlzeiten sind hip

Snacks lösen traditionelle Mahlzeiten ab

Foodtrend - Revolution der Esskultur:
Mini-Mahlzeiten sind hip © Bild: shuttertsock

Drei Mahlzeiten am Tag, morgens, mittags und abends: Dieses Konzept gehört der Vergangenheit an. Die sogenannte Snackification der Esskultur sei Ausdruck einer flexibleren, spontaneren und individuelleren Gesellschaft, ist Trendforscherin Hanni Rützler überzeugt.

Seit Jahren beschäftigt sich die Österreicherin Hanni Rützler Foodtrends und bringt ihre Ergebnisse im jährlich erscheinenden „Food-Report“ auf den Punkt. Aktuell zeichnen sich aus Sicht der Expertin vor allem ein Trend ab: Snackification.

Was genau ist Snackification?

Dabei handle es sich nicht um den Griff zu Süßigkeiten oder Chips, sondern zu kleinen, gesunden Portionen, die traditionelle Mahlzeiten wie Mittagessen ersetzen, sagte Rützler.

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Kleine Mahlzeiten sind demnach nicht mit Fast Food gleichzusetzen, sondern mit „Fast Good“ – deshalb auch der Vormarsch der Food Trucks. Selbst große Ketten sehen sich immer strengeren Qualitätskriterien gegenüber, die ihnen nicht etwa von politischer Seite, sondern von den Konsumenten selbst auferlegt werden. Denn wir essen immer bewusster, es muss nicht nur schnell gehen, sondern auch gesund sein. Unser Essverhalten wird immer mehr zum sozialen Ausdrucksmittel, wobei wir uns weniger über das definieren, was wir essen, sondern über das, was wir nicht essen.

Gemüse spiele eine Hauptrolle auf dem Teller

Unsere Mahlzeiten strukturieren nicht mehr den Arbeitstag, sondern – im Gegenteil – wir passen das Essenverhalten dem Rhythmus des Erwerbslebens an. Im Klartext bedeutet das: Es wird dann gegessen, wenn man gerade Zeit hat, und das kann jederzeit und überall sein. Statt drei großer Mahlzeiten nehmen wir folgerichtig über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu uns.

»Food Trends sind ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft«

Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung verändere sich auch das, was in der Regel als Fast Food wahrgenommen werde: "Das kann auch vegetarisch oder vegan sein." Ernährung trete in den Vordergrund - und Gemüse spiele eine Hauptrolle auf dem Teller.

"Food Trends sind ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft", sagte sie bei der Präsentation des Reports Frankfurt. Der Überfluss beschleunige einerseits den Konsum, löse aber auch Suchbewegungen aus - und aus diesen wiederum entwickelten sich neue Trends. Die Snackification der Esskultur etwa sei "Ausdruck einer flexibleren, spontaneren und individuelleren Gesellschaft."

Genuss und Gesundheit - keine Gegensätze

Das persönliche Bedürfnis steht aber immer an erster Stelle. Auch die Expertin sei von den Entwicklungen im Lebensmittelbereich manchmal hin und her gerissen.

"Manchmal frage ich mich, wer dem guten Leben mehr schadet: die Ernährungsindustrie oder die Ernährungsfundamentalisten“, meinte die Wissenschaftlerin kürzlich in einem Spiegel-Interview und prangerte auch an, dass wir viel zu oft an der Freude vorbei essen und trinken, weil wir lustfeindlich auf unsere Nahrung blicken. Die Expertin rät, „sich nicht verrückt machen zu lassen“. Genuss und Gesundheit sind nämlich keine Gegensätze, sondern untrennbar miteinander verbunden.

Wie entstand der Food Report 2020?

Für den Food Report 2020 analysierte Rützler zum siebenten Mal die wichtigsten Entwicklungen rund ums Essen. Der Bericht wird von dem von Matthias Horx gegründeten Zukunftsinstitut in Zusammenarbeit mit der Lebensmittelzeitung und der dfv Mediengruppe herausgegeben. Für den Report analysierte die Ernährungswissenschafterin Rützler unter anderem Studien über Ernährungsverhalten, untersuchte Gastronomie- und Streetfood-Entwicklungen.