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Folter in australischem Jugendgefängnis

Anwalt: Videos erinnern an Misshandlung von Häftlingen in Guantanamo

Insassen eines Jugendgefängnisses im Norden Australiens sind in den vergangenen zwei Jahren offenbar über Wochen schwerst misshandelt worden. Der TV-Sender ABC veröffentlichte Videos, die zeigen sollen, wie Häftlinge nackt ausgezogen, mit Tränengas beschossen und wochenlang in Einzelhaft festgehalten werden. Die australische Regierung kündigte am Dienstag eine rasche Untersuchung der Vorwürfe an.

Ein Video aus dem Gefängnis im Verwaltungsgebiet Northern Territory zeigt einen 17-Jährigen, der mit einem Sack über dem Kopf an einen Sessel gefesselt und zwei Stunden alleine gelassen wird. Australiens Premierminister Malcolm Turnbull äußerte sich "geschockt und entsetzt" über die Enthüllungen. Eine Untersuchungskommission werde nun untersuchen, was genau geschehen sei und wie die Taten so lange unentdeckt geblieben seien.

Der Vorsitzende der regionalen Anwaltskammer, John Lawrence, sagte ABC, die Szenen der gefesselten Jugendlichen erinnerten an die Folter von Insassen des US-Gefangenenlagers Guantanamo. Viele der mutmaßlichen Opfer sind dem TV-Bericht zufolge australische Ureinwohner. Mehr als zwei Drittel der Häftlinge im Northern Territory sind Aborigines.

Ein Tränengas-Zwischenfall aus dem Jahr 2014 im Don Dale Centre bei Darwin im äußersten Norden des Landes wurde bereits einmal untersucht. Die Behörden behaupteten aber, die Gefangenen hätten randaliert und der Einsatz sei nicht exzessiv gewesen. Der Sender zeigte nun Videoaufnahmen aus Überwachungskameras, die das widerlegten.

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