Folgt Klaus Bachler: Matthias Hartmann wird
ab 2009 Direktor des Wiener Burgtheaters

Wurde als Favorit auf Fünf-Jahres-Vertrag gehandelt PLUS: Neuer Chef spricht in NEWS über seine Pläne

Matthias Hartmann (43) wird ab der Saison 2009/10 neuer Burgtheater-Direktor. Er folgt Klaus Bachler, der ab 2008/09 - in der ersten Saison parallel zur Burg - die Bayerische Staatsoper in München leiten wird. Der künftige Burgtheaterdirektor "repräsentiert eine neue Generation von Theaterleitern und hat bewiesen, dass Erfolg mit hohem künstlerischen Anspruch machbar ist", sagte Kunststaatssekretär Franz Morak (V) über seine heute, Dienstag, präsentierte Wahl. Hartmann lobte das Haus am Ring als "interessantestes Theater der ganzen Welt".

Die Entscheidung für den "offenen, zielgerichteten Vielarbeiter" Hartmann sei gestern, Montag, gefallen, so Morak. Er habe sich so schnell entschieden, um zu "verhindern, dass andere Kulturverantwortliche auf die Idee kommen, dass Hartmann ein großartiger Direktor" an einem anderen Haus wäre. Hartmann, der einen Fünfjahresvertrag bekommen wird, habe "mehrfach bewiesen, dass er ein Profi ist", sei ein "Mann des Theaters" und "verbindet Professionalität mit Leidenschaft".

Hartmann, 1963 in Osnabrück geboren, hat in den vergangenen Jahren eine steile Theaterkarriere absolviert. Ab der Spielzeit 2000/2001 war er Intendant des Schauspielhauses Bochum, seit 2005 ist er Intendant am Schauspielhaus Zürich, das er nach vier Jahren - ein Jahr früher als vorgesehen - am 31. Juli 2009 verlassen wird. Das Wiener Burgtheater kennt er als Regisseur von einigen Inszenierungen (u.a. Schillers "Die Räuber"und Peter Turrinis "Die Liebe in Madagaskar").

"Nationaltheater" und "Schutzraum"
Das Wiener Burgtheater sei als "Nationaltheater" eine ganz besondere Herausforderung. Es sei ein "Schutzraum", in dem modernes Theater und Uraufführungen stattfinden könne, aber auch diejenigen Fragen behandelt werden können, die die "gesamte abendländische Kultur" beinhaltet, so Hartmann. Die "Einzigartigkeit des Burgtheaters ist für mich eine Lebensperspektive". Das Burgtheater müsse zwar eine Ausrichtung haben, aber sich nicht gegen andere Häuser profilieren und daher auf einen bestimmten Stil einengen. Es soll ein Ort sein, der nicht die Welt erklären will, sondern ein Ort, der "Fragen stellt und nicht ständig Antworten vermittelt". In Wien "begleiten die Menschen das Theater auch im Scheitern", es gebe hier eine Theatertradition, die "mit ganz großer Vorsicht zu behandeln sein wird".

Seinen ersten Spielplan will Hartmann rund ein Jahr vor seiner ersten Saison bekannt geben. Über mögliche Schauspieler, die er mit ans Burgtheater bringen will, oder andere künstlerische Partnerschaften, die Hartmann im Gepäck haben wird, wollte er noch nichts preisgeben. Wie es seiner Meinung nach mit der Finanzsituation des Theaters aussieht? "Jeder Intendant, der sagt, er hat genug Geld, ist ein Trottel", so Hartmann auf eine APA-Frage. "Aber im internationalen Vergleich sieht es so aus, als wäre das machbar". Morak habe Gesprächsbereitschaft signalisiert, "wenn es klemmt".

Von Kollegen (Staatsoperndirektor Ioan Holender, der künftige Volksoperndirektor Robert Meyer, der künftige Direktor des Theaters in der Josefstadt Herbert Föttinger) und Kulturpolitik (Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S), SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen) kam Hartmann viel Lob entgegen. Einer jedoch schwieg: Burgtheaterdirektor Klaus Bachler war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, hieß es aus dem Theater auf Anfrage der APA. Die als starke Kandidatin gehandelte Andrea Breth hat Hartmann am Dienstagmorgen ein Glückwunsch-SMS geschrieben, so Hartmann, der seine Wertschätzung für die Kollegin ausdrückte.

Das Schauspielhaus Zürich sei von der Entscheidung überrascht worden, sagte dessen kaufmännischer Direktor Marc Baumann zur sda. Hartmanns Entscheidung sei bedauerlich, aber verständlich, denn eine Berufung ans Burgtheater bedeute für jeden Intendanten die "allerhöchste Stufe in der künstlerischen Laufbahn", hieß es in einer Aussendung des Theaters.

(APA/red)